{"id":7111,"date":"2011-04-21T10:27:11","date_gmt":"2011-04-21T09:27:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=7111"},"modified":"2011-04-21T11:37:39","modified_gmt":"2011-04-21T10:37:39","slug":"strichcode-vol-8-die-groste-macht-im-demokratischen-zeitalter-ist-diejenige-die-sich-der-offentlichen-diskussion-entziehen-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=7111","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. 8 &#8211; &#8222;die gr\u00f6\u00dfte macht im demokratischen zeitalter ist diejenige, die sich der \u00f6ffentlichen diskussion entziehen kann&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7112\" title=\"sacha\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/sacha.jpg\" alt=\"sacha\" width=\"250\" height=\"389\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/sacha.jpg 446w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/sacha-192x300.jpg 192w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/>Sacha Sperling<\/strong> wird ja in diesen Tagen gerne auf eine Stufe mit Helene Hegemann gestellt, wenn es darum geht, den Exzess auf Papier zu \u00fcberf\u00fchren. Dabei ist sein Roman \u201eIch dich auch nicht\u201c dem Schm\u00f6ker von Hegemann schon deshalb eine Nasenl\u00e4nge voraus, weil der Autor in dem Roman nicht immer wieder den Faden verliert Schr\u00e4gstrich die Geschichte ins Leere laufen l\u00e4sst. W\u00e4hrend Hegemann ihr Buch zunehmend mit Passagen durchsetzt, die das Voranschreiten der Handlung zu hemmen scheinen, macht sich Sperling ziel gerichtet daran, den Protagonisten seines Buches mit sich selbst zu konfrontieren. W\u00e4hrend er n\u00e4mlich Wodka klaut und M\u00e4dchen flachlegt, muss er sich zunehmend damit auseinander setzen, dass er sich unweigerlich in Augustin verliebt. Einen charismatischen Kerl, mit dem er seinen Exzessen fr\u00f6nt. <span style=\"color: #262626;\"><!--more--><\/span>Bemerkenswert ist der Sprachstil des Buches, der immer wieder ins Poetische gleitet: \u201eDie ersten Schultage sind eine Serie verschwommener, trostloser Bilder, wie verwackelte, hastig geschossene Fotos\u201c. Durch Zeilen wie diese macht der Autor deutlich, wie hoffnungslos verloren sich Menschen eigentlich f\u00fchlen m\u00fcssen, wenn sie irgendwann feststellen, dass die Anreize, die das System ihnen liefert, f\u00fcr sie selbst keine Bedeutung haben. Sehen sich eben diese Menschen dann mit einer Situation konfrontiert, welche sie pers\u00f6nlich \u00fcberfordert, bietet das System keinen Halt mehr. Sie entfremden sich von all dem, was sie umgibt. Sie sehnen sich nach etwas, mit dem sie das Gef\u00fchl \u00fcberdecken k\u00f6nnen. Sie beginnen zu fliehen: vor sich selbst, vor ihren Gef\u00fchlen, vor der Welt. Weil sie nie etwas anderes gelernt haben. Weil sie noch nicht bereit sind, sich mit der Fragestellung zu konfrontieren, deren Antwort sie bereits zu kennen glauben. \u201eIch dich auch nicht\u201c wirft die Frage auf, was schlimmer ist: das Unvollendete auszukosten oder die Konsequenzen zu ertragen. Wie sich der Hauptdarsteller letztlich entscheidet? Hier lohnt es sich, das selbst herauszufinden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-7113\" title=\"lohmann\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/lohmann-181x300.jpg\" alt=\"lohmann\" width=\"181\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/lohmann-181x300.jpg 181w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/lohmann.jpg 303w\" sizes=\"auto, (max-width: 181px) 100vw, 181px\" \/>Wer sich derweil schon immer mal gefragt hat, wie sich das wohl auf die eigene Psyche auswirken w\u00fcrde, einige Wochen in einer Klapsm\u00fchle zu verbringen, der sollte sich mal an den aktuellen Roman von <strong>Eva Lohrmann <\/strong>heranwagen. In \u201eAcht Wochen verr\u00fcckt\u201c