{"id":34633,"date":"2026-04-06T16:38:13","date_gmt":"2026-04-06T14:38:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34633"},"modified":"2026-04-06T16:38:14","modified_gmt":"2026-04-06T14:38:14","slug":"aufgelesen-vol-671-ultramarin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34633","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)71 &#8211; &#8222;ultramarin&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit den Werk &#8222;Ultramarin&#8220; von Ann-Christin Kumm. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"627\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Ultramarin-627x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34637\" style=\"width:200px\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Ultramarin-627x1024.jpg 627w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Ultramarin-184x300.jpg 184w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Ultramarin-768x1254.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Ultramarin-941x1536.jpg 941w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Ultramarin-1254x2048.jpg 1254w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Ultramarin-scaled.jpg 1568w\" sizes=\"auto, (max-width: 627px) 100vw, 627px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ <em>Ultramarin<\/em> von <strong>Ann-Christin Kumm<\/strong> hat etwas Unruhiges, fast Flirrendes, das sich erst nach und nach entfaltet. Am Anfang wirkt alles noch wie dieser typische Sommerzustand: zu viel Licht, zu wenig Struktur, Tage, die ineinanderlaufen. Lou und Raf scheinen sich in dieser Schwerelosigkeit eingerichtet zu haben \u2013 eine enge, fast eingeschlossene Zweierwelt, die von Gewohnheit, Abh\u00e4ngigkeit und unausgesprochenen Erwartungen lebt. Und dann kommt Nora dazu, und pl\u00f6tzlich kippt dieses Gleichgewicht. Was Kumm hier besonders gut gelingt, ist dieses langsame Verschieben von Stimmungen. Nichts passiert auf einen Schlag, sondern eher wie ein kaum merklicher Druck, der sich aufbaut. Die Dynamik zwischen den drei Figuren ver\u00e4ndert sich st\u00e4ndig: Blicke, kleine Gesten, Schweigen \u2013 alles bekommt Gewicht. Man merkt schnell, dass es nicht einfach um eine Dreiecksgeschichte geht, sondern um etwas Grunds\u00e4tzlicheres: Wer hat Macht \u00fcber wen? Wer bestimmt N\u00e4he, wer zieht sich zur\u00fcck? Und wie sehr h\u00e4ngt das eigene Selbstbild davon ab, wie man von anderen gesehen wird? <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Lou ist dabei eine unglaublich spannende Figur, weil er so stark aus der Perspektive der anderen lebt. Seine Wahrnehmung ist eng an Raf gebunden, fast abh\u00e4ngig, und genau deshalb wird Noras Auftauchen so bedrohlich. Nicht, weil sie aktiv etwas zerst\u00f6rt, sondern weil sie sichtbar macht, wie fragil diese Beziehung eigentlich ist. Raf selbst bleibt lange schwer greifbar \u2013 charismatisch, anziehend, aber auch distanziert, fast kontrollierend. Und Nora bringt eine Energie hinein, die alles verschiebt, ohne sich wirklich festlegen zu lassen. Dieses Setting an der d\u00e4nischen K\u00fcste passt perfekt dazu. Die Weite, das Meer, das Licht \u2013 das k\u00f6nnte alles Freiheit bedeuten, aber hier wirkt es eher wie ein Verst\u00e4rker f\u00fcr Unsicherheit. Je offener der Raum, desto enger scheinen die Figuren in ihren eigenen Mustern gefangen zu sein. Das Ferienhaus wird so zu einem Ort, an dem sich diese Spannungen b\u00fcndeln, fast wie unter einem Brennglas. Was den Roman besonders macht, ist diese Mischung aus Begehren und Unbehagen. Die Anziehung zwischen den Figuren ist sp\u00fcrbar, aber nie eindeutig oder beruhigend. Stattdessen bleibt immer dieses Gef\u00fchl, dass N\u00e4he auch etwas Gef\u00e4hrliches hat, dass sie kippen kann \u2013 in Kontrolle, in Abh\u00e4ngigkeit, in Verletzung. Kumm schreibt das sehr k\u00f6rperlich, aber ohne je platt zu werden; es geht weniger um das Offensichtliche als um das, was darunter liegt. Am Ende bleibt vor allem dieses diffuse Gef\u00fchl von Ambivalenz. Nichts l\u00e4sst sich klar aufl\u00f6sen oder eindeutig benennen, und genau das passt zu den Themen des Buches: Identit\u00e4t, Queerness, Macht \u2013 alles ist in Bewegung, nichts stabil. <em>Ultramarin<\/em> ist kein Roman, der Antworten gibt, sondern einer, der Situationen schafft, in denen man sich selbst beim Beobachten ertappt \u2013 und merkt, wie schnell sich Sympathien verschieben k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit den Werk &#8222;Ultramarin&#8220; von Ann-Christin Kumm. \/\/ Ultramarin von Ann-Christin Kumm hat etwas Unruhiges, fast Flirrendes, das sich erst nach und nach entfaltet. Am Anfang wirkt alles noch wie dieser typische Sommerzustand: zu viel Licht, zu wenig Struktur, Tage, die ineinanderlaufen. 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