{"id":6960,"date":"2011-03-25T14:15:18","date_gmt":"2011-03-25T13:15:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=6960"},"modified":"2011-03-25T14:16:33","modified_gmt":"2011-03-25T13:16:33","slug":"aufgelesen-vol-4-als-mir-dammerte-dass-ich-wenn-ich-nicht-kundigte-weiterarbeiten-musste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=6960","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. 4 &#8211; &#8222;warum die welt untergehen wird&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6961\" title=\"tino-hanekamp\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/tino-hanekamp.jpg\" alt=\"tino-hanekamp\" width=\"250\" height=\"404\" \/>Tino Hanekamp<\/strong>s Roman \u201eSo was von da\u201c dreht sich um einen gewissen Oskar Wrobel, der einen Club am Rande der Reeperbahn betreibt. Alles scheint auf Party getrimmt, bis pl\u00f6tzlich eine Abrissbirne den gro\u00dfen Traum vom Gl\u00fcck in Schutt und Asche legen will. W\u00e4hrenddessen \u00fcberschlagen sich die Ereignisse: Die Schulden nehmen \u00fcberhand, sein bester Freund landet auf dem Abstellgleis, ein ehemaliger Zuh\u00e4lter st\u00fcrmt sein Apartment. Oskar wiederum versucht inmitten des Chaos irgendwie den Tag zu \u00fcberstehen. Sein Gl\u00fcck zu finden. Dabei ist die Geschichte durchaus autobiographisch angelegt, denn Tino Hanekamp hat wirklich mal einen charmanten Club besessen, der vor einigen Jahren abgerissen wurde. Inzwischen leitet er das Hamburger Szene-Lokal \u201eUebel &amp; Gef\u00e4hrlich\u201c, welches in Szenekreisen zu den sch\u00f6nsten Indie-Clubs Deutschlands gez\u00e4hlt wird. <span style=\"color: #262626;\"><!--more--><\/span>Und so f\u00fchlt man sich von seiner Geschichte auch zunehmend in einen Sog der Emotionen gerissen. Hanekamp spuckt mehr, als dass er schreibt. Er knallt seinen Lesern Momentaufnahmen in kurzen pr\u00e4gnanten Passagen vor den Latz. \u201eIch bef\u00fcrchte, ich bin wach. Blicke auf eine Bierflasche, in der zwei Kippen schwimmen und ein K\u00e4fer. Brutalkopfschmerz. Auf dem Heizungsrohr ein Pelz aus Staub. Extrembrechreiz. Drau\u00dfen knallt\u00b4s. Schlie\u00dfe die Augen. Es knallt noch mal. Was f\u00fcr ein beschissener Anfang\u201c, so legt er los und entschlie\u00dft sich nicht mehr damit aufzuh\u00f6ren, 285 Seiten lang, alles dreht sich um den poetischen Aspekt des Partylebens. Um Gef\u00fchle, Menschen, Sensationen. Alles glitzert, alles strahlt. Oder wie Tocotronic es einst so sch\u00f6n formulierten: \u201e\u2026eine Welt aus Papier, alles explodiert\u2026\u201c<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-6962\" title=\"giancarlo-de-cataldo\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/giancarlo-de-cataldo-209x300.jpg\" alt=\"giancarlo-de-cataldo\" width=\"209\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/giancarlo-de-cataldo-209x300.jpg 209w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/giancarlo-de-cataldo.jpg 293w\" sizes=\"auto, (max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/>Der italienische Richter <strong>Giancarlo De Cataldo<\/strong> hat uns mit seinem Roman \u201eRomanzo Criminale\u201c bereits gekonnt vor Augen gef\u00fchrt, wie sich in den 70ern das Verh\u00e4ltnis zwischen dem organisierten Verbrechen und der Staatsgewalt in Italien gestaltete. In seinem aktuellen Buch richtet er seinen Fokus auf das Jahr 1992. In Rom, Palermo und Florenz werden Bomben gez\u00fcndet. Kommissar