{"id":501,"date":"2008-03-06T23:37:14","date_gmt":"2008-03-06T22:37:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=501"},"modified":"2008-03-06T23:41:19","modified_gmt":"2008-03-06T22:41:19","slug":"autobusse-fliegen-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=501","title":{"rendered":"\/\/ autobusse fliegen nicht"},"content":{"rendered":"<p>Maierfilz ist ein unbedeutender Ort in Niederbayern, der sogar so un-bedeutend ist, dass es ihn eigentlich gar nicht gibt.In Maierfilz steht das Kunststoffwerk Laubenthal. Alle Maierfilznerarbeiten bei Laubenthal. Laubenthal ist marktf\u00fchrend in der Entwicklung und Produktion von Gummistiefelsohlen. Laubenthaler Gummistiefelsohlen werden sogar nach Kirgisistan, in den Oman oder SierraLeone exportiert. Gustav Laubenthal, der das Laubenthaler Kunst-stoffwerk gegr\u00fcndet hat, ist ein \u00fcberzeugter Sozialist. Sein Lebens-motto lautet: \u201eGeht es den Arbeitern gut, geht es auch der Fabrikgut.\u201c\u00a0<!--more-->Deswegen hat er beim Bau des Kunststoffwerks die zwei Bauernh\u00f6fe abrei\u00dfen lassen, aus denen Maierfilz damals bestand undhat daf\u00fcr viele, kleine, graue H\u00e4uschen mit centst\u00fcckgro\u00dfen Vorg\u00e4r-ten hingestellt. Ganz gleich, ob gew\u00f6hnlicher Arbeiter oder Personal-chef. Jeder bewohnt ein solches H\u00e4uschen. Gustav Laubenthal eben-so. Er ist auch ein gro\u00dfz\u00fcgiger Mann und f\u00f6rdert die MaierfilznerInteressengemeinschaften. F\u00fcr den Kegelverein hat er Lederschuhemit glatten Rutschsohlen gestiftet. Den Fu\u00dfballclub hat er mit Trikotsausgestattet. Die Cheerleader haben Glitzerkost\u00fcmchen bekommenund f\u00fcr den Bridgeclub hat er Pl\u00fcschsessel gekauft. Man sieht, dassGustav Laubenthal an jeden Maierfilzner gedacht hat.In Maierfilz gibt es ein Krankenhaus, einen Kindergarten, eine Grundschule mit angeschlossenem Gymnasium, ein Altenheim und einenFriedhof. Es ist f\u00fcr jeden gesorgt.Den Tag \u00fcber, wenn alle im Kunststoffwerk arbeiten und die Kinderin den Bildungsst\u00e4tten lernen, ist es ruhig. Die Maschinen klappern inder Fabrik, \u00fcber die Tafel kratzt die Kreide. Alles ist ordentlich, gleichund grau &#8211; wie es sich f\u00fcr Maierfilz geh\u00f6rt!\u00a0Nur einer st\u00f6rte dieses beschauliche und friedliche Bild und das warder Spast Herman! Herman war der Einzige in Maierfilz, der geistig gest\u00f6rt war.Eigentlich sollte es Herman gar nicht geben.Als es damals \u00f6ffentlich wurde, dass Hermans Mutter einen Kr\u00fcppelzur Welt bringen sollte, besuchte Gustav Laubenthal sie und riet ihrzur Abtreibung. Doch Hermans Mutter blieb stur und brachte Her-man zur Welt und er war der erste Spast von Maierfilz! Da GustavLaubenthal nie mit einem wie dem Herman gerechnet hatte, gab esauch nichts in Maierfilz, wohin man Herman h\u00e4tte stecken k\u00f6nnen.Man versuchte Herman zu ignorieren, wenn er seinen K\u00f6rper aufKr\u00fccken \u00fcber das Pflaster schleifte. Man ging ihm aus dem Weg, da-mit man sein Gesicht nicht angucken musste. Denn das war ekelhaft, \u00e4hnelte dem des Philosophen Sartre, das hei\u00dft, Hermans rechtesAuge schielte nach oben, das andere nach unten. Geistig war Her-man schwach, ganz schwach. Er war plemplem. Aber so war das da-mals, denn einen Herman gibt es nicht mehr in Maierfilz.Eines Tages stand n\u00e4mlich ein kanariengelber Autobus vor