{"id":7156,"date":"2011-04-30T14:33:35","date_gmt":"2011-04-30T13:33:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=7156"},"modified":"2011-04-30T14:33:58","modified_gmt":"2011-04-30T13:33:58","slug":"aufgelesen-vol-9-es-war-dunkel-und-es-ging-ihm-gut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=7156","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. 9 &#8211; &#8222;es war dunkel, und es ging ihm gut&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7157\" title=\"philipp-meyer\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/philipp-meyer.jpg\" alt=\"philipp-meyer\" width=\"250\" height=\"398\" \/>Die Sache mit dem Provinzkaff, das es hinter sich zu lassen gilt, die wurde ja schon vielfach durchdekliniert. Umso bemerkenswerter ist es, dass sich <strong>Philipp Meyer<\/strong> an seinem Roman \u201eRost\u201c nicht verhebt \/ die Story nicht ins Klischeehafte abdriftet. Sein Werk dreht sich um einen gewissen Isaac, der eine Luftver\u00e4nderung ben\u00f6tigt, nachdem seine Mutter Selbstmord begangen hat. Isaac m\u00f6chte daraufhin nicht weiter unter dem Regime seines tyrannischen Vaters leben. Er schnappt sich also seinen besten Kumpel Poe und packt zusammen, raus aus der Perspektivlosigkeit \/ rein ins Leben. Leider entwickelt sich seine Reise etwas anders als erwartet. Ein Mord geschieht, versehentlich, aber was passiert ist, kann nicht mehr r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden. Man schl\u00e4gt sich also weiter durch. Doch Poe wird gefasst. <span style=\"color: #262626;\"><!--more--><\/span>Und Isaac befindet sich pl\u00f6tzlich auf der Flucht. Seine Suche nach dem Gl\u00fcck wird immer mehr zum hoffnungslosen Unterfangen, schlie\u00dflich muss er damit leben, dass sein Freund (f\u00fcr Isaacs Mord) im Knast landen wird. In Bezug auf seine Story ist \u201eRost\u201c dabei, wie schon gesagt, eher konventionell gestrickt, der Autor nimmt damit aber (unabsichtlich) direkten Bezug auf das allt\u00e4gliche Leben hierzulande. Wenn n\u00e4mlich die Industrie aus eher mittelgro\u00dfen Orten verschwindet, dann hinterl\u00e4sst sie oft ein Tr\u00fcmmerfeld. Alles droht zu verrotten. Das Leben ger\u00e4t aus dem Tritt. Die Gegend vereinsamt und der \u201eRost\u201c ist das Sinnbild dieses Niedergangs. So ist Isaacs Flucht im \u00fcbertragenen Sinne auch eine Folge der Perspektivlosigkeit, die ihn in seiner Heimatstadt erwartet. Eben deshalb r\u00fcttelt \u201eRost\u201c an einem. Und punktet noch dazu mit einer spannenden Coming Of Age-Geschichte der Marke Salinger, die all die Trostlosigkeit treffend in Szene setzt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7158\" title=\"graham-greene-mensch\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/graham-greene-mensch.jpg\" alt=\"graham-greene-mensch\" width=\"280\" height=\"446\" \/><strong>Graham Greene<\/strong>s Romane erstrahlen derweil durch den Erfolg des Kinofilms zu \u201eBrighton Rock\u201c auch hierzulande noch einmal im neuen Glanz. In diesen Tagen wurde zum Beispiel das grandiose Machwerk \u201eDer menschliche Faktor\u201c im dtv-Verlag neu ver\u00f6ffentlicht. Die Geschichte dreht sich ums Spionieren, wobei hier nat\u00fcrlich auch die Liebe ihre Finger im Spiel hat. Der britische Agent Maurice Castle entschlie\u00dft sich vor allem deshalb, sein als \u201egeheim\u201c deklariertes Wissen an den sowjetischen Geheimdienst weiterzugeben, weil seiner gro\u00dfen Liebe ein kommunistischer