{"id":34899,"date":"2026-06-06T12:15:45","date_gmt":"2026-06-06T10:15:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34899"},"modified":"2026-06-06T12:16:54","modified_gmt":"2026-06-06T10:16:54","slug":"zuckerschock-fuer-den-juni-2026-cory-dowctorow-enshittification","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34899","title":{"rendered":"\/\/ zuckerschock f\u00fcr den juni 2026: cory doctorow &#8211; &#8222;enshittification&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;Enshittification&#8220; von Cory Doctorow. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1544\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Cory-Doctorow-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34901\" style=\"width:250px\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Cory-Doctorow-scaled.jpg 1544w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Cory-Doctorow-181x300.jpg 181w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Cory-Doctorow-617x1024.jpg 617w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Cory-Doctorow-768x1274.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Cory-Doctorow-926x1536.jpg 926w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Cory-Doctorow-1235x2048.jpg 1235w\" sizes=\"auto, (max-width: 1544px) 100vw, 1544px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Mit \u201eEnshittification\u201c legt <strong>Cory Doctorow<\/strong> eines der wichtigsten Sachb\u00fccher zur digitalen Gegenwart vor. Der kanadisch-britische Autor, Journalist, Aktivist und Technik-Kritiker besch\u00e4ftigt sich seit Jahrzehnten mit den gesellschaftlichen Folgen technologischer Entwicklungen. Anders als viele Beobachter der Digitalwirtschaft steht Doctorow dabei sowohl mit einem Bein in der Technologiebranche als auch in der politischen Debatte um Datenschutz, Urheberrecht, Plattformmacht und digitale B\u00fcrgerrechte. Diese doppelte Perspektive macht ihn zu einem der sch\u00e4rfsten und zugleich verst\u00e4ndlichsten Analytiker des Internets unserer Zeit. Der Titel des Buches greift einen Begriff auf, den Doctorow selbst gepr\u00e4gt hat: \u201eEnshittification\u201c. Gemeint ist damit der Prozess, durch den digitale Plattformen zun\u00e4chst attraktiv, nutzerfreundlich und innovativ erscheinen, um anschlie\u00dfend Schritt f\u00fcr Schritt verschlechtert zu werden. Zuerst werden die Nutzer angelockt, danach die Gesch\u00e4ftskunden, und schlie\u00dflich werden beide Seiten zugunsten kurzfristiger Renditeinteressen ausgepresst. Das Ergebnis kennen viele aus eigener Erfahrung: Suchmaschinen liefern schlechtere Ergebnisse, soziale Netzwerke werden von Werbung \u00fcberflutet, Streaming-Dienste werden teurer, Online-Marktpl\u00e4tze un\u00fcbersichtlicher und digitale Dienste insgesamt frustrierender. Doctorows gro\u00dfe St\u00e4rke besteht darin, diese Entwicklung nicht als Zufall oder als unvermeidliche Folge technologischen Fortschritts darzustellen. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Stattdessen analysiert er die wirtschaftlichen und politischen Mechanismen dahinter. Er zeigt, wie Monopolbildung, fehlende Interoperabilit\u00e4t, schwache Regulierung und die Konzentration wirtschaftlicher Macht dazu gef\u00fchrt haben, dass wenige Konzerne zentrale Teile der digitalen Infrastruktur kontrollieren k\u00f6nnen. Die Verschlechterung vieler Plattformen ist f\u00fcr ihn kein Betriebsunfall, sondern eine logische Konsequenz bestimmter Marktstrukturen. Bemerkenswert ist dabei die Zug\u00e4nglichkeit seiner Argumentation. Obwohl Doctorow komplexe Themen wie Wettbewerbsrecht, Plattform\u00f6konomie, Datenschutz oder Netzpolitik behandelt, bleibt das Buch verst\u00e4ndlich