{"id":6837,"date":"2011-03-08T11:59:26","date_gmt":"2011-03-08T10:59:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=6837"},"modified":"2011-03-08T12:00:00","modified_gmt":"2011-03-08T11:00:00","slug":"aufgelesen-vol-2-das-monster-hatte-keine-geschichte-es-sei-denn-es-ist-schon-eine-geschichte-ein-monster-zu-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=6837","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. 2 &#8211; &#8222;das monster hatte keine geschichte, es sei denn, es ist schon eine geschichte, ein monster zu sein&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6838\" title=\"markus-kavka\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/markus-kavka.jpg\" alt=\"markus-kavka\" width=\"250\" height=\"409\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/markus-kavka.jpg 257w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/markus-kavka-183x300.jpg 183w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/>Hast du dir heute schon mal die Frage gestellt, wie es eigentlich weitergehen soll, wenn die erste Phase deines Lebens vorbei ist. Was tust du, wenn das Studentendasein sich so langsam dem Ende n\u00e4hert und dar\u00fcber hinaus kein Plan existiert, der dir sagt, wie es danach weitergehen soll. Der Protagonist von <strong>Markus Kavka<\/strong>s ersten Roman hat ein \u00e4hnliches Problem. Der Job als Moderator ist futsch, die Freundin fremdgegangen, die gro\u00dfe Party ist zu Ende, also werden kurzerhand die Scherben aufgesammelt, die Koffer gepackt und dann geht\u2019s ab nach Hause. In Georg Herzls Fall geht die Reise nach \u201eRottenegg\u201c. Einem kleinen Kaff im Herzen Bayerns, ganz in der N\u00e4he von Ingolstadt. Nach seinen drei Textsammlungen \u201eElektrische Zahnb\u00fcrste\u201c, \u201eHamma wieder was gelernt\u201c und \u201eMach mir mal ne Nudelsuppe\u201c hat sich Kavka daran gewagt, einen vollst\u00e4ndigen Roman zu stemmen, <span style=\"color: #262626;\"><!--more--><\/span>wobei hier angemerkt sein sollte, dass die vorgeschobene Behauptung, es handele sich im Falle der Hauptfigur nicht um eine real existierende Person durchaus mit einem Augenzwinkern zu genie\u00dfen ist. Nachdem man sich durch die ersten paar Dialekt-, pardon Dialogfetzen geschm\u00f6kert hat, entfaltet sich schlie\u00dflich eine durchaus gelungene Story \u00fcber das Leben und wie es sich eben so anf\u00fchlt, wenn einem pl\u00f6tzlich die allt\u00e4glichen Rauschmittel ausgehen. Georg Herzl muss sich seinen D\u00e4monen stellen und sieht sich in \u201eRotenegg\u201c mit Erwartungen konfrontiert, \u00fcber welche der L\u00e4rm der Gro\u00dfstadt bisher seinen Schutzwall errichtet hat. Ob sein Trip nach Hause wirklich alle Wunden heilt? Es lohnt sich auf jeden Fall mal rein zu schnuppern. \u201eRottenegg\u201c ist ein gefundenes Fressen f\u00fcr alle, die bereits ihre helle Freude an J\u00f6rg Harlan Rohleders \u201eLokalhelden\u201c oder Nagels \u201eWas kostet die Welt\u201c hatten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-6839\" title=\"wash_echte_ich_werde_ein_berliner_101543-small\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/wash_echte_ich_werde_ein_berliner_101543-small-204x300.jpg\" alt=\"wash_echte_ich_werde_ein_berliner_101543-small\" width=\"204\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/wash_echte_ich_werde_ein_berliner_101543-small-204x300.jpg 204w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/wash_echte_ich_werde_ein_berliner_101543-small.