schl\u00e4gt sich unsere Romanheldin zwei Monate mit allerhand Wahnsinn herum und sieht sich in diesem Zusammenhang auch zunehmend mit ihren eigenen D\u00e4monen konfrontiert. Das Buch gleicht einem Selbstfindungstrip, wobei die ironische, sehr distanzierte, aber \u00fcber weite Strecken auch witzige Art der Autorin, das schwierige Thema \u201eDepression\u201c aufzugreifen, durchaus f\u00fcr die eine oder andere Grinsebacke beim Leser sorgen sollte. Nachdem Mila sich zunehmend mit ihrem Job \u00fcberfordert f\u00fchlt, bricht sie irgendwann zusammen und l\u00e4sst sich einliefern. Im Rahmen der Therapie lernt sie schlie\u00dflich, mit sich selbst ins Reine zu kommen. Sie sieht sich mit ihren S\u00fcchten und \u00c4ngsten konfrontiert, die von Tablettesucht bis hin zu Verlust\u00e4ngsten reichen. Die Autorin orientiert sich dabei streng am Klinikalltag, was dazu beitr\u00e4gt, dass die Geschichte niemals unrealistisch anmutet. Am Ende stellt sich dann nicht nur f\u00fcr Mila, sondern auch f\u00fcr den Leser die Frage: Soll ich jetzt die Bremse ziehen oder weiter machen wie bisher? Wie er\/sie sich entscheidet? Am Besten du liest selber mal nach.<span> <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-large wp-image-7114\" title=\"Layout 1\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/henning-ritter-646x1024.jpg\" alt=\"Layout 1\" width=\"463\" height=\"734\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/henning-ritter-646x1024.jpg 646w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/henning-ritter-189x300.jpg 189w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/henning-ritter.jpg 1194w\" sizes=\"auto, (max-width: 463px) 100vw, 463px\" \/>Der Preis der Leipziger Buchmesse ging in diesen Jahr an ein ganz besonderes Werk. \u201eNotizhefte\u201c von <strong>Henning Ritter<\/strong> ist genau genommen kein Roman, das Buch ist eine Textsammlung, die sich daran macht, die Gedanken von Rousseau, Darwin und vielen anderen unter den unterschiedlichsten Gesichtspunkten zu betrachten. Dabei steckt das Werk voller Widerspr\u00fcche. Der Autor will seine Leser dazu anregen, sich selbst mit den zahllosen Thesen und Gedanken auseinander zu setzen. Was an diesem Buch allerdings wirklich bemerkenswert ist, ist die lockere Art und Weise, mit welcher auch die schwierigsten Denkans\u00e4tze abgehandelt werden. Das hat sicher auch damit zu tun, dass viele in diesem Buch hier \u00fcberhaupt nicht ver\u00f6ffentlicht werden sollte. Man muss sich diesen Roman in etwa als Roundtable vorstellen, an der sich die gr\u00f6\u00dften Denker der vergangenen Jahrhunderte zum Schlagabtausch verabreden. Henning Ritter versteht sich in diesem Zusammenhang vor allem als Moderator, als derjenige, der versucht das Gesagte zu b\u00fcndeln und es seinem Publikum vor den Latz zu knallen. Dass er sich dabei nicht verheddert, ist eine literarische Gro\u00dftat und d\u00fcrfte auch der langj\u00e4hrigen Arbeit des Autors f\u00fcr eine gro\u00dfe deutsche Tageszeitung geschuldet sein. Es sind 25 Jahre Arbeit, die in diesem Werk stecken. All das f\u00fchrt zu S\u00e4tzen wie \u201eDie Neigung zu Prognosen h\u00e4ngt mit einer Wahrnehmungsschw\u00e4che gegen\u00fcber der Wirklichkeit zusammen\u201c. Wenn mich also meine Wahrnehmungsschw\u00e4che nicht t\u00e4uscht, wird man \u00fcber die \u201eNotizhefte\u201c noch in 25 Jahren diskutieren. Einfach gro\u00dfartig, dieses Buch.