{"id":34639,"date":"2026-04-10T20:33:29","date_gmt":"2026-04-10T18:33:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34639"},"modified":"2026-04-10T20:33:30","modified_gmt":"2026-04-10T18:33:30","slug":"aufgelesen-vol-673-kala","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34639","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)73 &#8211; &#8222;kala&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;Kala&#8220; von Colin Walsh. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"675\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Colin-Walsh-675x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34642\" style=\"width:200px\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Colin-Walsh-675x1024.jpg 675w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Colin-Walsh-198x300.jpg 198w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Colin-Walsh-768x1166.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Colin-Walsh-1012x1536.jpg 1012w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Colin-Walsh-1349x2048.jpg 1349w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Colin-Walsh-scaled.jpg 1687w\" sizes=\"auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ <strong>Colin Walsh<\/strong>s <em>Kala<\/em> ist so ein Roman, der sich langsam unter die Haut schiebt, ohne dass man es sofort merkt. Am Anfang wirkt alles fast vertraut: eine kleine irische K\u00fcstenstadt, alte Freundschaften, ein Sommer, der nie ganz vorbei ist. Aber je weiter man liest, desto mehr kippt dieses Gef\u00fchl \u2013 und pl\u00f6tzlich steckt man mitten in einer Geschichte, die weniger Krimi als vielmehr ein schonungsloses Erinnern ist. Im Zentrum steht diese Clique um Kala, die mehr ist als nur eine Freundin \u2013 sie ist so etwas wie der emotionale Mittelpunkt, das Gravitationszentrum, um das sich alles dreht. Dieses Motiv kennt man vielleicht aus anderen Coming-of-Age-Geschichten: eine Figur, die gr\u00f6\u00dfer wirkt als das Leben selbst, charismatisch, unberechenbar, fast mythisch. Und genau deshalb ist ihr Verschwinden so verst\u00f6rend \u2013 weil mit ihr nicht nur ein Mensch verschwindet, sondern eine ganze Lebensphase, ein Gef\u00fchl von Unbesiegbarkeit. Was ich besonders stark fand: Der Roman interessiert sich gar nicht so sehr f\u00fcr die Frage \u201eWer war\u2019s?\u201c im klassischen Sinne. Stattdessen geht es um etwas viel Unangenehmeres \u2013 n\u00e4mlich darum, wie Erinnerungen funktionieren. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wie man sich Dinge sch\u00f6nredet, verdr\u00e4ngt, umdeutet. Die Figuren \u2013 Helen, Joe, Mush \u2013 sind l\u00e4ngst erwachsen, aber sobald sie wieder in Kinlough sind, fallen sie zur\u00fcck in alte Muster. Man merkt richtig, wie Vergangenheit kein abgeschlossener Raum ist, sondern etwas, das jederzeit wieder aufbrechen kann. Diese Struktur, in der Gegenwart und Vergangenheit ineinander greifen, erzeugt eine ganz eigene Spannung. Es ist kein Thriller, der dich mit Cliffhangern durchpeitscht, sondern eher ein Sog: Du willst verstehen, was damals wirklich passiert ist \u2013 und gleichzeitig ahnst du, dass die Wahrheit nicht befreiend sein wird. Eher im Gegenteil. Auch sprachlich hat das etwas sehr Atmosph\u00e4risches. Diese K\u00fcstenlandschaft, das Wetter, die Enge der Kleinstadt \u2013 das ist nicht nur Kulisse, sondern fast ein eigener Charakter. Alles wirkt ein bisschen feucht, grau, durchzogen von Erinnerungen. Und mittendrin diese Figuren, die versuchen, mit sich selbst klarzukommen, w\u00e4hrend sie gleichzeitig merken, dass sie sich vielleicht nie wirklich gekannt haben. Spannend ist auch der Vergleich, der oft gezogen wird \u2013 zu Autorinnen wie Tana French oder Donna Tartt. Das passt tats\u00e4chlich, aber <em>Kala<\/em> f\u00fchlt sich trotzdem eigen an. Es hat diese Mischung aus literarischem Anspruch und erz\u00e4hlerischer Sogwirkung, ohne je geschniegelt oder konstruiert zu wirken. Es ist roh an manchen Stellen, emotional offen \u2013 und gerade deshalb so glaubw\u00fcrdig. Was bei mir h\u00e4ngen geblieben ist, ist weniger die Aufl\u00f6sung als das Gef\u00fchl danach: diese leise Beklemmung, dieses Nachdenken \u00fcber Freundschaft, Schuld und dar\u00fcber, wie sehr einen die eigene Vergangenheit pr\u00e4gt. <em>Kala<\/em> ist kein Buch, das man einfach \u201edurchliest\u201c und dann abhakt. Es bleibt. Und es stellt Fragen, auf die man vielleicht gar keine eindeutigen Antworten haben will.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;Kala&#8220; von Colin Walsh. \/\/ Colin Walshs Kala ist so ein Roman, der sich langsam unter die Haut schiebt, ohne dass man es sofort merkt. Am Anfang wirkt alles fast vertraut: eine kleine irische K\u00fcstenstadt, alte Freundschaften, ein Sommer, der nie ganz vorbei ist. 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