{"id":35021,"date":"2026-08-01T12:34:58","date_gmt":"2026-08-01T10:34:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=35021"},"modified":"2026-08-03T13:29:15","modified_gmt":"2026-08-03T11:29:15","slug":"aufgelesen-vol-696-memories-of-heidelberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=35021","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)96 &#8211; &#8222;memories of heidelberg&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit den Werken &#8222;Dabei waren wir uns immer so nah&#8220; von Jette K\u00f6tschau und &#8222;Memories Of Heidelberg&#8220; von Heinz Strunk. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1568\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Jette-Koetschau-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-35023\" style=\"width:200px\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Jette-Koetschau-scaled.jpg 1568w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Jette-Koetschau-184x300.jpg 184w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Jette-Koetschau-627x1024.jpg 627w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Jette-Koetschau-768x1254.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Jette-Koetschau-941x1536.jpg 941w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Jette-Koetschau-1254x2048.jpg 1254w\" sizes=\"auto, (max-width: 1568px) 100vw, 1568px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ <strong>Heinz Strunk<\/strong> und <strong>Jette K\u00f6tschau<\/strong> widmen sich in ihren neuesten W\u00fcrfen <em>Memories of Heidelberg<\/em> und <em>Dabei waren wir uns immer so nah<\/em> allt\u00e4glichen Beziehungen, die einmal selbstverst\u00e4ndlich schienen und nun unter dem Druck des Alltags zu zerbrechen drohen. Beide Romane erz\u00e4hlen vom langsamen Auseinanderdriften vertrauter Menschen weil ihnen irgendwie die Leichtigkeit abhanden kommt und stellen so unmissverst\u00f6ndlich klar, dass N\u00e4he keine dauerhafte Garantie ist. Strunk setzt dabei auf seinen idealtypischen, grotesken Humor, dazu finder er immer etwas Komisches an der ganz allgemeinen Grausamkeit des Alltags, w\u00e4hrend K\u00f6tschau mit gro\u00dfer W\u00e4rme die Ver\u00e4nderungen einer langj\u00e4hrigen Freundschaftsgeschichte erkundet. Heinz Strunk kn\u00fcpft mit <strong>Memories of Heidelberg<\/strong> an jene Mischung aus Fremdscham und treffsicherer Beobachtungsgabe an, die seine besten Romane auszeichnet. Im Mittelpunkt stehen Bertram und Isolde, ein Ehepaar aus Oldenburg, das mit einem Kurzurlaub in Heidelberg versucht, frischen Wind in eine l\u00e4ngst erstarrte Beziehung zu bringen. Schon die ersten Eindr\u00fccke des vermeintlichen Traumurlaubs sind entt\u00e4uschend:<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das teure Boutiquehotel ist sagen wir, nicht das goldene vom Ei und auch die romantische Neckarkulisse wirkt irgendwie sch\u00e4big. Besonders brillant ist, wie er den Alltag immer mal wieder ins Alptraumhafte kippen l\u00e4sst. Das Flussrestaurant, zun\u00e4chst noch Hoffnungstr\u00e4ger eines gelungenen Urlaubs, wird von Abend zu Abend mehr zum Symbol einer gescheiterten Existenz. Kleine Unannehmlichkeiten steigern sich zu wirklichen Zumutungen, und der Schlager &#8222;Memories of Heidelberg&#8220;, der in Dauerschleife erklingt, wirkt immer bedrohlicher, je weiter man liest. Strunk besitzt die seltene F\u00e4higkeit, Situationen gleichzeitig urkomisch und tief verst\u00f6rend wirken zu lassen. Man lacht \u00fcber die Dialoge, die misslungenen Kneipenbesuche \u2013 und sp\u00fcrt zugleich die Verzweiflung zweier Menschen, die einander l\u00e4ngst fremd geworden sind. Unter der grotesken Oberfl\u00e4che steckt eine erstaunlich pr\u00e4zise Beobachtung des \u00c4lterwerdens und der Angst vor Bedeutungslosigkeit. Bertram und Isolde sind keine schlichten Karikaturen, sie sind so erschreckend, weil sie so real wirken mit ihren Ressentiments und unerf\u00fcllten Sehns\u00fcchten. Strunk legt all das mit gro\u00dfer Genauigkeit frei. Gerade deshalb wirkt der Roman trotz aller \u00dcbertreibung so nahbar. Einen ganz anderen Ton schl\u00e4gt Jette K\u00f6tschau an. <em>Dabei waren wir uns immer so nah<\/em> erz\u00e4hlt von drei Frauen Anfang drei\u00dfig, die feststellen m\u00fcssen, dass selbst die engste Freundschaft nicht immun gegen die Ver\u00e4nderungen des Erwachsenenlebens ist.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1561\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Heinz-Strunk-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-35022\" style=\"width:463px\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Heinz-Strunk-scaled.jpg 1561w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Heinz-Strunk-183x300.jpg 183w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Heinz-Strunk-625x1024.jpg 625w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Heinz-Strunk-768x1259.