<span> <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7115\" title=\"heinz-strunk-in-afrika-30789361\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/heinz-strunk-in-afrika-30789361.jpeg\" alt=\"heinz-strunk-in-afrika-30789361\" width=\"254\" height=\"415\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/heinz-strunk-in-afrika-30789361.jpeg 291w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/heinz-strunk-in-afrika-30789361-183x300.jpg 183w\" sizes=\"auto, (max-width: 254px) 100vw, 254px\" \/>Der Name <strong>Heinz Strunk,<\/strong> seines Zeichens Autor, Entertainer, Musiker, und Politiker (in alphabetischer Reihenfolge) d\u00fcrfte dem jung gebliebenen Leser durch seine Romane \u201eFleisch ist mein Gem\u00fcse\u201c (wurde 2005 verfilmt) und \u201eFleckenteufel\u201c bereits bekannt sein. Dem (hanseatischen) Radioh\u00f6rer ist er m\u00f6glicherweise durch seine Auftritte mit der Telefon-Comedy-Crew \u201eStudio Braun\u201c aufgefallen. In seinem aktuellen Roman \u201eIn Afrika\u201c schreibt er \u00fcber eine weihnachtliche Kenia-Reise der beiden Kumpels H. und C \u2013 zeitgleich zu den dortigen Pr\u00e4sidentschaftswahlen. Ziel des Urlaubs ist nicht das Abenteuer an sich, sondern die Suche nach der Langeweile, was einen immer gleichen Tagesablauf voraus setzt: Struktur-gebend ist dabei lediglich die Einnahme von Mahlzeiten. Nach einigen Tagen r\u00fccken die beiden ihrem Ziel bereits n\u00e4her, die Poolbars beginnen zu langweilen und auch die Casinos geben nicht mehr viel her. Die Beiden entschlie\u00dfen sich deshalb nach Mombasa zu fahren. Durch die dortigen Unruhen nach einer (angeblich) <span> <\/span>gef\u00e4lschten Wahl verliert sich das Duo f\u00fcr kurze Zeit aus den Augen, C. schafft es dann aber doch wieder ins Hotel zur\u00fcck. F\u00fcr \u201eeingefleischte\u201c Heinz Strunk-Fans ist \u201eIn Afrika\u201c auf jeden Fall ein Muss. Dem Freund von \u201ejunger Kultur\u201c \u2013 trotz des Jahrgangs 1962 des Autors \u2013 d\u00fcrfte wohl eher die Lesung zu empfehlen sein. Die eigenwillige Betonung und der sich daraus entwickelnde Wortwitz von Herrn Strunk geht in Schriftform leider etwas verloren. (K. Reschke)<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7116\" title=\"schutte\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/schutte.jpg\" alt=\"schutte\" width=\"220\" height=\"360\" \/>Alle Fans vom \u201eBoss\u201c d\u00fcrfen sich derweil \u00fcber eine am\u00fcsante Geschichte zum Thema Heiraten freuen. Tom ist n\u00e4mlich nicht nur gro\u00dfer Springsteen-Fan, er steht auch vor der gro\u00dfen Frage, ob er sein weiteres Leben mit einer bestimmten Frau verbringen soll. Er kommt zunehmend ins Gr\u00fcbeln, ob seine Herzallerliebste ihn auch wirklich zum Mann haben will? Hat Selbstzweifel, Existenz\u00e4ngste, das volle Programm. Und weil ihm die Songs von Springsteen (die sonst ja f\u00fcr jede Lebenslage die passende L\u00f6sung in petto haben) in diesem Zusammenhang keine zufrieden stellende Antwort liefern, macht er sich einfach auf den Weg, Bruce Springsteen h\u00f6chstpers\u00f6nlich mit seinen Fragen l\u00f6chern. \u201eWas w\u00fcrde der Boss tun?\u201c ist ein hoffnungslos romantisches Buch \u00fcber die Liebe (zur Musik). <strong>Dominik Sch\u00fctte<\/strong> schickt seinen Protagonisten auf Selbstfindungstrip und textet dabei so locker flockig drauf los, wie man es von seinen Artikel f\u00fcr das \u201eNeon\u201c-Magazin bereits gewohnt ist. Es entsteht ein liebensw\u00fcrdiger, bisweilen witziger M\u00e4nner-Roman, der nicht nur die innige Liebe zur Rockmusik skizziert, sondern auch zahlreiche Ratschl\u00e4ge f\u00fcrs Leben mitliefert. Dominik Sch\u00fctte ist ein \u00e4u\u00dferst gelungenes Gedankenexperiment im Stil von \u201eHigh Fidelity\u201c gelungen. Nicht nur f\u00fcr Springsteen-Fans interessant. Und damit Schluss f\u00fcr heute. Wir w\u00fcnschen allen Lesern eine Frohe Osterei-Sucherei.<span> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sacha Sperling wird ja in diesen Tagen gerne auf eine Stufe mit Helene Hegemann gestellt, wenn es darum geht, den Exzess auf Papier zu \u00fcberf\u00fchren. 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