{"id":615,"date":"2008-04-20T09:35:36","date_gmt":"2008-04-20T08:35:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=615"},"modified":"2009-04-29T14:21:22","modified_gmt":"2009-04-29T13:21:22","slug":"zuckerbeat-vol-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=615","title":{"rendered":"\/\/ zuckerbeat volume 9"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/zuckerbeat9.jpg\" alt=\"zuckerbeat 9\" class=\"right\" \/>Im Pop ist es ja ein beliebtes Spiel, sich selbst als Charakter in ein anderes Licht zu r\u00fccken. In Zeiten st\u00e4ndiger Ver\u00e4nderung \u00fcberlebt eben nur derjenige, der immer wieder im Stande ist, sich neu zu erfinden und gegenw\u00e4rtige Trends zu erkennen. Dieser Umstand w\u00e4re an sich nicht sonderlich bemerkenswert, w\u00fcrde <strong>Jamie Lidell<\/strong> dieses Spiel nicht mit seinem Alter Ego \u201eJim\u201c (7\/10) und dem gleichnamigen Album ad absurdum f\u00fchren. Die Scheibe klingt, soweit man das als Sp\u00e4tgeborener beurteilen kann, wie ein verstaubtes \u00dcberbleibsel aus der Bl\u00fctezeit des Soul. Und weil retro sp\u00e4testens seit dem durchschlagenden Erfolg von Amy Winehouse, Joss Stone oder neuerdings auch Duffy in der Popwelt wieder f\u00fcr ein paar dicke Nullen auf den Gehaltsscheck der K\u00fcnstler sorgt, d\u00fcrfte Jamie\u00b4s niemals alternden Freund Jim auch hierzulande durchschlagenden Erfolg haben. Der Teufel allerdings steckt hier, wie so oft, im Detail. Nur wurde Selbiges leider, im Gegensatz zum Vorg\u00e4nger \u201eMultiply\u201c, schlicht und ergreifend durch eine poppige Fassade ersetzt. <!--more-->Soll hei\u00dfen. \u201eJim\u201c ist \u201eMultiply\u201c ohne Lidells wunderbaren Hang zum Experiment geworden. Jamie Lidell macht sich anno 2008 nicht mehr nur einen Sound der Vergangenheit zu eigen, um daraus etwas Neues zu formen. Er wird mit \u201eJim\u201c vielmehr Teil der Vergangenheit. Und wirkt dadurch letztlich authentischer, denn je zuvor. Das sch\u00f6nste aber ist: Durch seinen fiktiven Charakter \u201eJim\u201c wirkt das Ganze nicht etwa aufgesetzt oder nostalgisch. Es f\u00fchrt den H\u00f6rer auch noch an der Nase herum. Denn \u201eJim\u201c ist lediglich Jamies Marionette. Eine fiktive Figur. Eine Blase. Ein Nichts. Was man letztlich wiederum als versteckte Kritik am heutigen Popgesch\u00e4ft interpretieren kann. Vorausgesetzt nat\u00fcrlich man m\u00f6chte das. Man kann die Platte n\u00e4mlich auch einfach durchlaufen lassen und sich in den Arrangements erfreuen, die uns Lidell hier um die Ohren haut. Und sich an diesem wunderbaren. musikalischen Zaubertrick erg\u00f6tzen, den uns der Musiker aus dem Berliner-Exil-Kollektiv um Gonzales und Peaches hier vorgaukelt. Weniger zauberhaft, aber umso ambitionierter pr\u00e4sentieren <strong>Booka Shade<\/strong> auf ihrem neuen Album \u201eThe Sun &amp; The Neon Light\u201c (6\/10) ein elektronisches Lichtermeer aus melancholischen Momenten. Glam-Rock-Versatzst\u00fccken und psychedelischen Entw\u00fcrfen. Die Musik prasselt von der Decke des Raums. Schmiegt sich an den K\u00f6rper, wie ein Meer aus bunten Lichtern. Die sparsam eingesetzten Vocal-Momente entlassen einen dabei kurzzeitig aus der hypnotischen Trance und sorgen gleichzeitig daf\u00fcr, dass man bis zum Ende an der Musik kleben bleibt. V\u00f6llig losgel\u00f6st wirken derweil <strong>Ja, Panik<\/strong> auf ihrem aktuellen Werk \u201eThe Taste And The Money\u201c (7\/10). Hier wird deutschsprachiger Indie-Pop einmal um die Ecke gedacht. Das Ganze ist in dieser Form so extrem und einzigartig, dass die Spex ihnen sogar die Albumkrone f\u00fcr den Monat Mai aufsetzte. Das gr\u00f6\u00dfte Kapital der Band ist dabei ihre Unberechenbarkeit. Denn immer dann, wenn man es