und oft \u00fcberraschend unterhaltsam. Sein Stil ist pointiert, gelegentlich polemisch, aber stets gut begr\u00fcndet. Statt technischer Fachsimpelei liefert er konkrete Beispiele aus dem Alltag nahezu aller Internetnutzer. Wer Cory Doctorow bisher vor allem als Romanautor kennt, wird viele seiner zentralen Themen wiedererkennen. Bereits sein Jugendroman \u201eLittle Brother\u201c machte ihn weit \u00fcber die Science-Fiction-Szene hinaus bekannt. Dort erz\u00e4hlte er die Geschichte eines Jugendlichen, der sich gegen staatliche \u00dcberwachung und digitale Kontrolle zur Wehr setzt. Obwohl \u201eLittle Brother\u201c als spannender Thriller funktionierte, war der Roman zugleich eine leidenschaftliche Verteidigung digitaler Freiheitsrechte. Viele der Fragen, die Doctorow dort literarisch verhandelte \u2013 \u00dcberwachung, Machtkonzentration, technologische Abh\u00e4ngigkeiten und die M\u00f6glichkeit gesellschaftlichen Widerstands \u2013 tauchen in \u201eEnshittification\u201c nun in analytischer Form wieder auf. Man k\u00f6nnte sogar sagen, dass \u201eEnshittification\u201c die theoretische Erg\u00e4nzung zu Doctorows fiktionalem Werk darstellt. W\u00e4hrend Romane wie \u201eLittle Brother\u201c, \u201eHomeland\u201c oder \u201eAttack Surface\u201c zeigen, wie Menschen auf digitale Machtstrukturen reagieren, erkl\u00e4rt dieses Sachbuch, wie diese Strukturen \u00fcberhaupt entstehen und warum sie so schwer zu durchbrechen sind. Besonders interessant ist, dass Doctorow nicht bei der Diagnose stehen bleibt. Anders als viele technikkritische B\u00fccher endet \u201eEnshittification\u201c nicht in kulturpessimistischer Resignation. Stattdessen entwickelt er konkrete Vorschl\u00e4ge f\u00fcr politische und gesellschaftliche Gegenma\u00dfnahmen. Er diskutiert Kartellrecht, Interoperabilit\u00e4t, offene Standards, Nutzerrechte und regulatorische Ans\u00e4tze, die digitale M\u00e4rkte wieder wettbewerbsf\u00e4higer und demokratischer machen k\u00f6nnten. Nicht jede seiner Forderungen wird unumstritten sein, doch gerade diese Verbindung von Analyse und L\u00f6sungsans\u00e4tzen macht das Buch so wertvoll. In einer Zeit, in der viele Menschen sp\u00fcren, dass sich das Internet ver\u00e4ndert hat, liefert Doctorow die Sprache und die Werkzeuge, um diese Entwicklung zu verstehen. Der Begriff \u201eEnshittification\u201c mag provokant klingen, doch gerade deshalb hat er sich weltweit so schnell verbreitet. Er beschreibt ein Ph\u00e4nomen, das Millionen Nutzer t\u00e4glich erleben, ohne es bisher klar benennen zu k\u00f6nnen. \u201eEnshittification\u201c ist deshalb weit mehr als ein Buch \u00fcber Technologie. Es ist ein Buch \u00fcber Macht, M\u00e4rkte, Demokratie und die Frage, wem die digitale Zukunft geh\u00f6ren soll. F\u00fcr Leserinnen und Leser, die verstehen m\u00f6chten, warum sich so viele Online-Dienste heute schlechter anf\u00fchlen als noch vor einigen Jahren, geh\u00f6rt es zu den aufschlussreichsten und relevantesten Sachb\u00fcchern der letzten Jahre. Gleichzeitig zeigt es eindrucksvoll, dass Cory Doctorow nicht nur einer der wichtigsten Science-Fiction-Autoren seiner Generation ist, sondern auch einer der kl\u00fcgsten Kritiker der digitalen Gegenwart.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;Enshittification&#8220; von Cory Doctorow. \/\/ Mit \u201eEnshittification\u201c legt Cory Doctorow eines der wichtigsten Sachb\u00fccher zur digitalen Gegenwart vor. Der kanadisch-britische Autor, Journalist, Aktivist und Technik-Kritiker besch\u00e4ftigt sich seit Jahrzehnten mit den gesellschaftlichen Folgen technologischer Entwicklungen. 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