{"id":34951,"date":"2026-07-24T14:59:02","date_gmt":"2026-07-24T12:59:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34951"},"modified":"2026-07-24T14:59:03","modified_gmt":"2026-07-24T12:59:03","slug":"aufgelesen-vol-693-pause","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34951","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)93 &#8211; &#8222;pause&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit den Werken &#8222;Pause&#8220; von Lena Kupke und &#8222;Guten Morgen, sch\u00f6nes Wetter heute&#8220; von Tanja Kokoska. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1584\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lena-Kupke-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34957\" style=\"width:200px\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lena-Kupke-scaled.jpg 1584w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lena-Kupke-186x300.jpg 186w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lena-Kupke-634x1024.jpg 634w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lena-Kupke-768x1241.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lena-Kupke-951x1536.jpg 951w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lena-Kupke-1267x2048.jpg 1267w\" sizes=\"auto, (max-width: 1584px) 100vw, 1584px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ <strong>Tanja Kokoska<\/strong> und <strong>Lena Kupke<\/strong> widmen sich in ihren neuen Romanen den leisen Umbr\u00fcchen des Lebens \u2013 jenen Momenten, in denen vertraute Gewissheiten wegbrechen und sich Menschen gezwungen sehen, ihr Leben neu zu ordnen. Beide Autorinnen erz\u00e4hlen von Figuren, die zun\u00e4chst festzustecken scheinen, und entwickeln daraus warmherzige, lebensnahe Geschichten \u00fcber Hoffnung, Zusammenhalt und die Erkenntnis, dass Ver\u00e4nderung oft dort beginnt, wo man sie am wenigsten erwartet. Trotz dieser gemeinsamen thematischen Grundlage setzen die beiden Romane unterschiedliche Schwerpunkte und erg\u00e4nzen sich dadurch auf bemerkenswerte Weise. In <em>Guten Morgen, sch\u00f6nes Wetter heute<\/em> entwirft Kokoska das Bild einer modernen Wohnsiedlung mit ihren 1.583 Bewohnerinnen und Bewohnern \u2013 ein Ort, an dem Menschen Wand an Wand leben und sich dennoch h\u00e4ufig fremd bleiben. Im Mittelpunkt steht Ina, alleinerziehende Mutter und T\u00e4towiererin, die wie viele andere Figuren auf der Suche nach einem kleinen St\u00fcck Gl\u00fcck ist. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Doch sie ist l\u00e4ngst nicht die einzige Hauptfigur. Vielmehr entsteht aus zahlreichen miteinander verwobenen Lebensgeschichten ein vielstimmiges Gesellschaftsportr\u00e4t, in dem jede Figur ihre eigenen Hoffnungen, Verletzungen und Eigenheiten mitbringt. Herr Bello, der heimlich im Faltenrock tanzt, Samy mit seinem ungew\u00f6hnlichen Traum, einmal eine Ente streicheln zu d\u00fcrfen, oder Frau Arslan, die Gedichte in Pralinenschachteln versteckt, machen die Siedlung zu einem lebendigen Kosmos voller Menschlichkeit. Besonders reizvoll ist dabei, dass Kokoska nie ins Sentimentale abrutscht. Ihr Humor ist leise und liebevoll, ihre Figuren wirken niemals konstruiert oder idealisiert. Der Fund einer Weltkriegsbombe unter der Siedlung dient als ungew\u00f6hnlicher erz\u00e4hlerischer Ausl\u00f6ser daf\u00fcr, dass Nachbarn pl\u00f6tzlich miteinander ins Gespr\u00e4ch kommen, sich gegenseitig helfen und erkennen, wie viel N\u00e4he selbst in einer anonymen Gro\u00dfstadt m\u00f6glich sein kann. So entwickelt sich der Roman zu einer optimistischen Reflexion \u00fcber Gemeinschaft, Empathie und die Bedeutung kleiner Gesten im Alltag. Lena Kupkes <em>Pause<\/em> verfolgt dagegen einen deutlich intimeren Ansatz. Hier steht ausschlie\u00dflich Hanna im Mittelpunkt, die nach einem einschneidenden Erlebnis gezwungen ist, ihr bisheriges Leben in Berlin hinter sich zu lassen und wieder bei ihren Eltern einzuziehen. Ausgerechnet das ehemalige Kinderzimmer, inzwischen zum Arbeitszimmer des Vaters umfunktioniert, wird zum Symbol eines Lebens, das pl\u00f6tzlich stillsteht. