{"id":35007,"date":"2026-07-31T13:59:21","date_gmt":"2026-07-31T11:59:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=35007"},"modified":"2026-07-31T13:59:22","modified_gmt":"2026-07-31T11:59:22","slug":"aufgelesen-vol-695-mit-beiden-haenden-den-himmel-stuetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=35007","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)95 &#8211; &#8222;mit beiden h\u00e4nden den himmel st\u00fctzen&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;Mit beiden H\u00e4nden den Himmel st\u00fctzen&#8220; von Lilli Tollkien. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1514\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lilli-Tolkien-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-35008\" style=\"width:200px\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lilli-Tolkien-scaled.jpg 1514w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lilli-Tolkien-177x300.jpg 177w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lilli-Tolkien-606x1024.jpg 606w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lilli-Tolkien-768x1298.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lilli-Tolkien-909x1536.jpg 909w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lilli-Tolkien-1211x2048.jpg 1211w\" sizes=\"auto, (max-width: 1514px) 100vw, 1514px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ <strong>Lilli Tollkien<\/strong> erz\u00e4hlt in <em>Mit beiden H\u00e4nden den Himmel st\u00fctzen<\/em> von einer Kindheit, die gleicherma\u00dfen von vermeintlicher Freiheit und tiefgreifender Orientierungslosigkeit gepr\u00e4gt ist. Der Roman f\u00fchrt in das West-Berlin der 1980er-Jahre, in eine alternative M\u00e4nnerkommune, in der gesellschaftliche Konventionen bewusst hinterfragt werden und politische Utopien zum Alltag geh\u00f6ren. Zwischen endlosen Diskussionen, Partys und revolution\u00e4ren Idealen w\u00e4chst die junge Lale auf \u2013 in einer Umgebung, die sich als besonders frei versteht, ihr jedoch genau jene Sicherheit und Geborgenheit vorenth\u00e4lt, die ein Kind am dringendsten braucht. Lale erlebt eine Kindheit ohne klare Regeln und feste Grenzen. Sie darf lange aufbleiben, fernsehen, S\u00fc\u00dfigkeiten essen und scheinbar tun, was sie m\u00f6chte. Doch diese grenzenlose Freiheit entpuppt sich zunehmend als Form der Vernachl\u00e4ssigung. Der Roman zeichnet eindringlich nach, wie Ideale von Selbstbestimmung und antiautorit\u00e4rer Erziehung dort ihre Schattenseiten entfalten, wo Verantwortung und F\u00fcrsorge fehlen. Immer wieder werden Lales pers\u00f6nliche Grenzen \u00fcberschritten, w\u00e4hrend sie verzweifelt nach Halt, Verl\u00e4sslichkeit und einem Gef\u00fchl von Zugeh\u00f6rigkeit sucht. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Besonders eindrucksvoll ist dabei die Perspektive der Erz\u00e4hlerin. Lilli Tollkien beschreibt die Ereignisse nicht sensationsheischend oder anklagend, sondern mit gro\u00dfer emotionaler Genauigkeit und literarischer Sensibilit\u00e4t. Die Erinnerungen entfalten sich St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck und zeigen, wie widerspr\u00fcchlich Kindheit sein kann: voller Neugier und Fantasie, aber zugleich gepr\u00e4gt von Verletzungen, die erst viele Jahre sp\u00e4ter in ihrer ganzen Tragweite verstanden werden. Gerade diese zur\u00fcckhaltende Erz\u00e4hlweise verleiht dem Roman seine besondere Intensit\u00e4t. Zugleich ist <em>Mit beiden H\u00e4nden den Himmel st\u00fctzen<\/em> weit mehr als die Geschichte einer schwierigen Kindheit. Es ist ein Roman \u00fcber Resilienz und die Suche nach einer eigenen Stimme. Lale wird nicht auf ihre Erfahrungen reduziert, sondern entwickelt sich zu einer Frau, die lernt, ihre Vergangenheit zu erz\u00e4hlen, ihr einen Platz im eigenen Leben zu geben und dadurch neue St\u00e4rke zu gewinnen. Das Schreiben und Erinnern werden zu einem Akt der Selbsterm\u00e4chtigung \u2013 nicht als vollst\u00e4ndige Heilung, sondern als M\u00f6glichkeit, das Erlebte zu begreifen und die eigene Geschichte selbst in die Hand zu nehmen. Sprachlich verbindet der Roman poetische Bilder mit gro\u00dfer Authentizit\u00e4t. Die Atmosph\u00e4re des alternativen West-Berlins wird ebenso lebendig eingefangen wie die innere Welt eines Kindes, das versucht, die Widerspr\u00fcche seiner Umgebung zu verstehen. Zwischen Melancholie und Hoffnung entsteht eine leise, aber nachhaltige Erz\u00e4hlung, die lange nachwirkt und den Leser immer wieder \u00fcber die Bedeutung von Familie, Verantwortung und emotionaler Sicherheit nachdenken l\u00e4sst. Mit <em>Mit beiden H\u00e4nden den Himmel st\u00fctzen<\/em> legt Lilli Tollkien einen feinf\u00fchligen und bewegenden Roman vor, der autobiografisch anmutende Erfahrungen in universelle Literatur verwandelt. Es ist die Geschichte eines M\u00e4dchens, das unter schwierigen Bedingungen aufw\u00e4chst, sich den Verletzungen ihrer Vergangenheit stellt und schlie\u00dflich im Erz\u00e4hlen selbst den Halt findet, den sie als Kind so schmerzlich vermisst hat. Gerade diese Verbindung aus pers\u00f6nlicher Verletzlichkeit, literarischer Kraft und vorsichtiger Zuversicht macht den Roman zu einer eindrucksvollen Auseinandersetzung mit Erinnerung, Identit\u00e4t und der F\u00e4higkeit des Menschen, sich trotz allem eine eigene Zukunft zu schaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;Mit beiden H\u00e4nden den Himmel st\u00fctzen&#8220; von Lilli Tollkien. \/\/ Lilli Tollkien erz\u00e4hlt in Mit beiden H\u00e4nden den Himmel st\u00fctzen von einer Kindheit, die gleicherma\u00dfen von vermeintlicher Freiheit und tiefgreifender Orientierungslosigkeit gepr\u00e4gt ist. 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