{"id":34634,"date":"2026-04-09T18:45:25","date_gmt":"2026-04-09T16:45:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34634"},"modified":"2026-04-10T23:21:03","modified_gmt":"2026-04-10T21:21:03","slug":"aufgelesen-vol-672-die-riesinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34634","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)72 &#8211; &#8222;die riesinnen&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;Die Riesinnen&#8220; von Hannah H\u00e4ffner. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"645\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Hannah-Haeffner-645x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34635\" style=\"width:200px\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Hannah-Haeffner-645x1024.jpg 645w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Hannah-Haeffner-189x300.jpg 189w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Hannah-Haeffner-768x1219.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Hannah-Haeffner-968x1536.jpg 968w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Hannah-Haeffner-1290x2048.jpg 1290w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Hannah-Haeffner-scaled.jpg 1613w\" sizes=\"auto, (max-width: 645px) 100vw, 645px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ <em>Die Riesinnen<\/em> von <strong>Hannah H\u00e4ffner <\/strong>hat mich sofort gepackt, weil es diesen ganz eigenen Ton trifft \u2013 rau und poetisch zugleich, als w\u00fcrde jemand eine Familiengeschichte nicht einfach erz\u00e4hlen, sondern aus der Erde herausgraben. Schon die ersten Bilder bleiben h\u00e4ngen: diese Frauen, die zu gro\u00df sind f\u00fcr ihr Dorf, zu auff\u00e4llig, zu wenig passend \u2013 und genau daraus entsteht eine Spannung, die sich durch den ganzen Roman zieht. Im Zentrum stehen drei Generationen: Liese, Cora und Eva. Was sie verbindet, ist nicht nur ihre Herkunft, sondern auch dieses Gef\u00fchl, nie ganz dazuzugeh\u00f6ren. Ihr K\u00f6rper wird zum sichtbaren Zeichen daf\u00fcr \u2013 dieses \u201eZu-gro\u00df-Sein\u201c ist nicht nur physisch gemeint, sondern auch sozial, emotional, fast existenziell. Sie ragen heraus, und das macht sie angreifbar, aber auch eigenwillig stark. Liese wirkt dabei wie eine Figur aus einer anderen Zeit: hart, kontrolliert, fast unbeweglich. Ihre St\u00e4rke ist etwas, das sie sich erarbeitet hat, vielleicht auch erarbeiten musste, um in dieser d\u00f6rflichen Enge bestehen zu k\u00f6nnen. Cora dagegen ist diejenige, die ausbricht \u2013 w\u00fctend, unruhig, voller Energie. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Aber was der Roman sehr klug zeigt: Weggehen ist nicht automatisch Befreiung. Die Vergangenheit bleibt, und irgendwann stellt sich die Frage, ob R\u00fcckkehr wirklich ein Scheitern ist oder vielleicht etwas anderes. Und dann ist da Eva, die dritte Generation, die leiser wirkt, fast suchend \u2013 und deren Verbindung zur Natur eine ganz eigene Dimension hineinbringt. Der Schwarzwald ist dabei mehr als nur Kulisse. Er ist fast eine eigene Figur: dicht, dunkel, lebendig. Der Wald steht f\u00fcr etwas Urspr\u00fcngliches, f\u00fcr Kontinuit\u00e4t, vielleicht auch f\u00fcr eine Art Gegenwelt zu den sozialen Erwartungen des Dorfes. Gerade bei Eva wird das sp\u00fcrbar \u2013 als w\u00fcrde sie dort etwas finden, das au\u00dferhalb der famili\u00e4ren und gesellschaftlichen Zuschreibungen liegt. Was mich besonders beeindruckt hat, ist, wie H\u00e4ffner diese drei Frauen nicht gegeneinander ausspielt, sondern miteinander verwebt. Es gibt Konflikte, Br\u00fcche, Missverst\u00e4ndnisse \u2013 klar. Aber gleichzeitig entsteht so etwas wie eine stille Linie, die sich durch die Generationen zieht. Man versteht, warum die eine so geworden ist, warum die andere anders reagiert. Es ist kein einfaches \u201eDie n\u00e4chste macht es besser\u201c, sondern eher ein Weitergeben von Erfahrungen, Verletzungen und M\u00f6glichkeiten. Sprachlich hat das Buch eine Wucht, die manchmal fast k\u00f6rperlich wird. Es gibt Passagen, die sehr dicht sind, fast dr\u00e4ngend, und dann wieder solche, die ganz ruhig werden. Diese Mischung passt perfekt zu den Figuren: viel unterdr\u00fcckte Energie, die sich nur gelegentlich Bahn bricht. Was am Ende h\u00e4ngen bleibt, ist dieses Spannungsfeld zwischen Herkunft und Selbstbestimmung. Wie weit kann man sich l\u00f6sen von dem, wo man herkommt? Und was bleibt trotzdem immer Teil von einem? <em>Die Riesinnen<\/em> gibt darauf keine einfachen Antworten, aber es macht sp\u00fcrbar, wie komplex diese Fragen sind \u2013 und wie viel Kraft darin steckt, sich ihnen \u00fcberhaupt zu stellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;Die Riesinnen&#8220; von Hannah H\u00e4ffner. \/\/ Die Riesinnen von Hannah H\u00e4ffner hat mich sofort gepackt, weil es diesen ganz eigenen Ton trifft \u2013 rau und poetisch zugleich, als w\u00fcrde jemand eine Familiengeschichte nicht einfach erz\u00e4hlen, sondern aus der Erde herausgraben. 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