{"id":34866,"date":"2026-06-19T14:11:07","date_gmt":"2026-06-19T12:11:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34866"},"modified":"2026-06-19T14:11:08","modified_gmt":"2026-06-19T12:11:08","slug":"aufgelesen-vol-689-wir-in-zehn-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34866","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)89 &#8211; &#8222;wir in zehn jahren&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;Wir in zehn Jahren&#8220; von Jessica Stanley. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"662\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Jessica-Stanley-662x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34871\" style=\"width:200px\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Jessica-Stanley-662x1024.jpg 662w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Jessica-Stanley-194x300.jpg 194w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Jessica-Stanley-768x1189.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Jessica-Stanley-992x1536.jpg 992w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Jessica-Stanley-1323x2048.jpg 1323w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Jessica-Stanley-scaled.jpg 1654w\" sizes=\"auto, (max-width: 662px) 100vw, 662px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ <strong>Jessica Stanley<\/strong>s \u201eWir in zehn Jahren\u201c geh\u00f6rt zu jener Art von Romanen, die zun\u00e4chst wie eine klassische Liebesgeschichte wirken, sich dann aber langsam zu etwas viel Gr\u00f6\u00dferem entfalten: einer pr\u00e4zisen, emotional ehrlichen Chronik moderner Beziehungen. Das Besondere daran ist weniger die Frage, ob Coralie und Adam zueinanderfinden \u2013 sondern was passiert, nachdem sie es getan haben. Genau dort setzt dieser Roman an, und gerade dadurch f\u00fchlt er sich so ungew\u00f6hnlich an. Denn viele Liebesgeschichten enden mit dem Happy End. Stanley interessiert sich f\u00fcr das Danach: f\u00fcr Routinen, M\u00fcdigkeit, \u00dcberforderung, Kompromisse, N\u00e4he, Schuldgef\u00fchle und jene kleinen Verschiebungen, die aus Verliebtheit langsam gemeinsames Leben machen. Das erinnert stellenweise an gro\u00dfe zeitgen\u00f6ssische Beziehungsromane von Autorinnen wie Meg Wolitzer oder Sally Rooney, gleichzeitig besitzt \u201eWir in zehn Jahren\u201c einen w\u00e4rmeren, weniger distanzierten Ton. Der Roman beobachtet seine Figuren mit viel Empathie und erstaunlicher Geduld. Coralie ist dabei eine besonders glaubw\u00fcrdige Hauptfigur. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ihr Versuch, gleichzeitig Partnerin, Stiefmutter, Mutter, Schriftstellerin, Freundin und Tochter zu sein, wirkt nie konstruiert, sondern ersch\u00f6pfend real. Gerade darin liegt die St\u00e4rke des Buches: Jessica Stanley beschreibt das moderne Erwachsenenleben nicht als glamour\u00f6ses Gro\u00dfstadtm\u00e4rchen, sondern als st\u00e4ndiges Austarieren von Erwartungen, Sehns\u00fcchten und Ersch\u00f6pfung. Die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse der vergangenen Jahre \u2013 Brexit, Pandemie, wechselnde Regierungen \u2013 bilden dabei keine blo\u00dfe Kulisse, sondern greifen direkt in den Alltag der Figuren ein. Dadurch entsteht ein sehr zeitgen\u00f6ssischer Roman, der sich zugleich intim und gesellschaftlich anf\u00fchlt. Besonders gelungen ist, wie Stanley emotionale Ver\u00e4nderungen beschreibt. Beziehungen zerbrechen hier nicht pl\u00f6tzlich und dramatisch, sondern verschieben sich langsam unter dem Druck von Arbeit, Kindern, Selbstzweifeln und unausgesprochenen Entt\u00e4uschungen. Gleichzeitig verliert der Roman nie seine W\u00e4rme. Immer wieder gibt es Szenen voller Z\u00e4rtlichkeit, Humor und leiser Verbundenheit, die zeigen, warum diese Menschen \u00fcberhaupt zusammengekommen sind. Auch Adam bleibt angenehm vielschichtig. Er ist weder idealisierter Traummann noch unsensibler Gegenpol, sondern selbst eine Figur voller Unsicherheiten und Verantwortung. Gerade die Dynamik mit seiner Tochter Zora verleiht dem Roman zus\u00e4tzliche emotionale Tiefe. Die Patchworkfamilie wird hier nicht als modernes Idealbild dargestellt, sondern als etwas Kompliziertes, manchmal \u00dcberforderndes, aber auch unglaublich Wertvolles. Stilistisch liest sich der Roman elegant und ruhig. Jessica Stanley schreibt beobachtend, atmosph\u00e4risch und sehr feinf\u00fchlig f\u00fcr Zwischent\u00f6ne. Viele Szenen wirken beinahe beil\u00e4ufig und entfalten ihre emotionale Wirkung erst sp\u00e4ter. Genau deshalb bleibt das Buch so lange im Kopf. Es lebt nicht von gro\u00dfen dramatischen Wendungen, sondern von der Genauigkeit, mit der Gef\u00fchle und Alltag beschrieben werden. Die hochwertige gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag und Leseb\u00e4ndchen passt hervorragend zu diesem literarischen Charakter. Es ist ein Roman, den man langsam liest, immer wieder zur Seite legt und \u00fcber einzelne Passagen nachdenkt, weil man sich in vielen Situationen erschreckend gut wiedererkennt. Im gr\u00f6\u00dferen literarischen Kontext steht \u201eWir in zehn Jahren\u201c in jener Tradition moderner Beziehungs- und Familienromane, die weniger von spektakul\u00e4ren Ereignissen erz\u00e4hlen als von emotionaler Wahrheit. Jessica Stanley gelingt dabei etwas Schwieriges: Sie macht das scheinbar Gew\u00f6hnliche literarisch spannend. Aus Gespr\u00e4chen in K\u00fcchen, ersch\u00f6pften Abenden, beruflichen Zweifeln und famili\u00e4ren Spannungen entsteht ein Roman \u00fcber Liebe im echten Leben \u2013 nicht als Ideal, sondern als dauernde Arbeit, als Ver\u00e4nderung und als Entscheidung f\u00fcreinander trotz aller Schwierigkeiten. Gerade deshalb wirkt das Buch so nachhaltig. Es erz\u00e4hlt nicht von perfekten Menschen, sondern von Menschen, die versuchen, ein gemeinsames Leben auszuhalten, ohne sich selbst dabei zu verlieren. Und genau darin liegt seine gro\u00dfe St\u00e4rke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;Wir in zehn Jahren&#8220; von Jessica Stanley. \/\/ Jessica Stanleys \u201eWir in zehn Jahren\u201c geh\u00f6rt zu jener Art von Romanen, die zun\u00e4chst wie eine klassische Liebesgeschichte wirken, sich dann aber langsam zu etwas viel Gr\u00f6\u00dferem entfalten: einer pr\u00e4zisen, emotional ehrlichen Chronik moderner Beziehungen. 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