HermansHaus. Er hatte diesen heimlich gekauft, obwohl er keinen F\u00fchrer-schein hatte, da es Spasten in Maierfilz verboten ist, einen F\u00fchrerschein zu erwerben. Doch das war nicht Hermans einzige verr\u00fcckteIdee. Herman begann in seinem centst\u00fcckgro\u00dfem Vorgarten zu gra-ben. Er buddelte und schaufelte kniend ein Loch, das nach einigerZeit zu einem Krater anwuchs und schlie\u00dflich ein Tunnel wurde, derschr\u00e4g in die Erde abw\u00e4rts f\u00fchrte. Die braven Maierfilzner dachten, dass Herman einen Karpfenteich anlegen wollte, sp\u00e4ter hielten sie esf\u00fcr eine M\u00fcllentsorgungsgrube. Je tiefer Hermans Tunnel wurde, des-to mehr weiche, braunschwarze Erde t\u00fcrmte sich vor seinem Hausund auf der Stra\u00dfe auf. Das wurde den Maierfilznern irgendwannzu viel und so baten sie Gustav Laubenthal mit Herman zu reden.Der setzte sich auch gleich in sein Auto und fuhr zu Herman. \u201eHal-lo Herman!\u201c br\u00fcllte er in den schwarzen Tunnel hinunter. Nach einerhalben Stunde kam Herman von Kopf bis Fu\u00df mit Erde beschmiert,heraus gekrochen. \u201eGuten Tag, Herman,\u201c sagte Gustav Laubenthalin dem freundlichstem Ton, den er gegen\u00fcber dem Spast anschla-gen konnte. \u201eWas soll denn das werden?\u201c Herman starrte mit of-fenem Mund in den blauen Himmel. \u201eEin Tunnel, nicht wahr? Und du machst deinen ganzen Garten kaputt. Pfui, Herman. Sch\u00e4mst dudich denn nicht?\u201c Herman guckte noch immer in den Himmel. EinMarienk\u00e4fer landetet auf seiner feuchten Unterlippe. \u201eUnd diesesGef\u00e4hrt da, h\u00e4hh?\u201c Aus Hermans Mund lief Speichel. Gustav Lau-benthal wurde sehr unruhig und begann Herman zu sch\u00fctteln. \u201eDu Dreckssack,\u201c schimpfte er. \u201eVom Tellerw\u00e4scher zum Million\u00e4r,\u201c heulte Herman pl\u00f6tzlich auf. \u201eWie?\u201c \u201eAustralien.\u201c \u201eDu Spast! Glaubst du,dass man mit einem Bus quer durch die Erde nach Australien fahrenkann? Du Hirntoter!\u201c Pl\u00f6tzlich lie\u00df Laubenthal Herman los, der so-fort in seinen Tunnel zur\u00fcck kroch. Eine Lachsalve erfasste Lauben-thal. Er sch\u00fcttelte sich vor Lachen, bis ihm die Tr\u00e4nen kamen. Dannstieg er in sein Auto und fuhr davon. Doch Herman lie\u00df sich nicht ab-bringen und grub weiter.Eines Tages war der kanariengelbe Autobus verschwunden und Her-mans Tunnel eingest\u00fcrzt. Herman war weg. Ganz Maierfilz seufz-te erleichtert auf. Herman wurde f\u00fcr tot erkl\u00e4rt, man pflanzte einKreuz in seinen Garten, s\u00e4hte Gras und spritzte die Erde von der Stra-\u00dfe weg.Doch ein Jahr sp\u00e4ter bekam Gustav Laubenthal eine Postkarte ausAustralien mit einem K\u00e4nguru darauf. Diese war vor zwei Wochen in Sydney abgeschickt worden. \u201eHerman geht gut!\u201c stand dort krake-lig geschrieben und ein Herz war daneben gemalt.\/\/ von johanna schricker<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Maierfilz ist ein unbedeutender Ort in Niederbayern, der sogar so un-bedeutend ist, dass es ihn eigentlich gar nicht gibt.In Maierfilz steht das Kunststoffwerk Laubenthal. Alle Maierfilznerarbeiten bei Laubenthal. Laubenthal ist marktf\u00fchrend in der Entwicklung und Produktion von Gummistiefelsohlen. Laubenthaler Gummistiefelsohlen werden sogar nach Kirgisistan, in den Oman oder SierraLeone exportiert. 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