Bekannter bei der Flucht nach England geholfen hat. Kurz nachdem der Geheimdienst allerdings spitz gekriegt hat, dass einer ihrer Agenten der Spionage verd\u00e4chtig ist, muss sein Kollege Davis den Preis daf\u00fcr zahlen. Doch auch Mister Castle ist dadurch keineswegs aus dem Schneider. Er soll der Gegenseite noch einen letzten Dienst erweisen. Ob das gut geht? Am Besten du findest es selbst heraus. Dieses Geflecht aus Intrigen macht deutlich, dass sich das Menschliche niemals eliminieren l\u00e4sst. Es bleibt immer ein Restrisiko, ganz gleich wie sicher wir uns auch f\u00fchlen. Dass das gut so ist, ist keine Frage. Graham Greene f\u00fchrt es uns in seinem Roman deshalb noch einmal mit ironisch-gewitzten, bisweilen auch ersch\u00fctternden Passagen vor Augen. Ein gro\u00dfartiges Werk.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7159\" title=\"tim-davys\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/tim-davys.jpg\" alt=\"tim-davys\" width=\"170\" height=\"269\" \/>In \u201eAmberville\u201c dreht sich derweil alles um Stofftiere. Das Buch von <strong>Tim Davys<\/strong> (der Name ist ein Pseudonym, wer dahinter steckt, konnte bisher leider noch nicht gekl\u00e4rt werden, es ist lediglich klar, dass es sich um einen schwedischen Autor \/ eine schwedische Autorin handelt) ist ein gefundenes Fressen f\u00fcr alle Schafskrimi-Freunde, handelt es sich doch im Grunde genommen um einen Kriminalroman, der lediglich im Kontext einer fiktiven Stofftier-Gesellschaft angelegt worden ist. Jedenfalls dreht sich das Buch um die Suche nach einer Todesliste, die ein gewisser Eric (B\u00e4r) f\u00fcr den Casino-Kopf Nicholas (Taube) auftreiben soll. Der B\u00e4r (der im Buch<span> <\/span>ein Spie\u00dferdasein als Werbe-Angestellter fristet und mit einem Kaninchen verheiratet ist) begibt sich also mit drei seiner Kumpels auf die Suche. Zusammen haben sie das Ziel vor Augen, diesen omin\u00f6sen Wisch zu finden, der die n\u00e4chstm\u00f6glichen Anw\u00e4rter f\u00fcr den \u201eFriedhof der Kuscheltiere\u201c beinhaltet. Dabei orientiert sich Davys am klassischen Kriminalroman. Soll hei\u00dfen: alle sind verd\u00e4chtig, was \u201eAmberville\u201c zum gelungenen Mitrate-Krimi macht, der die Spannung bis zum Ende aufrechterh\u00e4lt. Noch dazu zeichnet sich Davys Werk durch ein hohes Ma\u00df an Gesellschaftskritik aus. So nutzt er die Stofftiergesellschaft, um auch mal auf Missst\u00e4nde hinzuweisen, die in der realen Welt nicht zufrieden stellend bew\u00e4ltig wurden (unter anderem einen Vorort in Form einer M\u00fcllhalde f\u00fcr Stofftiere mit Fabrikationsfehler am Stadtrand). Alles in allem also ein \u00e4u\u00dferst gelungenes \u201eDeb\u00fct\u201c eines Autors, dessen literarische Maskierung am Ende auch noch dazu einl\u00e4dt, sich den Kopf zu zerbrechen, wer denn nun wirklich hinter dem Geschriebenen stecken k\u00f6nnte.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7160\" title=\"dennis-gastmann\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/dennis-gastmann.jpg\" alt=\"dennis-gastmann\" width=\"190\" height=\"311\" \/><strong>Dennis Gastmann<\/strong> k\u00e4mpft sich derweil in seinem gleichnamigen Roman \u201eMit 80.000 Fragen um die Welt\u201c. Im Stil von Borat spielt er den Idioten, um auf diese Weise den Ku-Klux-Klan-Boss nach seinen schwarzen Freunden oder einen Swingerclub-Besitzer \u00fcber sein Verh\u00e4ltnis zu Paris und \u00fcber die Liebe auszuquetschen. Der