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 204px) 100vw, 204px\" \/>Wash Echte<\/strong>, liebe Leserinnen und Leser, sie haben es schon geahnt, ist nat\u00fcrlich ein Platzhalter f\u00fcr jemanden der seinen echten Namen lieber nicht in der Zeitung lesen m\u00f6chte. Einem Zugezogenen noch dazu, der nun eine sehr am\u00fcsante Anleitung zum Thema \u201eIch werde ein Berliner\u201c geschrieben hat. Alle, die schon seit L\u00e4ngerem dar\u00fcber nachdenken, den Absprung in Richtung Metropole zu wagen, sollten sich vorher diese gelungene Gebrauchsanweisung reinziehen. Da Wash Echte noch dazu ein geb\u00fcrtiger Engl\u00e4nder ist, gelingt es ihm immer wieder die Luftblase zum Platzen zu bringen, die viele um sich herum kreieren, wenn es darum geht, auf der gro\u00dfen Welle des Zeitgeistes vorne weg zu surfen. Wer auf das fr\u00fche Zeug von Nick Hornby steht, sollte unbedingt mal einen Blick in dieses Buch werfen. Mit viel Scharfsinn analysiert der Autor das allt\u00e4gliche Leben in Deutschlands Hauptstadt und verpackt es in einen derma\u00dfen schmissigen Text, dass man aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus kommt. Die zahlreichen Illustrationen und Fotos sorgen zudem daf\u00fcr, dass man passend zum Inhalt gleich noch die passenden Impressionen vor den Latz geknallt bekommt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6840\" title=\"rivka\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/rivka.jpg\" alt=\"rivka\" width=\"237\" height=\"386\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/rivka.jpg 300w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/rivka-184x300.jpg 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 237px) 100vw, 237px\" \/><strong>Rivka Galchen<\/strong> erz\u00e4hlt derweil eine wirklich interessante Geschichte \u00fcber die menschliche Psyche und deren Eigenheiten. Ein Psychiater namens Leo hat den Verdacht, seine Frau sei nicht mehr sie selbst. Stattdessen habe eine Doppelg\u00e4ngerin ihren Platz an seiner Seite eingenommen. Er steigert sich zunehmend in diese (Wahn?)Vorstellung rein und beginnt langsam durchzudrehen. Seine Verschw\u00f6rungstheorien gipfeln darin, dass er sich auf eine Reise nach \u201eFeuerland\u201c begibt und dabei nicht nur mit Toten plaudert, sondern auch \u00fcber Quantenmechanik philosophiert. Auch, wenn die Geschichte auf den ersten Blick etwas abstrus anmutet, der Roman &#8222;Atmosph\u00e4rische St\u00f6rungen&#8220; funktioniert sowohl als packender Thriller, wie auch als tiefsinnige Abhandlung dar\u00fcber, wie die Liebe uns findet und die Grenzen des eigenen Ichs mit dem des Gegen\u00fcbers zu verschwimmen scheinen, wobei nat\u00fcrlich immer die Gefahr mitschwingt, dass sich die Liebenden nach einiger Zeit wieder aus den Augen verlieren, bis auf einmal keine Schnittmengen mehr zu erkennen sind. Der Schl\u00fcssel liegt hier im Blickwinkel des Betrachters: \u201eDas geliebte Wesen dr\u00fcckt eine m\u00f6gliche Welt aus, die entziffert werden muss\u201c, schickt Gilles Deleuze vorweg. Nur was passiert, wenn einem das Werkzeug zum Dechiffrieren abhanden gekommen ist. Die kanadische Autorin l\u00e4dt uns mit ihrem Roman zu einer \u00e4u\u00dferst spannenden Philosophiestunde Schr\u00e4gstrich R\u00e4tselrunde ein. Was dabei heraus kommt, m\u00fcsst ihr allerdings selbst herausfinden. Nur so viel sei gesagt: es lohnt sich.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-6841\" title=\"zadie\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/zadie-183x300.jpg\" alt=\"zadie\" width=\"183\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/zadie-183x300.jpg 183w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/zadie.