{"id":7437,"date":"2011-06-25T08:47:04","date_gmt":"2011-06-25T07:47:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=7437"},"modified":"2011-06-25T08:47:56","modified_gmt":"2011-06-25T07:47:56","slug":"aufgelesen-vol-12-all-diese-kreuzfahrten-umgibt-etwas-unertraglich-trauriges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=7437","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. 12 &#8211; &#8222;all diese kreuzfahrten umgibt etwas unertr\u00e4glich trauriges&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7438\" title=\"kullmann\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/kullmann.jpg\" alt=\"kullmann\" width=\"250\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/kullmann.jpg 264w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/kullmann-188x300.jpg 188w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/>All jene, die sich \u201eirgendwie dazwischen\u201c f\u00fchlen, sollten zum neuen Roman von <strong>Katja Kullmann<\/strong> greifen. Die beschreibt in \u201eEchtleben\u201c was passiert, wenn man irgendwann aufwacht und feststellt, dass die eigenen Ideale inzwischen vom Massenmarkt infiltriert wurden. Mit ihrem Buch m\u00f6chte sie letztlich herausfinde, \u201eWarum es heute so kompliziert ist, eine Haltung zu haben\u201c. Gleich zu Beginn versucht sie das Lebensgef\u00fchl einer ganzen (digitalen) Generation in eine Seite zu packen, was in einer grandiosen These gipfelt: \u201eWir versuchen, uns selbst und den anderen von der Wirklichkeit zu erz\u00e4hlen. Damit wir sie so vielleicht irgendwie zu fassen kriegen\u201c. Es dreht sich also alles um Sinnsuche und eben deshalb ist dieser Roman so bemerkenswert. <span style=\"color: #262626;\"><!--more--><\/span>Die rasante Lesegeschwindigkeit sorgt daf\u00fcr, dass man sich wie in einem Rausch durch die einzelnen Kapitel w\u00fchlt. Im Grunde genommen hat sie zwar auch kein Patentrezept daf\u00fcr, wie man es besser machen k\u00f6nnte, stattdessen aber allerhand zu meckern, was wiederum dazu f\u00fchrt, dass man als Leser aus dem Grinsen gar nicht mehr herauskommt. Die Autorin schert sich einen feuchten Dreck darum, ihre Leser zu belehren. Dieses Buch m\u00f6chte keine Tipps f\u00fcrs Leben mitgeben und bringt einen gerade deshalb ins Gr\u00fcbeln. Am Ende f\u00fchlt man sich seltsam befreit, obwohl man als Leser kein Deut kl\u00fcger ist als zuvor. Es wurde nur einfach mal ausgesprochen, was nervt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7439\" title=\"foster-wallace\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/foster-wallace.jpg\" alt=\"foster-wallace\" width=\"250\" height=\"357\" \/>Wer bisher noch nicht die Gelegenheit hatte, mit einem gro\u00dfen Kreuzfahrtschiff auf dem Meer herumzuschippern, sollte sich jetzt die neu aufgelegte Fassung von \u201eSchrecklich am\u00fcsant \u2013 Aber in Zukunft ohne mich\u201c von dem leider viel zu fr\u00fch verstorbenem Autor <strong>David Foster Wallace<\/strong> zu Gem\u00fcte f\u00fchren. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass der Autor lange unter Depressionen litt, auf jeden Fall ist der Roman eine einzige Abrechnung mit der schillernden Fassade, die wir uns gerne vor Augen f\u00fchren lassen, obwohl wir doch genau wissen, dass das alles mehr Schein als Sein ist. Foster Wallace entlarvt in seinem Roman das freundliche Getue an Bord des Dampfers als funktionales, gef\u00fchlskaltes Muster (oder Monster), das nur dazu generiert wurde, den Konsum an Bord zu f\u00f6rdern. Kein Wunder, dass er sich mit zunehmender Dauer immer mehr in seine Kabine verzieht. Gleichzeitig macht er deutlich, wie wir Menschen funktionieren. Als n\u00e4mlich pl\u00f6tzlich ein noch pr\u00e4chtigeres Schiff auftaucht, wird sogar so etwas wie Neid beim Protagonisten sp\u00fcrbar. Obwohl wir es eigentlich besser wissen m\u00fcssten, beginnen wir mit dem Lattenmessen. Dar\u00fcber