{"id":34766,"date":"2026-05-15T13:34:43","date_gmt":"2026-05-15T11:34:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34766"},"modified":"2026-05-15T13:34:44","modified_gmt":"2026-05-15T11:34:44","slug":"aufgelesen-vol-683-outback-killers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34766","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)83 &#8211; &#8222;outback killers&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit den neuen Werken von Kae Tempest und Candice Fox. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"637\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Kae-Tempest-637x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34770\" style=\"width:200px\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Kae-Tempest-637x1024.jpg 637w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Kae-Tempest-187x300.jpg 187w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Kae-Tempest-768x1235.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Kae-Tempest-955x1536.jpg 955w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Kae-Tempest-1274x2048.jpg 1274w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Kae-Tempest-scaled.jpg 1592w\" sizes=\"auto, (max-width: 637px) 100vw, 637px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Wenn man <em>Ein Leben lang gesucht<\/em> von <strong>Kae Tempest<\/strong> und <em>Outback Killers<\/em> von <strong>Candice Fox<\/strong> nebeneinanderlegt, wirkt das zun\u00e4chst wie ein Zusammensto\u00df zweier v\u00f6llig unterschiedlicher literarischer Welten \u2013 hier ein ruhiger, sprachgetriebener Roman \u00fcber Identit\u00e4t und innere Heilung, dort ein gnadenloser, atemloser Thriller, der seine Figuren durch eine physische Extremsituation jagt. Und doch verbindet diese beiden B\u00fccher mehr, als man auf den ersten Blick denkt: Beide erz\u00e4hlen von Menschen, die gezwungen sind, sich ihrer Vergangenheit zu stellen \u2013 nur unter v\u00f6llig unterschiedlichen Bedingungen. Bei Kae Tempest beginnt alles leise. Rothko kehrt zur\u00fcck nach Edgecliff, an einen Ort, der weniger geografischer Punkt als emotionales Schlachtfeld ist. Diese R\u00fcckkehr ist kein gro\u00dfes Ereignis, sondern eher ein langsames Wieder-Eintauchen. Erinnerungen sind \u00fcberall \u2013 in Stra\u00dfenecken, in Blicken, in kleinen Details. Tempest schreibt das nicht aus der Distanz, sondern sehr nah dran, fast wie ein innerer Monolog, der sich immer wieder \u00f6ffnet. Man merkt sofort, dass Tempest aus der Lyrik und Spoken-Word-Szene kommt. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Sprache hat Rhythmus, sie flie\u00dft, sie tr\u00e4gt Emotionen direkt. Es geht weniger um Handlung als um Zust\u00e4nde: Angst, Sehnsucht, Scham, Hoffnung. Und vor allem um die Frage, ob man sich selbst ver\u00e4ndern kann \u2013 oder ob man immer wieder in alte Muster zur\u00fcckgezogen wird. Die Beziehung zu Dionne, die Erinnerung an die Familie, dieses Gef\u00fchl, gesehen zu werden oder eben nicht \u2013 all das wirkt intensiv, manchmal fast schmerzhaft ehrlich. Im Kern ist das ein Roman \u00fcber Verletzlichkeit. Dar\u00fcber, was passiert, wenn man sich dem stellt, was man lange verdr\u00e4ngt hat. Und dar\u00fcber, wie schwer \u2013 aber auch wie notwendig \u2013 es ist, sich selbst und anderen zu vergeben. <em>Outback Killers<\/em> geht genau in die entgegengesetzte Richtung \u2013 zumindest formal. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"648\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Candice-Fox-648x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34769\" style=\"width:463px\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Candice-Fox-648x1024.jpg 648w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Candice-Fox-190x300.jpg 190w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Candice-Fox-768x1214.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Candice-Fox-972x1536.jpg 972w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Candice-Fox-1296x2048.jpg 1296w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Candice-Fox-scaled.jpg 1620w\" sizes=\"auto, (max-width: 648px) 100vw, 648px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Hier gibt es keine ruhige R\u00fcckkehr, sondern sofort Bewegung. Eine staubige Stra\u00dfe, ein scheinbar harmloser Moment \u2013 jemand nimmt eine Anhalterin mit \u2013 und pl\u00f6tzlich kippt alles. Der Roman zieht das Tempo sofort an und l\u00e4sst kaum Luft zum Durchatmen. Candice Fox arbeitet mit klaren, harten Schnitten. Jede Szene treibt die n\u00e4chste voran, jede Entscheidung hat unmittelbare Konsequenzen. Die Situation mit den Sprengstoffwesten ist dabei mehr als nur ein Thriller-Gimmick \u2013 sie wird zum Symbol f\u00fcr den totalen Kontrollverlust. Die Figuren sind gezwungen zu handeln, sie haben keine Zeit f\u00fcr Reflexion, keine M\u00f6glichkeit, innezuhalten. Und trotzdem geht es auch hier um Vergangenheit. Harvey wird nicht zuf\u00e4llig ins Visier genommen \u2013 es gibt eine Geschichte, eine Schuld, eine Rechnung, die offen ist. W\u00e4hrend Tempest diese Vergangenheit langsam freilegt, zwingt Fox ihre Figuren, sich ihr unter maximalem Druck zu stellen. Der spannendste Kontrast entsteht genau hier: Tempest zeigt, wie Ver\u00e4nderung von innen heraus m\u00f6glich wird \u2013 durch Erinnerung, durch Auseinandersetzung, durch das vorsichtige Wiederzulassen von N\u00e4he. Fox zeigt, wie Menschen reagieren, wenn ihnen jede Kontrolle entzogen wird \u2013 wenn sie nur noch funktionieren k\u00f6nnen, um zu \u00fcberleben. Auch die R\u00e4ume k\u00f6nnten unterschiedlicher kaum sein: Edgecliff wirkt eng, fast klaustrophobisch in seiner emotionalen Dichte, obwohl es eine K\u00fcstenstadt ist. Das australische Outback dagegen ist weit, offen, scheinbar grenzenlos \u2013 und gerade deshalb so bedrohlich, weil es keinen Schutz bietet. Zwei Extreme, die beide auf ihre Weise isolieren. Und doch geht es in beiden B\u00fcchern um dieselbe grundlegende Frage: Was bleibt von einem Menschen \u00fcbrig, wenn er an seine Grenzen kommt? Bei Tempest sind es die inneren Grenzen \u2013 Angst, Trauma, Identit\u00e4t. Bei Fox die \u00e4u\u00dferen \u2013 Gewalt, Zeitdruck, Lebensgefahr. Am Ende liest man diese beiden B\u00fccher v\u00f6llig unterschiedlich: Das eine langsam, nachdenklich, fast tastend. Das andere schnell, angespannt, mit pochendem Puls. Aber beide hinterlassen etwas \u00c4hnliches: das Gef\u00fchl, dass man Menschen erst wirklich versteht, wenn sie gezwungen sind, sich selbst zu begegnen \u2013 ob im Stillstand oder im Ausnahmezustand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit den neuen Werken von Kae Tempest und Candice Fox. \/\/ Wenn man Ein Leben lang gesucht von Kae Tempest und Outback Killers von Candice Fox nebeneinanderlegt, wirkt das zun\u00e4chst wie ein Zusammensto\u00df zweier v\u00f6llig unterschiedlicher literarischer Welten \u2013 hier ein ruhiger, sprachgetriebener Roman \u00fcber Identit\u00e4t und innere Heilung, dort ein gnadenloser, atemloser Thriller, der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-34766","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category--unter-der-haut"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34766","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=34766"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34766\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34848,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34766\/revisions\/34848"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=34766"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=34766"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=34766"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}