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1586\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Tanja-Kokoska-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34956\" style=\"width:463px\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Tanja-Kokoska-scaled.jpg 1586w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Tanja-Kokoska-186x300.jpg 186w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Tanja-Kokoska-634x1024.jpg 634w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Tanja-Kokoska-768x1240.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Tanja-Kokoska-952x1536.jpg 952w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Tanja-Kokoska-1269x2048.jpg 1269w\" sizes=\"auto, (max-width: 1586px) 100vw, 1586px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Kupke schildert diesen Zustand mit gro\u00dfer emotionaler Ehrlichkeit und bemerkenswerter psychologischer Feinf\u00fchligkeit. Sie beschreibt, wie schwer es sein kann, Schw\u00e4che zuzulassen, Hilfe anzunehmen und sich den eigenen Verletzungen zu stellen. Der Roman lebt dabei weniger von \u00e4u\u00dferen Ereignissen als von seinen pr\u00e4zisen Beobachtungen famili\u00e4rer Beziehungen. Alte Konflikte, unausgesprochene Erwartungen und eingefahrene Rollenbilder treten langsam zutage, w\u00e4hrend Hanna Schritt f\u00fcr Schritt lernt, sich selbst und ihre Familie neu zu betrachten. Trotz der ernsten Thematik bewahrt sich Kupke stets einen feinen, manchmal selbstironischen Humor, der ihrer Geschichte Leichtigkeit verleiht und sie vor \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Schwere sch\u00fctzt. Gerade im direkten Vergleich zeigen sich die unterschiedlichen St\u00e4rken der beiden Romane. <em>Guten Morgen, sch\u00f6nes Wetter heute<\/em> richtet seinen Blick nach au\u00dfen und fragt, wie Gemeinschaft entstehen kann und welche Kraft Nachbarschaft, Offenheit und gegenseitige Aufmerksamkeit besitzen. <em>Pause<\/em> blickt nach innen und erz\u00e4hlt von einem pers\u00f6nlichen Heilungsprozess, der erst m\u00f6glich wird, wenn man bereit ist, sich den eigenen \u00c4ngsten und Verletzungen zu stellen. W\u00e4hrend Kokoska ein ganzes gesellschaftliches Panorama entwirft, konzentriert sich Kupke auf die emotionale Entwicklung einer einzelnen Figur und ihres engsten Umfelds. Beide B\u00fccher verbindet jedoch eine zutiefst humanistische Grundhaltung. Sie erz\u00e4hlen von Menschen mit Fehlern, Unsicherheiten und Br\u00fcchen, ohne sie zu verurteilen. Statt gro\u00dfer Dramen stehen die kleinen Ver\u00e4nderungen im Mittelpunkt \u2013 ein Gespr\u00e4ch, ein L\u00e4cheln, eine unerwartete Begegnung oder die Erkenntnis, dass man mit seinen Sorgen nicht allein ist. Gerade dadurch entfalten beide Romane eine gro\u00dfe emotionale Wirkung und wirken lange nach der letzten Seite nach. Wer literarische Gegenwartsromane sch\u00e4tzt, die ihre Figuren ernst nehmen und Hoffnung nicht durch einfache L\u00f6sungen, sondern durch glaubw\u00fcrdige zwischenmenschliche Beziehungen entstehen lassen, findet in diesen beiden Neuerscheinungen zwei hervorragende Beispiele. Sie zeigen auf unterschiedliche Weise, dass selbst schwierige Lebensphasen neue Perspektiven er\u00f6ffnen k\u00f6nnen \u2013 und dass manchmal schon ein freundliches \u201eGuten Morgen\u201c oder eine notwendige \u201ePause\u201c gen\u00fcgt, damit sich der Blick auf das eigene Leben grundlegend ver\u00e4ndert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit den Werken &#8222;Pause&#8220; von Lena Kupke und &#8222;Guten Morgen, sch\u00f6nes Wetter heute&#8220; von Tanja Kokoska. \/\/ Tanja Kokoska und Lena Kupke widmen sich in ihren neuen Romanen den leisen Umbr\u00fcchen des Lebens \u2013 jenen Momenten, in denen vertraute Gewissheiten wegbrechen und sich Menschen gezwungen sehen, ihr Leben neu zu ordnen. 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