hinaus nimmt er die routinierten Abl\u00e4ufe an Bord unter die Lupe. Wenn er zum Beispiel versucht eine Putzkraft dabei zu erwischen, wie sie sein Zimmer s\u00e4ubert (was immer nach einem festgesetzten Zeitraum geschieht), er es aber trotz minuti\u00f6ser Planung nicht schafft, Selbige auch nur ein einziges Mal in Aktion zu erleben, darf man schon mal ein bisschen paranoid werden. Es ist einfach nur \u201eschrecklich am\u00fcsant\u201c diesen Roman zu lesen. Noch dazu, weil die Neuauflage aus dem Hause \u201emare\u201c um ein imposantes Vorwort von Georg Dietz erweitert wurde. Darin findet sich unter anderem ein sehr aussagekr\u00e4ftiges Interview mit dem Autor, das bereits 2007 in der \u201eZeit\u201c erschienen ist und f\u00fcr sich allein genommen schon den Kauf rechtfertigen w\u00fcrde.<span> <\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7440\" title=\"o_neill_tony\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/o_neill_tony.jpg\" alt=\"o_neill_tony\" width=\"250\" height=\"378\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/o_neill_tony.jpg 250w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/o_neill_tony-198x300.jpg 198w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/>\u201eWillkommen in Sick City\u201c br\u00fcllt uns derweil der New Yorker Autor <strong>Tony O\u00b4Neill<\/strong> entgegen und wir halten nur zu gerne f\u00fcr einen Augenblick inne, um uns seinen gleichnamigen Schm\u00f6ker aus dem<span> <\/span>Hause \u201eWalde + Graf\u201c zu Gem\u00fcte zu f\u00fchren. In dritten Roman des \u201eDigging The Vein\u201c-Schreibers dreht sich alles um zwei abgedreht Junkies, die ein altes Sextape in die Finger kriegen, auf dem Sharon Tate eine wilde Orgie veranstaltet. Selbiges will nat\u00fcrlich zu Geld gemacht werden. Womit wir auch schon mittendrin w\u00e4ren in diesem famosen Pop Art-Ballerspiel, das sich als Buch maskiert. Mit freundlicher Unterst\u00fctzung des Typografen <strong>Michel Casarramona<\/strong> macht sich der Autor daran, einen famosen Cocktail aus Pulp- und Comic-Kunst zusammenzubasteln. Die h\u00fcbschen Bildchen sorgen f\u00fcr Abwechslung und lassen die sowieso schon kurzweilig getexteten Zeilen noch eine Spur hurtiger an den Augen der Leserschaft vorbeizischen. Fans von \u201eKill Your Friends\u201c d\u00fcrften dabei<span> <\/span>aufgrund der expliziten Wortwahl des Autors genauso auf ihre Kosten kommen, wie Anh\u00e4nger des Fr\u00fchwerks von Quentin Tarantino. Hat man sich nach einigen Seiten dann erst einmal auf diesen verspulten Drogenrausch in Textform eingelassen, kommt man vor dem grandiosen Finale nicht mehr aus der Sache raus. Wobei eigentlich schon das elegante Artwork allein den Kauf dieses Romans rechtfertigen w\u00fcrde. Ich habe jedenfalls lange kein Buch mehr gesehen, wo Inhalt und Verpackung so eine perfekte Melange miteinander eingehen.<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7441\" title=\"ross\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/ross.jpg\" alt=\"ross\" width=\"250\" height=\"416\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/ross.jpg 300w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/ross-180x300.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/>Adam Ross<\/strong> hat man hierzulande noch nicht unbedingt auf dem Zettel, wenn es um massentaugliche und gleichzeitig anspruchsvolle Literatur geht. Mit seinem aktuellen Roman \u201eMister Peanut\u201c k\u00f6nnte sich das \u00e4ndern. Die Geschichte dreht sich um den Tod einer gewissen Alice. Ihr Mann David steht im Verdacht, sie ermordet zu haben. Im Grunde genommen gelingt Ross mit seinem Roman eine literarische Verbeugung vor Altmeister Alfred Hitchcock. Immer wieder f\u00fchrt er seine Leser an der Nase herum, indem er im Rahmen des Verh\u00f6rs zwei Kriminalbeamte die Facetten der komplexen Ehe von Alice und David durchleuchten