sich in einem Song gem\u00fctlich gemacht hat, packen Ja, Panik den Holzhammer aus und schreien sich sehnsuchtsvoll durch abgr\u00fcndige, menschliche Gem\u00fctszust\u00e4nde. Die St\u00fccke werden un\u00fcbersichtlich, verheddern sich aber niemals in den komplexen Strukturen. Letztere wirken vielmehr sogar zwingend notwendig, wenn man sich der Tiefe der Texte bewusst wird. Wenn dann mittendrin auch noch die Punkkeule rausgeholt wird, steht man pl\u00f6tzlich schreiend vor der Stereoanlage und singt \u201eist es wahr? es ist wahr! ist es wahr? es ist waaaaaaaaaaahr!\u201c, nur um schlie\u00dflich l\u00e4chelnd zu Boden zu st\u00fcrzen. Selbiges m\u00f6chte man auch, wenn \u201eColossus\u201c (7\/10) anrollt. Die neue Scheibe von <strong>Smoke Blow <\/strong>dr\u00fcckt dich n\u00e4mlich in ein tiefes schwarzes Loch. Orientierungslos irrst du umher, w\u00e4hrend der gleichnamige Opener mit seinen tiefen B\u00e4ssen auf dich zurollt. Anschlie\u00dfend geht dann alles ganz schnell. \u201eCriminal\u201c klingt wie ein vergessener Song der Beatsteaks mit Raucherlunge. Und sogar die deutschsprachigen St\u00fccke k\u00f6nnen zumindest mit charmanter \u201ewir wolltens halt mal versuchen\u201c-Attit\u00fcde punkten. Ich meine\u2026 Hey. Gabs in diesem Jahr schon einen cooleren Songtitel als \u201eZombie auf\u00b4m Klapprad\u201c. Ich meine nicht. Und deswegen kommt am <strong>26.4. bitte alle in den Stattbahnhof nach Schweinfurt<\/strong>. Da rocken Smoke Blow zusammen mit Captain Duff n\u00e4mlich alles nieder, was sich nicht rechtzeitig in die hinteren Reihen verzeiht. Das wird ein Fest! Womit wir uns dann schon wieder poppigeren Gefilden zuwenden. Die Bluterg\u00fcsse an Armen und Beinen m\u00fcssen schlie\u00dflich auskuriert werden. Dazu eignet sich bestens die Mitwippmucke von <strong>Paula<\/strong>. Auf deren neuem Album \u201eSo wie jetzt\u201c (5\/10) macht sie eigentlich genau dort weiter, wo sie vor einem gef\u00fchlten halben Jahrzehnt aufgeh\u00f6rt hat. Lieblicher, deutschsprachiger Pop ist das, der keinem weh tut. Der sich vielmehr irgendwo zwischen den Polen Klee und 2-Raumwohnung positioniert und damit durchkommt, weil sich die Melodien im Fr\u00fchling so wunderbar beim auf der Wiese liegen zum Nachpfeifen eignen. Mit \u201eSo wie jetzt\u201c k\u00f6nnte dabei auch ein ganz passabler Hit rausspringen, der nebenbei die Platte ganz gut auf den Punkt bringt: \u201eSo wie jetzt kann es immer sein. Zum Gl\u00fccklichsein brauche ich keinen, auf und ab und hin und her\u201c. Selbiges exerziert dann der Rapper <strong>Guilty Simpson<\/strong> auf seinem, auf Stones Throw ver\u00f6ffentlichtem, Werk \u201eOde To the Ghetto\u201c (7\/10). Die Musik orientiert sich an den famosen alten Songs von Mobb Deep oder dem Wu-Tang Clan, wirft aber auch ein Auge in Richtung Detroiter Gegenwart. Das Instrumental von \u201ePigs\u201c h\u00e4tte auch auf der ersten Eminem-Scheibe f\u00fcr reichlich Kopfnicken gesorgt. Und die eingestreuten Soundentw\u00fcrfe des famosen, inzwischen leider verstorbenen J Dilla wirken auch hier, wie Balsam auf der geschundenen Rapper-Seele. Kurz gesagt: Wer h\u00e4nderingend nach einer Alternative zu dem Chartsbrei der Gegenwart sucht\u2026 Guilty Simpson hat sie. Und damit Schluss f\u00fcr heute. Bis zum n\u00e4chsten Zuckerbeat.<\/p>\n<p><em> \/\/ von alexander nickel-hopfengart<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Pop ist es ja ein beliebtes Spiel, sich selbst als Charakter in ein anderes Licht zu r\u00fccken. In Zeiten st\u00e4ndiger Ver\u00e4nderung \u00fcberlebt eben nur derjenige, der immer wieder im Stande ist, sich neu zu erfinden und gegenw\u00e4rtige Trends zu erkennen. 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