Scialoja ist seiner Aufgabe als Gesetzesh\u00fcter m\u00fcde und verhandelt mit den Strippenziehern aus den Reihen der Mafia. Alte und neue Clans treffen schlie\u00dflich aufeinander. Der Protagonist verharrt zwischen den St\u00fchlen und fr\u00f6nt im Antlitz seiner gef\u00fchlten Machtlosigkeit zunehmend dem Zynismus. Was tun, wenn man den F\u00e4ngen eines korrupten Systems hilflos ausgeliefert ist? Was tun, wenn die anderen die Hebel in der Hand halten, die die Welt bewegen? Was n\u00fctzt Macht auf dem Papier, wenn andere sie an sich rei\u00dfen? Wobei in diesem Zusammenhang noch darauf hingewiesen werden soll, dass es sich bei \u201eSchmutzige H\u00e4nde\u201c nicht um ein zeitgeschichtliches Dokument handelt, sondern um eine fiktive Geschichte, die sich lediglich an historischen Fakten orientiert. Wie schon bei \u201eRomanzo Criminale\u201c zieht De Cataldo seine Leser fortw\u00e4hrend in einen Sog der Emotionen, startet stilgerecht mit dem Satz \u201eDer Mann, den sie umlegen sollten, hie\u00df Settecorone\u201c und schafft es durch seinen lockeren Schreibstil eine komplexe Materie in eine spannende Geschichte zu \u00fcberf\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6963\" title=\"malcolm-beith\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/malcolm-beith.jpg\" alt=\"malcolm-beith\" width=\"251\" height=\"401\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/malcolm-beith.jpg 401w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/malcolm-beith-187x300.jpg 187w\" sizes=\"auto, (max-width: 251px) 100vw, 251px\" \/>Wer sich anschlie\u00dfend noch ein wenig umfassender mit Geschichten aus der realen (Unter)Welt konfrontieren m\u00f6chte, der sollte sich mal das aktuelle Werk des Journalisten <strong>Malcolm Beith<\/strong> reinziehen. In dem Roman umreist der Autor die Geschichte des mexikanischen Drogenbarons \u201eEl Chapo\u201c alias Joaqu\u00edn Guzm\u00e1n, der als Schl\u00fcsselfigur im mexikanischen Drogenkrieg gilt. Bemerkenswert an dem Buch ist, dass der Autor alle Seiten des Dramas beleuchtet. Er l\u00e4sst sowohl Dealer als auch Staatsdiener und Ermittler zu Wort kommen. Er zeichnet so ein differenziertes Bild der Grundproblematik. Nachdem Joaqu\u00edn Guzm\u00e1n im Jahr 1993 von der Polizei mit gro\u00dfem Tohuwabohu festgenommen wird, gelingt ihm 2001 die Flucht aus einem Hochsicherheitstrakt in Jalisco. Im Jahre 2009 ist er immer noch auf freiem Fu\u00df, z\u00e4hlt aber inzwischen zu den reichsten M\u00e4nnern der Welt. Er hat ein Imperium errichtet und auf seinen Kopf sind 5 Millionen Dollar ausgesetzt. Trotz zahlreicher Details (allein die Chronik des Buches nimmt 35 Seiten ein) verliert man Dank Malcolm Beiths strukturierter Herangehensweise niemals den Faden und findet sehr schnell Zugang zu der Thematik. Wer verstehen m\u00f6chte, wie es dazu kommen kann, dass ein Land am Handel mit den Drogen zu verzweifeln droht, der sollte sich dieses Werk hier zu Gem\u00fcte f\u00fchren. Er wird die Welt danach mit anderen Augen sehen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6964\" title=\"bela-b-exit-mundi_cd_cover\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/bela-b-exit-mundi_cd_cover.jpg\" alt=\"bela-b-exit-mundi_cd_cover\" width=\"463\" height=\"416\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/bela-b-exit-mundi_cd_cover.jpg 500w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/bela-b-exit-mundi_cd_cover-300x270.