{"id":626,"date":"2008-05-04T11:10:47","date_gmt":"2008-05-04T10:10:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=626"},"modified":"2009-04-29T14:19:47","modified_gmt":"2009-04-29T13:19:47","slug":"mufflon-mitbewohner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=626","title":{"rendered":"\/\/ mufflon: mitbewohner"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/mufflon.jpg\" alt=\"mufflon\" class=\"left\" \/><br \/>\n<em>Mitbewohner<\/em>. So was ist ja im Grunde eine durchaus feine Sache. Also die Grundidee hinter der weit verbreiteten Praxis, sich zusammen zu tun, Klo und K\u00fcche zu teilen und im besten Falle auch noch Interessen, ja die Grundidee, die stimmt schon. Und es ist ja auch wunderbar, wenn jemand daheim ist, sich hochinteressiert erkundigt, was man denn Spannendes in der Uni gelernt habe, w\u00e4hrend er einem die F\u00fc\u00dfe massiert und Kaffee und Kuchen serviert. Doch wo findet man so was? Ja, die Realit\u00e4t sieht leider meist anders aus und die meisten sind schon froh, wenn ihre Hausgenossen stubenrein sind. <!--more-->Es will wohlweislich selektiert werden. Also eine neue Runde der spannenden Freakshow namens Mitbewohnercasting. Und wie wir alle wissen, kann man alles, was man casten kann, auch im Fernsehen angucken. Da pr\u00e4sentieren sich dann das schwule P\u00e4rchen, die ungepflegte Esoterikerin, der dreadbehangene Surferboy, die HighHeels-tussi und der behaarte Tierliebhaber. Alle suchen die Superwohnung, auf keinen Fall Zweck- WG, kochen gerne, sind allgemein recht gesellig und nat\u00fcrlich Sitzpinkler. Mitbewohner gesucht und gefunden, hurra hurra. Doch was macht man, wenn man nicht gerade von Kameras verfolgt werden will, wenn man das eigene Chaos pr\u00e4sentiert? Alle antanzen lassen, Bier in die Hand dr\u00fccken, gleich mal gucken, wer selbst welches mitbringt, mit allen ein wenig reden und sich am Ende v\u00f6llig blau f\u00fcr den bestaussehendsten Kandidaten entscheiden. Oder doch lieber Einzelverh\u00f6r \u00e0 la \u201eHast du irgendwelche ansteckenden Krankheiten?\u201c \u201eIsst du Tofu und w\u00e4schst du dich auch regelm\u00e4\u00dfig?\u201c \u201eKannst du dir selbst\u00e4ndig den Arsch abwischen und, ach ja, wie hei\u00dft du \u00fcberhaupt?\u201c Und dann hei\u00dft es Menschenkenntnis beweisen. Sonst ger\u00e4t man an einen Peter. Peter. Da sitzt er. Also man wei\u00df, dass er da ist, man sp\u00fcrt es, irgendwie beklemmend. Sehen kann man ihn nicht. Riechen auch nicht. Jedenfalls solange er seine T\u00fcre geschlossen h\u00e4lt. Verschanzt sich in seinem Zimmer und zockt im Namen des Herrn der Ringe mit anderen Orks und Elben online. Peter verschr\u00e4nkt die Arme vor der Brust und stampft w\u00fctend mit den F\u00fc\u00dfen, wenn die Dusche besetzt ist. Br\u00fcllt durch die ganze Wohnung: Ihr Wichser! Warum? Naja, niemand hat seinen Lachs in den K\u00fchlschrank ger\u00e4umt. Frechheit. Aber wirklich. Logische Konsequenz, Peter entfernt den K\u00fcchentisch aus der K\u00fcche, denn dieser ist sein Eigentum und wir sind hier offenbar im Kindergarten. Der kleine Peter ist Anfang 30 und studiert irgendwas. Peter hat eine 70-j\u00e4hrigen Mutter und eine Freundin Mitte 30, namens Fara, ein Ork in Reinform. Zu diesen pflegt er regen Kontakt. Soweit man das in seinem Fall so nennen kann. Soziale Inkompetenz im Quadrat. Vielleicht hatte Peter ja eine schwere Kindheit. Vielleicht findet er sich zu dick und sein Haar zu licht. Vielleicht ist er aber auch einfach nur ein Arschloch. Doch leider eins, das hier wohnt. Es ist und bleibt mir ein R\u00e4tsel, wie wir \u00fcbersehen konnten, dass wir uns einen Peter ins Haus holen. Legt lieber sofort wieder auf, sollte Peter den H\u00f6rer abnehmen. Sonst wird es euch und uns \u00fcbel ergehen, denn Peter wird aus seiner Zockposition im Multifunktionsschreibtischsessel und damit j\u00e4h aus Mittelerde gerissen. Steht schwerf\u00e4llig auf, kratzt sich am Sack und tappt in den Gang. Br\u00fcllt einen beliebigen Namen, unsere kann er n\u00e4mlich nicht so ganz auseinander halten, was bei zwei M\u00e4dels und einem Herren ja auch durchaus nachvollziehbar ist. Anschlie\u00dfend knallt er das Telefon auf den nichtmehrvorhandenen K\u00fcchentisch und grunzt Unverst\u00e4ndliches, jedoch definitiv Unfreundliches. Man k\u00f6nnte nun noch diverse auff\u00e4llig unhygienische Gewohnheiten in K\u00fcche und Bad, manch einem ist nicht ganz klar, wo man sich die Zehenn\u00e4gel schneidet und wo man Mettwurschtsemmeln lagert, anf\u00fchren, sowie ausgiebig auf seine dezenten Laute beim Orksex mit Fara  hinter eindeutig zu d\u00fcnnen W\u00e4nden eingehen. Doch daf\u00fcr reicht der Platz nicht. Einziger Lichtblick, bald ist es soweit, drei Monate sind rum, ein Hoch auf die Zwischenmiete, das Spiel beginnt von Neuem und nun hei\u00dft es: Brille aufsetzen, Bierflasche absetzen, Hirn einsetzen, Peter ersetzen!<\/p>\n<p><em>           \/\/ von helena hertlein<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitbewohner. So was ist ja im Grunde eine durchaus feine Sache. Also die Grundidee hinter der weit verbreiteten Praxis, sich zusammen zu tun, Klo und K\u00fcche zu teilen und im besten Falle auch noch Interessen, ja die Grundidee, die stimmt schon. 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