{"id":503,"date":"2008-03-13T14:58:23","date_gmt":"2008-03-13T13:58:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=503"},"modified":"2008-03-13T15:08:26","modified_gmt":"2008-03-13T14:08:26","slug":"der-heimfahrer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=503","title":{"rendered":"\/\/ der heimfahrer"},"content":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist all jenen gewidmet, die vom dauernden Kampf gegen die elterliche Abh\u00e4ngigkeit desertieren, r\u00e4udig von der Seite der Gleichaltrigen weichen und zum warmen Ofen des Erzeugers zur\u00fcckkriechen. Die das Studium als eine fernab der Heimat gelegene weiterf\u00fchrende Schule begreifen. Und die sich Freitag f\u00fcr Freitag und Ferienbeginn f\u00fcr Ferienbeginn vom Rockscho\u00df-Gummiband ihrer M\u00fctter zur\u00fcck nach Hause ins gem\u00fctliche Hintertupfingen katapultieren lassen: Die Heimfahrer.<!--more--><\/p>\n<p>Im ersten Semester ist der Heimfahrer nur ein schlechter Freund. Unter der Woche bittet er dich um deine Zeit, doch du selbst brauchst ihn am Wochenende gar nicht erst anrufen: \u201eIch bin gerade daheim im H.\u201c Weil du dich trotzdem auf ihn eingelassen hast, ist dir der Weg zu interessanteren Leuten verbaut, denn die k\u00f6nnen mit deiner Montagbisdonnerstag-Klette \u00fcberhaupt nichts anfangen. Aus Nettigkeit wirst du ihn aber freitags, wenn er schon auf der Autobahn ist, auch weiterhin in die Anwesenheitsliste deines Seminars eintragen und ihm ein zweites Exemplar des 5-cm-dicken-Skriptstapels mitnehmen. Im zweiten Semester leiht er sich Geld von dir und verspricht die R\u00fcckzahlung zur n\u00e4chsten Woche. Ihm kommt aber der T\u00dcV in die Quere, denn der will ihn mit seinen abgefahrenen Reifen nicht mehr auf die Stra\u00dfe lassen. So verschleppt er die R\u00fcckzahlung Woche f\u00fcr Woche, und erst, als auch das letzte Ticket deines Lieblingsfestivals vergriffen ist, bekommst du dein Geld mit verlegenem L\u00e4cheln zur\u00fcck. Im dritten Semester scheinen in seiner Heimat auch die letzten Sp\u00e4tz\u00fcnder das Abi geschafft zu haben, und pl\u00f6tzlich gibt es zuhause nur noch halb so viele Freunde, mit denen der Heimfahrer seine Wochenenden verbringen k\u00f6nnte. So wagt er nach fast anderthalb Jahren erstmals die Frage, wo man in W\u00fcrzburg abends eigentlich so hingehen k\u00f6nne. Wieder also musst du ihn mitnehmen, und dir bleibt nichts als die Hoffnung, dass die Langweiligkeit seiner Mittelm\u00e4\u00dfigkeit sich nicht in Farblosigkeit auf deinem schillernden Selbst ablagert.  Im vierten Semester verbringt er nicht einmal jedes zweite Wochenende mehr zuhause. Es ist Sommer und man schwitzt, und man braucht alle Naselang ein neues Hemd. Da f\u00e4llt auch unserem Heimfahrer auf, dass die einem alle W\u00e4sche liebevoll abnehmende, sie waschende und b\u00fcgelnde Mama zur Erledigung dieser h\u00e4sslichen Nebens\u00e4chlichkeit nicht nach W\u00fcrzburg kommen wird. Und er fragt dich, ob du mit ihm in den Waschsalon gehen k\u00f6nntest, beim ersten Mal nur, um ihm zu zeigen, wie man denn das mit dem Waschen alles so macht.  Im f\u00fcnften Semester, er l\u00e4sst sich inzwischen kaum noch zuhause blicken, trennt sich nach langer und in jeder Hinsicht unbefriedigender Fernbeziehung seine Freundin Dorith, die mit dem B\u00e4ckerei-Fachverk\u00e4ufer Knut durchgebrannt ist. Er h\u00e4ngt in den Seilen und bedarf deiner F\u00fcrsorge, denn Trauer ist schlimm, und er sei ja so froh, wenigstens EINEN Freund hier zu haben, alle anderen seien ja nur Arschl\u00f6cher &#8230;  Im sechsten Semester wird das inkarnierte Heimweh einen neuen Bock schie\u00dfen, soviel ist sicher. Ich werde warten und alles dokumentieren. Und weiter nach einem Gegenmittel suchen.<br \/>\n\/\/ von dirk b\u00f6hler<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist all jenen gewidmet, die vom dauernden Kampf gegen die elterliche Abh\u00e4ngigkeit desertieren, r\u00e4udig von der Seite der Gleichaltrigen weichen und zum warmen Ofen des Erzeugers zur\u00fcckkriechen. Die das Studium als eine fernab der Heimat gelegene weiterf\u00fchrende Schule begreifen. 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