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 463px) 100vw, 463px\" \/>Wer zwischendurch ein bisschen in Weltuntergangsphantasien schwelgen m\u00f6chte, der sollte sich von niemand Geringerem als <strong>Bela B.<\/strong> die illustre Apokalyptika genannt \u201eExit Mundi\u201c vorlesen lassen. Bela B. knallt uns auf zwei Cds die besten Endzeit-Szenarien von Autor Maarten Keuleman um die Ohren, einem niederl\u00e4ndischen Wissenschaftler und Journalisten, der unter anderem f\u00fcr das renommierte Bl\u00e4ttchen \u201eDe Volkskrant\u201c textet. Seine Storys \u00fcber \u201eRoboter\u201c und \u201eAliens\u201c, \u201eZombies\u201c und \u201eMeteoriten\u201c sind vor allem deshalb so bestechend, weil sie allesamt wissenschaftlich fundiert daher kommen. Die Homepage \u201eExit Mundi\u201c sammelt n\u00e4mlich bereits seit Jahren die besten Texte zum Thema Endzeitszenarien, die allesamt vor schwarzem Humor nur so strotzen. F\u00fcr Diskussionsstoff ist also gesorgt, genauso wie f\u00fcr zwei unterhaltsame Stunden, die reichlich d\u00fcsteren Anekdoten f\u00fcr die n\u00e4chste Grufti-Party in der Hinterhand halten.<span> <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-6965\" title=\"far\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/far-202x300.jpg\" alt=\"far\" width=\"202\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/far-202x300.jpg 202w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/far.jpg 431w\" sizes=\"auto, (max-width: 202px) 100vw, 202px\" \/>Allen Bio- und \u00d6ko-Skeptikern sei zum Abschluss noch die aktuelle Lekt\u00fcre von <strong>Vanessa Farquharson<\/strong> ans Herz gelegt. Die junge Journalistin aus Toronto hat sich in der Vergangenheit einen imposanten Ruf als Powershopperin erworben und textet in locker-flockiger Art und Weise dar\u00fcber, wie man sein Leben in 365 Tagen vollkommen umkrempelt. Der Selbstversuch, sich ein Jahr lang \u201e\u00f6kologisch korrekt und trotzdem sexy\u201c zu verhalten, gestaltet sich derweil \u00e4u\u00dferst am\u00fcsant. Schrittweise n\u00e4hert sie sich nach dem Genuss einer Al Gore-Dokumentation zum Thema \u201eertrinkende Eisbb\u00e4ren\u201c den Br\u00e4uchen der Hippies, dem Tofu-Mampfen und dem Haare-mit-Essig-waschen. Nebenbei bessert sie noch die CO2-Bilanz auf und kriegt gegen Ende auch noch so richtig das Kotzen. Ob sich der ganze Aufwand gelohnt hat, findest du am Besten selbst heraus. Die passenden Tipps zu Themen wie Umsteigen auf Recycling-Papier, Produkte aus der Region futtern oder Stofftaschent\u00fccher verwenden gibt\u2019s nat\u00fcrlich inklusive. Nicht nur deshalb ist es sch\u00f6n, dass \u201eNackt schlafen ist Bio\u201c mit zwei Jahren Versp\u00e4tung nun auch noch hierzulande erscheint. Wenn man schon nicht zum waschechten \u00d6ko mutieren m\u00f6chte, ertappt man sich zumindest dabei, dass man beim Lesen immer wieder ins Schmunzeln ger\u00e4t. Womit wir auch schon wieder am Ende w\u00e4ren f\u00fcr heute. Bis zum n\u00e4chsten \u201eAufgelesen\u201c.<span> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tino Hanekamps Roman \u201eSo was von da\u201c dreht sich um einen gewissen Oskar Wrobel, der einen Club am Rande der Reeperbahn betreibt. Alles scheint auf Party getrimmt, bis pl\u00f6tzlich eine Abrissbirne den gro\u00dfen Traum vom Gl\u00fcck in Schutt und Asche legen will. 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