l\u00e4sst. Wobei es besonders bemerkenswert ist, dass sich dabei zwei Spannungsfelder aufbauen. Man wei\u00df gar nicht so recht, was man als Leser jetzt interessanter findet. Die Aufkl\u00e4rung des Mordes oder die Beziehung des Paares. Dass Ross dieser Spagat \u00fcber die Distanz von 491 Seiten m\u00fchelos meistert, ist bemerkenswert. Man f\u00fchlt sich von seinem Roman wie in einen Sog gerissen und m\u00f6chte das Buch nicht mehr zur Seite legen, bis es ausgelesen ist. Schon allein die ersten Zeilen deuten darauf hin, dass sich hier etwas Gro\u00dfes anbahnt: \u201eAls David Pepin zum ersten Mal von der Ermordung seiner Frau tr\u00e4umte, trat er nicht selbst als T\u00e4ter auf. Er tr\u00e4umte von h\u00f6herer Gewalt im richtigen Augenblick. Als sie am Strand picknickten, zog eine Gewitterfront heran. David und Alice packten ihre Liegest\u00fchle, Decken und alkoholischen Getr\u00e4nke zusammen und als der erste Blitz am Himmel zuckte, stellte David sich seine Frau vor wie in einem Cartoon, als lebende Fackel mit durchscheinenden Skelett, das schlie\u00dflich zu einem rauchenden H\u00e4uflein Asche zusammenfiel\u201c.<span> <\/span>Famos\u2026 \u201eMister Peanut\u201c ist ein Roman der Sonderklasse. Und f\u00fcr Krimi-Fans wie Therapeuten gleicherma\u00dfen interessant.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7442\" title=\"wilson\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/wilson.jpg\" alt=\"wilson\" width=\"250\" height=\"399\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/wilson.jpg 452w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/wilson-188x300.jpg 188w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/>Wer sich am Ende mal ein bisschen von dem immergleichen Moderatorenbrei erholen m\u00f6chte, den so mancher Fu\u00dfball-Experte bei den Spielen im TV ohne einen Anflug von Kreativit\u00e4t herausposaunt, der sollte sich den schicken Schm\u00f6ker namens \u201eRevolutionen auf dem Rasen\u201c aus dem Verlag \u201eDie Werkstatt\u201c zu Gem\u00fcte f\u00fchren. Der gr\u00fcne Almanach enth\u00e4lt n\u00e4mlich \u201edie Geschichte der Fu\u00dfballtaktik\u201c und erkl\u00e4rt seinen Lesern in anschaulichen Beispielen die unterschiedlichsten Ans\u00e4tze, wie man das Elf gegen Elf auf dem gr\u00fcnen Nass f\u00fcr sich entscheidet. Alte Plattit\u00fcden werden dabei \u00fcber die volle L\u00e4nge ausgespart. Stattdessen geht der Schm\u00f6ker ans Eingemachte. Wo hat Louis van Gaal sich eigentlich seine taktischen Kniffe abgeschaut? Und warum kommt keiner an den Ball, wenn der FC Barcelona den Turbo einschaltet? Autor <strong>Jonathan Wilson<\/strong> widmet sich in diesem Zusammenhang auch ausf\u00fchrlich der guten, alten Zeit, macht Entwicklungen deutlich und gibt einem noch dazu das Gef\u00fchl, wirklich etwas \u00fcber das Spiel selbst vermitteln zu k\u00f6nnen. Deshalb empfehle ich in Zukunft einfach auf diverse Nachberichterstattungen zu verzichten und sich stattdessen diesen W\u00e4lzer zu Gem\u00fcte zu f\u00fchren. Danach hat man dann auch verstanden (oder meint zumindest, man w\u00fcsste), warum Dortmund in diesem Jahr Meister geworden ist\u2026 also schm\u00f6kert mal rein. Ist ja gerade Frauenfu\u00dfball-WM. Mit diesem \u201eFachbuch\u201c bist du bestens daf\u00fcr ger\u00fcstet. Und damit Schluss f\u00fcr heute. Lasst es euch gut gehen. Wir \u201elesen\u201c uns.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>All jene, die sich \u201eirgendwie dazwischen\u201c f\u00fchlen, sollten zum neuen Roman von Katja Kullmann greifen. Die beschreibt in \u201eEchtleben\u201c was passiert, wenn man irgendwann aufwacht und feststellt, dass die eigenen Ideale inzwischen vom Massenmarkt infiltriert wurden. Mit ihrem Buch m\u00f6chte sie letztlich herausfinde, \u201eWarum es heute so kompliziert ist, eine Haltung zu haben\u201c. 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