{"id":6992,"date":"2011-04-01T09:56:25","date_gmt":"2011-04-01T08:56:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=6992"},"modified":"2011-04-01T09:56:52","modified_gmt":"2011-04-01T08:56:52","slug":"aufgelesen-vol-5-ich-bereue-schon-wieder-dass-ich-statt-diesem-priestertypen-nicht-tarantino-gekillt-habe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=6992","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. 5 &#8211; &#8222;ich bereue schon wieder, dass ich statt diesem priestertypen nicht tarantino gekillt habe&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6993\" title=\"isaac-marion\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/isaac-marion.jpg\" alt=\"isaac-marion\" width=\"250\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/isaac-marion.jpg 303w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/isaac-marion-181x300.jpg 181w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/>Kann das gut gehen? Eine Zombie-Liebesgeschichte? Es kann\u2026 Jedenfalls dann, wenn <strong>Isaac Marion<\/strong> zum Schreibblock greift und all das, was an Zombies so furcht-erregend ist, mit einer geh\u00f6rigen Portion Ironie kontert. Schon allein wie dieser Text hier los legt\u2026 ein Genuss: \u201eIch bin tot, aber es ist nicht so schlimm. Ich habe gelernt, damit zu leben&#8230;\u201c Treffender kann man das Gef\u00fchl zum Untoten zu mutieren wohl nicht in Worte fassen. \u201eMein fahler Freund\u201c strotzt nur so vor solchen Passagen. Der Roman ist mit einer L\u00e4ssigkeit und \u201eBissigkeit\u201c getextet, dass man schon nach wenigen Seiten an seinen Lippen klebt. Sp\u00e4testens aber, wenn sich unser Zombie \u201eR\u201c (der so hei\u00dft, weil er sich nach seinem Ableben nur noch an den Anfangsbuchstaben seines Namens erinnern kann) bei der Nahrungssuche auf Julie trifft, deren Freund er mal eben beiseite geschafft hat, indem er ihm das Hirn raus geschl\u00fcrft hat, sp\u00e4testens dann ist man ergriffen von dieser Zombie-Dram\u00f6die, <span style=\"color: #262626;\"><!--more--><\/span>die so viel Charme ausstrahlt, dass all die Vampirromane der Gegenwart ziemlich fahl dagegen aussehen. Der Clou an diesem Buch ist: Als \u201eR\u201c Julies Freund verspeist, hat er sich versehentlich auch die Gef\u00fchle f\u00fcr dessen Herzallerliebste einverleibt, also muss sie fortan vor dem Rest der mordenden Horde besch\u00fctzt werden. Deshalb versucht er sie ins Stadion der Stadt zu schaffen, wo die letzten \u00dcberlebenden der Epidemie von besseren Zeiten tr\u00e4umen. Immer mehr verschwimmen die Grenzen zwischen dem, was \u201eR\u201cs Trieb im r\u00e4t und seinem Herzklopfen in Bezug auf Julie. Ganz nebenbei stellt der Autor in seinem Roman auch die Existenzfrage, was diesem Horror-Schinken noch dazu eine anspruchsvolle Note verleiht. Wer also auf gehobene Literatur mit einem Faible f\u00fcr Absurdit\u00e4ten steht, der sollte unbedingt mal reinschnuppern. Es lohnt sich.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6994\" title=\"hal\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/hal.jpg\" alt=\"hal\" width=\"297\" height=\"445\" \/>\u201eZehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen\u201c hat nicht nur das Zeug zum Buchtitel des Jahres, es ist auch ein am\u00fcsanter Rundumschlag in Sachen Identit\u00e4tsfindung. Die Story ist auf den ersten Blick genauso absurd, wie der Buchtitel: ein Auftragskiller soll nach 66 T\u00f6tungsdelikten verhaftet werden (leider Gottes war der 66te ein FBI-Agent), also begeht er einen Mord, um in die Identit\u00e4t eines Anderen zu schl\u00fcpfen. Bl\u00f6d nur, dass es sich dabei ausgerechnet um einen Fernsehprediger handelt, der auf dem Weg nach Island ist. Dort ist es nicht nur eiskalt, Protagonist Toxic muss sich als Reinkarnation