{"id":34640,"date":"2026-04-13T22:02:13","date_gmt":"2026-04-13T20:02:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34640"},"modified":"2026-04-13T22:02:14","modified_gmt":"2026-04-13T20:02:14","slug":"aufgelesen-vol-675-belly-up","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34640","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)75 &#8211; &#8222;belly up&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werken &#8222;Der Lebenszyklus des gemeinen Oktopus&#8220; von Emma Knight und &#8222;Belly Up&#8220; von Rita Bullwinkel. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"664\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Emma-Knight-664x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34647\" style=\"width:200px\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Emma-Knight-664x1024.jpg 664w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Emma-Knight-194x300.jpg 194w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Emma-Knight-768x1185.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Emma-Knight-996x1536.jpg 996w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Emma-Knight-1328x2048.jpg 1328w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Emma-Knight-scaled.jpg 1660w\" sizes=\"auto, (max-width: 664px) 100vw, 664px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Wenn man <strong>Rita Bullwinkel<\/strong>s <em>Belly Up<\/em> und <strong>Emma Knight<\/strong>s <em>Der Lebenszyklus des Gemeinen Oktopus<\/em> nebeneinanderlegt, hat man fast das Gef\u00fchl, zwei Werke in der Hand zu halten \u2013 die auf seltsame Weise miteinander kommunizieren. <em>Belly Up<\/em> ist kein Buch, das man einfach \u201edurchliest\u201c. Es ist eher eines, in das man immer wieder hineinf\u00e4llt. Jede Geschichte wirkt wie ein eigener kleiner Kosmos, oft nur wenige Seiten lang, aber voller Irritationen. Da verwandeln sich K\u00f6rper, da kippen Situationen ins Groteske, da passieren Dinge, die man rational gar nicht mehr greifen kann. Und trotzdem f\u00fchlt sich das nie beliebig an. Im Gegenteil: Gerade diese Verschiebungen machen sichtbar, wie fragil unser Verst\u00e4ndnis von Normalit\u00e4t eigentlich ist. Beim Lesen hatte ich oft das Gef\u00fchl, dass Bullwinkel Dinge beschreibt, die man aus dem echten Leben kennt \u2013 Angst, Scham, Neugier, Gewalt, Begehren \u2013, aber sie durch eine Art Verzerrungslinse betrachtet. Pl\u00f6tzlich sieht man diese Gef\u00fchle klarer, weil sie nicht mehr im Gewohnten versteckt sind.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Was mich dabei besonders besch\u00e4ftigt hat: Diese Geschichten haben etwas K\u00f6rperliches. Sie sind nicht nur \u201eerz\u00e4hlt\u201c, man sp\u00fcrt sie fast. Oft unangenehm, manchmal verst\u00f6rend, aber auch mit einem schwarzen Humor, der genau im richtigen Moment aufblitzt. Es ist kein Trostbuch, aber eines, das einen wach macht. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"596\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Rita-Bullwinkel-596x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34648\" style=\"width:463px\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Rita-Bullwinkel-596x1024.jpg 596w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Rita-Bullwinkel-175x300.jpg 175w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Rita-Bullwinkel-768x1320.