{"id":34715,"date":"2026-04-24T14:34:58","date_gmt":"2026-04-24T12:34:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34715"},"modified":"2026-04-24T14:35:00","modified_gmt":"2026-04-24T12:35:00","slug":"aufgelesen-vol-679-we-love-you-bunny","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34715","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)79 &#8211; &#8222;we love you, bunny&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werken &#8222;We Love You, Bunny&#8220; von Mona Awad und &#8222;Das Spiel&#8220; von Aisling Rawle. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"409\" height=\"629\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Screenshot-2026-04-10-19.38.24.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-34722\" style=\"width:200px\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Screenshot-2026-04-10-19.38.24.png 409w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Screenshot-2026-04-10-19.38.24-195x300.png 195w\" sizes=\"auto, (max-width: 409px) 100vw, 409px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Wenn man <em>Das Spiel<\/em> von <strong>Aisling Rawle <\/strong>und <em>We Love You, Bunny<\/em> von <strong>Mona Awad<\/strong> zusammen liest, entsteht ein ziemlich intensiver Dialog zwischen zwei Romanen, die auf den ersten Blick ganz unterschiedlich wirken, sich aber im Kern mit denselben Abgr\u00fcnden besch\u00e4ftigen. Beide kreisen um Gruppendynamiken, um das Bed\u00fcrfnis nach Zugeh\u00f6rigkeit \u2013 und darum, wie schnell sich Identit\u00e4t aufl\u00f6st, wenn man beginnt, sich an ein System anzupassen, das st\u00e4rker ist als man selbst. <em>Das Spiel<\/em> wirkt zun\u00e4chst zug\u00e4nglicher. Das Setting ist klar, fast schon vertraut: eine k\u00fcnstliche Anlage, ein Wettbewerb, ein Regelwerk. Man denkt sofort an Reality-TV-Formate wie Love Island, aber auch an dystopische Szenarien wie Die Tribute von Panem. Genau mit dieser Erwartungshaltung spielt der Roman. Anfangs hat das Ganze fast etwas Verf\u00fchrerisches: sch\u00f6ne Menschen, klare Ziele, die Aussicht \u201ezu gewinnen\u201c. Doch je weiter man liest, desto mehr kippt dieses Setting. Die Aufgaben verlieren ihren Sinn, Beziehungen werden strategisch, Vertrauen wird zu einem Risiko. Was mich beim Lesen besonders besch\u00e4ftigt hat, ist diese permanente Beobachtungssituation.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Alles wird gesehen, alles wird bewertet \u2013 und dadurch ver\u00e4ndert sich automatisch das Verhalten der Figuren. Man sp\u00fcrt, wie sie anfangen, sich selbst von au\u00dfen zu betrachten, sich zu inszenieren, Rollen zu \u00fcbernehmen. Und irgendwann wei\u00df man nicht mehr: Wer handelt hier noch aus echten Gef\u00fchlen \u2013 und wer nur, weil es Teil des Spiels ist? <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"713\" height=\"591\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Screenshot-2026-04-10-19.40.51.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-34721\" style=\"width:463px\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Screenshot-2026-04-10-19.40.51.png 713w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Screenshot-2026-04-10-19.40.51-300x249.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Diese Unsch\u00e4rfe macht den Roman so unangenehm fesselnd. <em>We Love You, Bunny<\/em> geht einen v\u00f6llig anderen Weg \u2013 und ist dabei vielleicht noch radikaler. Hier gibt es kein sichtbares Spiel, keine klaren Regeln, keine \u00e4u\u00dfere Instanz, die alles steuert. Stattdessen entsteht das System von innen heraus: durch eine Clique, durch Sprache, durch Rituale. Die \u201eBunnys\u201c erschaffen sich ihre eigene Welt, ihre eigene Logik, ihre eigene Realit\u00e4t. Und genau das macht es so verst\u00f6rend. W\u00e4hrend Rawles Roman zeigt, wie ein k\u00fcnstlich geschaffenes System Menschen formt, zeigt Awad, wie Menschen selbst ein System erschaffen k\u00f6nnen, das genauso m\u00e4chtig \u2013 vielleicht sogar m\u00e4chtiger \u2013 ist. Die Dynamiken innerhalb der Gruppe sind dabei fast noch intensiver, weil sie emotional aufgeladen sind: Freundschaft, Bewunderung, Abh\u00e4ngigkeit, Konkurrenz. Alles ist \u00fcbersteigert, oft grotesk, manchmal sogar absurd \u2013 und trotzdem erkennt man darin reale soziale Mechanismen wieder. Beim Lesen hatte ich bei <em>We Love You, Bunny<\/em> immer wieder das Gef\u00fchl, den Boden unter den F\u00fc\u00dfen zu verlieren. Realit\u00e4t und Fantasie verschwimmen so stark, dass man sich st\u00e4ndig fragt, was eigentlich noch \u201eecht\u201c ist. Aber vielleicht ist genau das der Punkt: Dass diese Unterscheidung irgendwann gar nicht mehr so wichtig ist, wenn man einmal Teil eines solchen Systems geworden ist. Was beide B\u00fccher besonders spannend macht, ist diese Mischung aus Anziehung und Absto\u00dfung. In beiden F\u00e4llen gibt es einen Moment, in dem man versteht, warum die Figuren bleiben. Warum sie sich anpassen. Warum sie Dinge akzeptieren, die von au\u00dfen betrachtet v\u00f6llig inakzeptabel sind. Es geht immer auch um Sehnsucht: nach N\u00e4he, nach Anerkennung, nach Bedeutung. Und genau diese Sehnsucht wird ausgenutzt \u2013 einmal von au\u00dfen, einmal von innen. Stilistisch k\u00f6nnten die Unterschiede kaum gr\u00f6\u00dfer sein. <em>Das Spiel<\/em> ist eher k\u00fchl, pr\u00e4zise, fast beobachtend. Es hat etwas Kontrolliertes, das gut zu seinem Setting passt. <em>We Love You, Bunny<\/em> dagegen ist sprachlich exzessiv, verspielt, manchmal chaotisch \u2013 ein regelrechter Rausch. Und doch f\u00fchren beide Wege zum gleichen Gef\u00fchl: einer wachsenden Beklemmung, die sich langsam aufbaut und irgendwann kaum noch abzusch\u00fctteln ist. Wenn man beide B\u00fccher nebeneinander betrachtet, entsteht fast so etwas wie ein Gesamtbild: Zwei verschiedene Modelle von Macht und Manipulation. Bei Rawle ist es ein sichtbares System mit Regeln und Kontrolle. Bei Awad ein unsichtbares Geflecht aus Beziehungen, Sprache und Emotionen. Und beide stellen letztlich dieselbe Frage \u2013 nur aus unterschiedlichen Perspektiven: Wie viel von dir selbst gibst du auf, um dazuzugeh\u00f6ren? Und merkst du \u00fcberhaupt, wann du damit angefangen hast?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werken &#8222;We Love You, Bunny&#8220; von Mona Awad und &#8222;Das Spiel&#8220; von Aisling Rawle. \/\/ Wenn man Das Spiel von Aisling Rawle und We Love You, Bunny von Mona Awad zusammen liest, entsteht ein ziemlich intensiver Dialog zwischen zwei Romanen, die auf den ersten Blick ganz unterschiedlich wirken, sich aber im Kern mit [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-34715","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category--unter-der-haut"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34715","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=34715"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34715\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34795,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34715\/revisions\/34795"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=34715"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=34715"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=34715"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}