von \u201eFather Friendly\u201c auch mit zahlreichen Anwohnern auseinander setzen, die komischerweise allesamt seine N\u00e4he suchen oder ihn erstmal rigoros ablehnen. <strong>Hallgr\u00edmur Helgason<\/strong> erschafft mit \u201eZehn Tipps\u2026\u201c einen Gesellschaftsroman, der einerseits nur so strotzt vor pechschwarzem Humor, was immer wieder f\u00fcr Lachkr\u00e4mpfe beim Leser sorgt, wenn er zum Beispiel dar\u00fcber nachdenkt, ein Bestattungsunternehmen zu kaufen, um an seinen Morden noch mal zus\u00e4tzlich zu verdienen. \u00dcberhaupt ist die knochentrockene, pragmatische Art, mit der der Killer hier vorgeht ein gefundenes Fressen f\u00fcr alle, die sich auch gerne die TV-Serie \u201eDexter\u201c zu Gem\u00fcte f\u00fchren. Da verzeiht man gegen Ende auch, dass die Story mit zunehmender Dauer immer abstruser und unglaubw\u00fcrdiger anmutet. \u201eZehn Tipps\u2026\u201c ist vor allem ein schreiend komisches, immer \u00fcberhebliches, bisweilen vorurteilsbehaftetes, ziemlich kompromissloses Werk. Da bleibt dem Leser nur eins, hemmungslos loslachen oder emp\u00f6rt abwinken. Ich entscheide mich f\u00fcr Ersteres.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6995\" title=\"richard-price\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/richard-price.jpg\" alt=\"richard-price\" width=\"463\" height=\"708\" \/>An \u201eCash\u201c von <strong>Richard Price<\/strong> habe ich mir zugegeber Ma\u00dfen ziemlich die Z\u00e4hne ausgebissen. Die zahlreichen Dialoge des W\u00e4lzers konnten schon mal f\u00fcr<span> <\/span>Verwirrung sorgen, wenn man als Leser nicht einen gewissen Wissensschatz bez\u00fcglich der Thematik mitbrachte. Umso neugieriger war ich auf den Nachfolgeroman (bzw. Vorg\u00e4ngerroman, die Originalausgabe stammt aus dem Jahr 1992 und ist bereits mit Harvey Keitel in der Hauptrolle von niemand Geringerem als Spike Lee verfilmt worden), der nun unter dem Namen \u201eClockers\u201c erscheint. Das Buch thematisiert die Geschichte um die Drogen und wie sie an den Endverbraucher gelangen. Angesiedelt in einer amerikanischen Metropole ist der Roman ein gefundenes Fressen f\u00fcr alle, die sich schon \u00f6fter gefragt haben, warum die hervorragende Serie \u201eThe Wire\u201c (an der auch der Autor mitarbeitete) eigentlich schon nach f\u00fcnf Staffeln wieder einget\u00fctet wurde. Im Grunde genommen dreht sich das Buch dabei um einen gewissen Strike, der im Verdacht steht, einen Mord begangen zu haben. Das wurde ihm wiederum auch so aufgetragen, allerdings bekommt er dann Gewissensbisse, was ihn aber keineswegs aus der Schusslinie der ermittelnden Beamten fegt. Der Roman begibt sich diesbez\u00fcglich auf Spurensuche nach dem T\u00e4ter und arbeitet sich fortw\u00e4hrend daran ab, zu erl\u00e4utern, wie der Drogenverkauf in einer gro\u00dfen Stadt organisiert ist. Gespickt mit zahlreichen Anekdoten aus dem echten Leben gelingt es Price seinen Lesern schonungslos vor Augen zu f\u00fchren, wie schwierig es ist, wieder aus dem Schlamm zu kriechen, wenn man erstmal in den Drogensumpf rein gerutscht ist. \u201eStrike sah auf die andere Stra\u00dfenseite und suchte nach einer Art Zufluchtsst\u00e4tte, einem dunklen Ort, um sich f\u00fcr eine Minute hinzusetzen, damit er sich wieder fassen konnte.\u201c Ob es ihm gelingt, das solltest du am Besten selbst herausfinden. Es lohnt sich.