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><strong>Zadie Smith<\/strong> versammelt in ihrer aktuellen Kurzgeschichtensammlung 21 Geschichten von 21 Schreiberlingen, die sich durchaus sehen lassen k\u00f6nnen. Ist ja auch ziemlich imposant, wen sie da alles davon \u00fcberzeugen konnte, seinen Teil beizusteuern: Nick Hornby zum Beispiel erz\u00e4hlt uns aus dem Leben eines gewissen J. Johnson und wird unterst\u00fctzt von Zeichnerin \u201ePosy Simmonds\u201c, die mit ihren Illustrationen das Leben des Protagonisten in eine Bilderreihe \u00fcberf\u00fchrt. Jonathan Safran Foer, der ja aufgrund seines aktuellen Romans \u201eTiere Essen\u201c ebenfalls in aller Munde ist, l\u00e4sst sich auch nicht lumpen und erz\u00e4hlt uns die Geschichte von \u201eRhoda\u201c. Die einzige Vorgabe f\u00fcr die Teilnehmer war, dass es eine fiktive Person sein soll, \u00fcber die sie schreiben. Wie so oft, sind es dann auch nicht die gro\u00dfen Namen, welche uns die nachhaltigsten Geschichten liefern, positiv \u00fcberrascht ist man vielmehr von Smiths eigene Geschichte \u00fcber \u201eHanwell senior\u201c oder der Figur \u201eFrank\u201c von A. L. Kennedy, welcher sich in seiner Kurzgeschichte auch mal traut, das Level an Komplexit\u00e4t und Tiefsinn etwas weiter nach oben zu schrauben. Alles in allem ist \u201eDas Buch der Anderen\u201c ein imposanter Zeitvertreib und noch dazu ein sch\u00f6ner Sammelband f\u00fcr alle, die sich gerne den Rundumschlag in Sachen zeitgen\u00f6ssischer Literatur verabreichen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6842\" title=\"hans-nieswandt\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/hans-nieswandt.jpg\" alt=\"hans-nieswandt\" width=\"463\" height=\"702\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/hans-nieswandt.jpg 470w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/hans-nieswandt-197x300.jpg 197w\" sizes=\"auto, (max-width: 463px) 100vw, 463px\" \/>Einen Beitrag zum Thema Partymachen knallt uns gleich hinterher niemand Geringeres als <strong>Hans Nieswandt <\/strong>vor den Latz. Der Mannheimer Produzent und DJ nimmt daf\u00fcr ausnahmsweise mal nicht hinter den Reglern seines Mischpults Platz, er textet einfach drauf los und erz\u00e4hlt von Dingen, die man so erlebt, wenn man Nacht f\u00fcr Nacht im Zeitraffer des Blitzlichts verharrt. Sein Roman \u201eDJ Dionysos\u201c erz\u00e4hlt uns \u201eGeschichten aus der Discowelt\u201c und strotzt nur so vor Anekdoten aus dem Partyleben. Das Buch ist gl\u00fccklicherweise keine wissenschaftliche Abhandlung in Sachen Musikgeschichte, sondern ein echter Roman mit echten Menschen, die sich vollends am Leben und an der Musik berauschen. Inhaltlich erf\u00e4hrt man einerseits viel dar\u00fcber, wie sich das Handwerkszeug der DJs in den letzten 20 Jahren ver\u00e4ndert hat. Man kommt aber andererseits aus dem Grinsen nicht mehr heraus, wenn Nieswandt aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen (pardon: Dj-K\u00f6fferchen) plaudert und hin und wieder auf Partys auflegen darf, die auf irgendwelchen Kreuzungen mitten im nebligen Nichts stattfinden, was im wahrsten Sinne des Wortes wirklich der reinste Horror gewesen sein d\u00fcrfte. Ansonsten ist der Roman sehr fl\u00fcssig getextet. Ab und zu gibt\u2019s ein paar Illustrationen oben drauf, die vielleicht nicht unbedingt n\u00f6tig gewesen w\u00e4ren, aber f\u00fcr Abwechslung sorgen. Das verleiht der Geschichte am Ende noch mehr Rasanz, so dass man das Buch am Liebsten in einem Zug durchschm\u00f6kern m\u00f6chte. Airen-Fans sollten unbedingt mal einen Testlauf riskieren. Und wir ziehen uns erstmal in unsere Leseecke zur\u00fcck. Bis zur n\u00e4chsten Runde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hast du dir heute schon mal die Frage gestellt, wie es eigentlich weitergehen soll, wenn die erste Phase deines Lebens vorbei ist. Was tust du, wenn das Studentendasein sich so langsam dem Ende n\u00e4hert und dar\u00fcber hinaus kein Plan existiert, der dir sagt, wie es danach weitergehen soll. 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