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Heinz-Strunk-937x1536.jpg 937w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Heinz-Strunk-1249x2048.jpg 1249w\" sizes=\"auto, (max-width: 1561px) 100vw, 1561px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Henri, Merle und Katharina waren einmal unzertrennlich, doch inzwischen f\u00fchren sie v\u00f6llig unterschiedliche Leben. Henri jagt ihrem Traum vom eigenen Kino hinterher und bewegt sich weiterhin in einer Welt aus Partys und verqueren Entscheidungen. Merle ist mit den Anforderungen des Mutterseins hoffnungslos konfrontiert und erlebt ihre N\u00e4chte vor allem im Dauerwachzustand. Katharina wiederum steckt in einer langj\u00e4hrigen Beziehung fest, die sich irgendwie nicht so sicher anf\u00fchlt, wie sie sollte. K\u00f6tschau beschreibt diese Lebensphasen mit gro\u00dfer Feinf\u00fchligkeit und ohne jedes Drama. Unterschiedliche Priorit\u00e4ten, fehlende Zeit, Missverst\u00e4ndnisse und das schleichende Gef\u00fchl, dass die gemeinsame Sprache verloren geht &#8211; all das wird hier knallhart durchexerziert. Gerade diese Unspektakularit\u00e4t macht den Roman aber gleichzeitig so ber\u00fchrend. Viele werden die m\u00fchsame Terminfindung, das schlechte Gewissen wegen abgesagter Treffen oder die Sehnsucht nach der fr\u00fcheren Selbstverst\u00e4ndlichkeit sofort wiedererkennen. Besonders gelungen ist, dass K\u00f6tschau keine der drei Frauen wirklich in Grund und Boden schreibt, sondern sie menschlich nachvollziehbar zeichnet. Jede von ihnen versucht auf ihre Weise, mit den Anforderungen des Erwachsenwerdens zurechtzukommen, und jede zahlt daf\u00fcr einen Preis. Der Roman interessiert sich nicht f\u00fcr Schuld und solche Sachen, sondern f\u00fcr die emotionale Arbeit, die notwendig ist, um Beziehungen \u00fcber unterschiedliche Lebensphasen hinweg aufrechtzuerhalten. Dabei entsteht ein warmherziges, ehrliches Bild moderner Freundschaften, das sowohl die Verluste als auch die Verbundenheit sichtbar macht. Im direkten Vergleich erg\u00e4nzen sich die beiden B\u00fccher auf wirklich hervorragende Weise. <em>Memories of Heidelberg <\/em>zeigt eine Beziehung, die bereits tief in der Krise steckt und deren Zerfall sich in grotesken Szenerien entl\u00e4dt. <em>Dabei waren wir uns immer so nah <\/em>erz\u00e4hlt dagegen von einem schleichenden Prozess der Entfremdung, der noch nicht unumkehrbar ist und gerade deshalb aber besonders schmerzhaft wirkt. Strunk blickt mit satirischer Sch\u00e4rfe auf die Ehe und die Absurdit\u00e4ten des gemeinsamen \u00c4lterwerdens, w\u00e4hrend K\u00f6tschau mit psychologischer Genauigkeit erkundet, wie Freundschaften sich ver\u00e4ndern, ohne dass die gegenseitige Zuneigung verschwindet. Gemeinsam ergeben die beiden Romane ein bemerkenswertes Doppelportr\u00e4t moderner Beziehungen. Sie zeigen, wie schwer es ist, N\u00e4he \u00fcber Jahre hinweg zu bewahren, wenn sich Menschen weiterentwickeln, Erwartungen sich ver\u00e4ndern und der Alltag seine eigene Dynamik entfaltet. Heinz Strunk verwandelt diese Erkenntnis in eine h\u00f6llisch komische Trag\u00f6die, Jette K\u00f6tschau in einen warmen Roman \u00fcber Freundschaft und das Erwachsenwerden. Beide B\u00fccher beweisen auf sehr unterschiedliche Weise, dass die gr\u00f6\u00dften Dramen oft nicht in au\u00dfergew\u00f6hnlichen Ereignissen liegen, sondern in den kleinen Verschiebungen des Alltags, welche die Beziehungen langsam, aber nachhaltig ver\u00e4ndern. Bemerkenswert ehrlich, diese Werke. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit den Werken &#8222;Dabei waren wir uns immer so nah&#8220; von Jette K\u00f6tschau und &#8222;Memories Of Heidelberg&#8220; von Heinz Strunk. \/\/ Heinz Strunk und Jette K\u00f6tschau widmen sich in ihren neuesten W\u00fcrfen Memories of Heidelberg und Dabei waren wir uns immer so nah allt\u00e4glichen Beziehungen, die einmal selbstverst\u00e4ndlich schienen und nun unter dem Druck des [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-35021","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category--unter-der-haut"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35021","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=35021"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35021\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35107,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35021\/revisions\/35107"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=35021"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=35021"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=35021"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}