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Rita-Bullwinkel-894x1536.jpg 894w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Rita-Bullwinkel-1192x2048.jpg 1192w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Rita-Bullwinkel-scaled.jpg 1490w\" sizes=\"auto, (max-width: 596px) 100vw, 596px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Und dann liest man im Anschluss <em>Der Lebenszyklus des Gemeinen Oktopus<\/em> \u2013 und f\u00fchlt sich erstmal wieder auf festem Boden. Hier gibt es Figuren, denen man folgt, Orte, die man sich vorstellen kann, Beziehungen, die sich entwickeln. Pen und Alice, ihre Freundschaft, das Ankommen in Edinburgh, dieses vorsichtige Hineintasten in ein neues Leben \u2013 das ist alles viel n\u00e4her an dem, was man aus klassischen Romanen kennt. Und genau darin liegt auch die St\u00e4rke des Buches: Es zieht einen nicht durch Schockmomente rein, sondern durch N\u00e4he. Was aber schnell klar wird: Auch hier geht es um Unsicherheit, um Identit\u00e4t, um die Frage, wer man ist und woher man kommt. Nur eben auf sehr viel leisere Art und Weise. Pens Suche nach der Geschichte ihrer Mutter, diese Verbindung zu einem ber\u00fchmten Schriftsteller, das Setting in den Highlands \u2013 das hat fast etwas Geheimnisvolles, ohne je ins Fantastische abzurutschen. Stattdessen entfaltet sich alles \u00fcber Gespr\u00e4che, Erinnerungen, Begegnungen. Und immer wieder diese Dynamik zwischen den Figuren: Freundschaft, erste Liebe, Abh\u00e4ngigkeiten, kleine Verschiebungen, die pl\u00f6tzlich alles ver\u00e4ndern k\u00f6nnen. Der Titel ist dabei erstaunlich treffend. Wie ein Oktopus verzweigt sich die Geschichte in verschiedene Richtungen \u2013 Vergangenheit, Gegenwart, Beziehungen \u2013, und man merkt erst nach und nach, wie alles zusammenh\u00e4ngt. Es ist ein Roman, der sich Zeit nimmt, aber genau dadurch wirkt er lange nach. Wenn man beide B\u00fccher zusammen denkt, entsteht ein ziemlich spannendes Spannungsfeld. <em>Belly Up<\/em> ist radikal in seiner Form, fast schon anarchisch \u2013 es stellt die Realit\u00e4t selbst infrage. <em>Der Lebenszyklus des Gemeinen Oktopus<\/em> dagegen bleibt innerhalb dieser Realit\u00e4t, aber zeigt, wie komplex und vielschichtig sie trotzdem ist. Wie eine Art \u00e4u\u00dfere Matrix schlingt sich <em>Belly Up<\/em> um Letzteres herum. Was mich beim Lesen beider B\u00fccher begleitet hat, war dieses Gef\u00fchl von \u00dcbergang. Bei Bullwinkel sind es extreme, fast albtraumhafte Transformationen \u2013 Dinge ver\u00e4ndern sich pl\u00f6tzlich, unwiderruflich, oft ohne Erkl\u00e4rung. Bei Knight sind es die stilleren \u00dcberg\u00e4nge: vom Teenager ins Erwachsenenleben, von Freundschaft in etwas anderes, von Unwissen zu einem ersten, oft schmerzhaften Verstehen. Beide B\u00fccher erz\u00e4hlen davon, dass Identit\u00e4t nichts Festes ist. Dass sie sich verschiebt, manchmal langsam, manchmal abrupt. Dass man sich selbst nicht immer versteht \u2013 und dass genau darin etwas sehr Wahrhaftiges liegt. Wenn ich ehrlich bin, w\u00fcrde ich <em>Belly Up<\/em> eher in kleinen Dosen lesen \u2013 eine Geschichte, dann Pause, nachdenken, vielleicht auch irritiert sein. <em>Der Lebenszyklus des Gemeinen Oktopus<\/em> dagegen ist so ein Buch, in das man sich reinfallen lassen kann, das einen \u00fcber viele Seiten begleitet, fast wie eine gute Bekanntschaft. Zusammen gelesen erg\u00e4nzen sie sich erstaunlich gut: Das eine fordert heraus, das andere f\u00e4ngt auf. Und beide zeigen auf ihre eigene Weise, wie seltsam, verletzlich und gleichzeitig faszinierend es ist, ein Mensch zu sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werken &#8222;Der Lebenszyklus des gemeinen Oktopus&#8220; von Emma Knight und &#8222;Belly Up&#8220; von Rita Bullwinkel. \/\/ Wenn man Rita Bullwinkels Belly Up und Emma Knights Der Lebenszyklus des Gemeinen Oktopus nebeneinanderlegt, hat man fast das Gef\u00fchl, zwei Werke in der Hand zu halten \u2013 die auf seltsame Weise miteinander kommunizieren. 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