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6996\" title=\"karin\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/karin.jpg\" alt=\"karin\" width=\"208\" height=\"325\" \/>Wer derweil auf Schafskrimis und sonstige sympathische Absurdit\u00e4ten abf\u00e4hrt, der sollte sich mal das aktuelle Buch von <strong>Karin Bergrath<\/strong> reinziehen. \u201eTod im Anflug\u201c ist n\u00e4mlich der neuste Beitrag zum Thema \u201etierische Ermittler\u201c. In dem G\u00e4nsekrimi macht sich G\u00e4nserich Tom auf, die beiden Kommissare Rainers und Hump bei ihren Ermittlungen zu unterst\u00fctzen. Ihm geht es dabei vorwiegend um einen toten Reiher namens Neptunus, der eines Morgens mit breit ge\u00f6ffnetem Schnabel und Loch in der Brust auf einen Campingplatz gefunden wird. Da ist es nat\u00fcrlich nicht schlecht, dass Grauganter Tom sich in der Vergangenheit einige CSI-Folgen zu Gem\u00fcte gef\u00fchrt hat, weshalb er sich selbst mal auf Spurensuche begibt. Er schnappt sich also seinen Assistenten Rio und dann geht\u2019s los: \u201eDer Tod kommt auf leisen Fl\u00fcgeln\u2026\u201c und g\u00e4be es ihn nicht, h\u00e4tten die beiden Protagonisten weiter lustig am Seeufer herumpaddeln k\u00f6nnen und sich die Neuigkeiten der \u201eZeitungsenten\u201c (ja, die gibt\u2019s hier wirklich) reinziehen k\u00f6nnen. Die Geschichte ist schmissig getextet und liest sich in einem Rutsch durch. Die Verd\u00e4chtigen werden nahezu im Kapiteltakt durchdekliniert und es entspinnt sich ein geschickt gestrickter Mitratekrimi, der f\u00fcr ein kurzweiliges Lesevergn\u00fcgen sorgt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Karin Bergrath liefert mit \u201eTod im Anflug\u201c routinierte Unterhaltung.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6997\" title=\"stefan\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/stefan.jpg\" alt=\"stefan\" width=\"281\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/stefan.jpg 281w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/stefan-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 281px) 100vw, 281px\" \/>In \u201eHemmersmoor\u201c dreht sich derweil alles um die Abgr\u00fcnde unseres menschlichen Daseins. Der Schauerroman setzt sich mit vier jungen Menschen auseinander, die in einem verschlafenen Nest aufwachsen, in welchem sich die Menschen noch intensiv mit ihrem Aberglauben auseinandersetzen. <strong>Stefan Kiesbye<\/strong> hat einen schaurigen Roman erschaffen, der sich leider vorwiegend an den grausamen Aspekten unseres Daseins abarbeitet. Dadurch vergibt der Sch\u00f6pfer die Chance, seinen Figuren genug Tiefe (= Leben) einzuhauchen, weshalb ihr (m\u00f6gliches) Ableben auch nicht wirklich f\u00fcr Angst und Schrecken beim Leser sorgt. \u201eHemmersmoor\u201c ist ein Roman f\u00fcr jene, die m\u00f6glichst viele Schauergeschichten in einem Buch versammelt wissen m\u00f6chten. In einer Umgebung der Angst sind die Kids umgeben von Lynchm\u00f6rdern, Feuerteufeln, Vergewaltigern und Kindsm\u00f6rdern. Das Spiel mit der Angst wird dadurch auf die Spitze getrieben, dass man sich anfangs sehr schwer tut, einen roten Faden im teuflischen Treiben zu entdecken. Nach einem Prolog, der sich in der Gegenwart ansiedelt, werden wir in die 50er Jahre zur\u00fcckgespult und landen in einem alten norddeutschen \u00d6rtchen. Die Au\u00dfenwelt scheint in Hemmersmoor keine wirklich gro\u00dfe Rolle zu spielen. Jedenfalls wird sie in dem Buch nahezu vollkommen ausgespart. Das schafft Beklemmung. Der Roman ist dadurch nicht unbedingt leicht zu verdauen, wer sich aber durchk\u00e4mpft und sich von den diversen Ich-Erz\u00e4hlern (die noch einmal zus\u00e4tzlich f\u00fcr Verwirrung sorgen) nicht abschrecken l\u00e4sst, wird mit einem Dorf-Krimi der Marke \u201eTann\u00f6d\u201c belohnt, der auf \u00fcbersinnliche Momente weitestgehend verzichtet, das Irdische aber \u00fcber 207 Seiten nur umso drastischer inszeniert. Womit wir auch schon wieder am Ende w\u00e4ren f\u00fcr heute. Also viel Spa\u00df beim Schm\u00f6kern. Wir \u201elesen\u201c uns.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kann das gut gehen? Eine Zombie-Liebesgeschichte? 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