Autor tritt ganz bewusst in alle nur erdenklichen Fettn\u00e4pfchen, um eine Diskussion anzusto\u00dfen. Das Artwork des Buches ist dabei nicht ganz zuf\u00e4llig im Stil eines \u201eIndiana Jones\u201c-Streifens gestaltet, man merkt Dennis Gastmann an, dass er auf der Suche nach einem Abenteuer gewesen ist. In diesem Zusammenhang scheint ihm auch keine Frage zu bl\u00f6d zu sein. Mit seiner lockeren Schreibe sorgt er aber daf\u00fcr, dass sein Konzept \u00fcber 300 Seiten (zumindest weitestgehend) aufgeht. \u201eMit 80.000 Fragen um die Welt\u201c ist sehr humorvoll und selbstironisch getextet, zudem erf\u00e4hrt man interessante Dinge \u00fcber solch exotische Eskapaden wie das Erwerben eines \u201eElefantenf\u00fchrerscheins\u201c. Wer sich also mal wieder auf literarische Abenteuerreise begeben m\u00f6chte oder noch eine unterhaltsame Lekt\u00fcre f\u00fcr die n\u00e4chsten Ferien sucht, darf gerne mal reinschnuppern. Er wird sehr viel Freude mit diesem Weltenbummler-Roman haben. Und ganz nebenbei auch das eine oder andere Klischee widerlegt bekommen.<span> <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7161\" title=\"andi-rogenhagen\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/andi-rogenhagen.jpg\" alt=\"andi-rogenhagen\" width=\"264\" height=\"420\" \/>Der Fotograf und Filmdesigner <strong>Andi Rogenhagen<\/strong> macht sich derweil daran, das Leben eines durchschnittlichen Akademikerkindes zu durchleuchten, das wegen einiger Schw\u00e4chen im Fach \u201eFranz\u00f6sisch\u201c eine unbeabsichtigte Ehrenrunde in der Schule absolvieren darf. Die Schuld tr\u00e4gt in diesem Zusammenhang nat\u00fcrlich (wie immer) der Lehrer, der im Unterricht nur Geschichten von seinem Gro\u00dfvater und einem omin\u00f6sen Denkmal aus seiner Heimatstadt erz\u00e4hlt, was nat\u00fcrlich dazu f\u00fchren musste, dass Philipp (seiner eigenen bescheidenen Meinung nach) das Klassenziel gar nicht erst erreichen konnte, genauso wie sein Kumpel Borawksi &#8211; zusammen schmieden sie also in ihrem jugendlichen Leichtsinn einen ausgefeilten Racheplan und machen sich mitsamt Soldatenkopf in die Heimatstadt des Lehrers auf, um dessen geliebtes Denkmal ein wenig umzugestalten. Der Autor umrei\u00dft in \u201eHeldensommer\u201c<span> <\/span>dabei vor allem die Reise der beiden Jungs durch die Provinz. Die rasante Erz\u00e4hlweise sorgt daf\u00fcr, dass einen der Roman sofort bei der Hand nimmt. Die humorvolle Schreibe Rogenhagens tut ihr \u00fcbriges, um die Geschehnisse m\u00f6glichst lebensnah zu skizzieren. Der Rest wiederum sollte klar sein. Die beiden Freunde ver\u00e4ndern sich durch die Reise. Ihr Weltbild wird auf den Kopf gestellt. Und am Ende sind die Beiden nicht mehr die Gleichen wie zuvor. Das alles hat sich Rogenhagen bei diversen Schm\u00f6kern der Marke \u201eTschick\u201c und \u201eF\u00e4nger im Roggen\u201c abgebauscht, er schafft es aber trotzdem seine Leser bis zum Ende bei der Stange zu halten. Womit wir dann auch schon wieder am Ende w\u00e4ren f\u00fcr heute. Also lasst es euch gut gehen. Bis zur n\u00e4chsten Leserunde.<span> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sache mit dem Provinzkaff, das es hinter sich zu lassen gilt, die wurde ja schon vielfach durchdekliniert. Umso bemerkenswerter ist es, dass sich Philipp Meyer an seinem Roman \u201eRost\u201c nicht verhebt \/ die Story nicht ins Klischeehafte abdriftet. 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