{"id":7649,"date":"2011-08-27T15:34:26","date_gmt":"2011-08-27T14:34:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=7649"},"modified":"2011-08-27T15:34:58","modified_gmt":"2011-08-27T14:34:58","slug":"aufgelesen-vol-14-gott-und-jesus-stochern-in-ihrem-salat-herum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=7649","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. 14 &#8211; &#8222;gott und jesus stochern in ihrem salat herum&#8230;&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7650\" title=\"john-niven\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/john-niven.jpg\" alt=\"john-niven\" width=\"250\" height=\"398\" \/>John Niven <\/strong><span>hat mit \u201eKill Your Friends\u201c den ultimativen Abgesang auf das Lotterleben der Musikproduzenten geschrieben. Das Buch ist derma\u00dfen fies getextet, dass der Nachfolge-Roman \u201eComa\u201c die hohen Erwartungen leider nur bedingt erf\u00fcllen konnte. Niven outete sich hier zwar als versierter Kenner des Golfsports, die popkulturellen Seitenhiebe des Erstlings blieben aber leider \u00fcber weite Strecken au\u00dfen vor. Nach diesem Nischenroman (was ich hier ausdr\u00fccklich nicht negativ meine) hat sich John Niven nun daran gesetzt, unsere komplette Gesellschaft in ihren Grundfesten zu ersch\u00fcttern. In \u201cGott bewahre\u201c wirft er die Frage auf: Was bittesch\u00f6n w\u00fcrde passieren, wenn Gott uns nochmal seinen Sohn schicken w\u00fcrde, um mit all dem Unrat auf Erden so richtig aufzur\u00e4umen. Keine B\u00fcrgerkriege mehr, die Umweltzerst\u00f6rung beenden, sogar Krankheiten k\u00f6nnten geheilt werden. <\/span><span style=\"color: #262626;\"><!--more--><\/span><span>Wobei die gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke Nivens darin besteht, dass er mit g\u00e4ngigen Schemata bricht. So geht es ihm als Autor zunehmend auf den Sack, dass sich die Konservativen scheinbar des Allm\u00e4chtigen erm\u00e4chtigt haben und in seinem Namen gegen Schwulen-Ehe und Abtreibung hetzen. Also f\u00e4hrt er augenzwinkernd allerhand g\u00e4ngige Rechtfertigungsmuster der politischen Rechten gegen die Wand. JC (alias Jesus Christus) hat stattdessen nur eine simple Botschaft am Start: \u201eSeid lieb\u201c zueinander. Und so findet er sich pl\u00f6tzlich mitten in New York wieder, wo er sich den Drogens\u00fcchtigen und Heimatlosen annimmt. So richtig in Fahrt kommt seine Kampagne allerdings erst, als er sich entschlie\u00dft in einer Casting-Show aufzutreten. Wie Niven in diesem Zusammenhang unserer Gesellschaft den Spiegel vorh\u00e4lt, ist ein literarisches Meisterst\u00fcck, das vor Heimt\u00fccke nur so strotzt. Umso mehr freut es uns, dass er am 5. Oktober zusammen mit Ex-Muff Potter-S\u00e4nger Nagel im Jugendkulturhaus Cairo in W\u00fcrzburg zu Gast ist. Hingehen, bitte. <\/span><\/p>\n<p><span><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7651\" title=\"leif-randt\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/leif-randt.jpg\" alt=\"leif-randt\" width=\"200\" height=\"317\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/leif-randt.jpg 200w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/leif-randt-189x300.jpg 189w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/span>Der 27j\u00e4hrige <strong>Leif Randt<\/strong> wurde nicht nur mit dem \u201eErnst Willner Preis 2011\u201c ausgezeichnet, er hat auch ein imposantes Gedankenexperiment am Start. \u201eSchimmernder Dunst \u00fcber Coby County\u201c erz\u00e4hlt die Geschichte eines jungen Menschen, der in einer wohl beh\u00fcteten Oase aufw\u00e4chst. Alles, was er zum Leben braucht, wird ihm auf dem Pr\u00e4sentierteller serviert. Einziges Ziel ist es, sich selbst bestm\u00f6glich zu entfalten. Was allerdings passiert, wenn jemand sich pl\u00f6tzlich daf\u00fcr entscheidet, eine solche Welt der illustren Rundum-Versorgung zu verlassen, das l\u00e4sst sich hier nachsp\u00fcren. Die watteweiche Welt kann einem n\u00e4mlich ganz sch\u00f6n auf die Nerven fallen. Woran bittesch\u00f6n soll man sich denn noch die H\u00f6rner absto\u00dfen, wenn alle Bed\u00fcrfnisse fortw\u00e4hrend erf\u00fcllt werden? Wof\u00fcr das Ganze, wenn da doch nichts mehr ist, f\u00fcr das es sich zu K\u00e4mpfen lohnt? Durch seine unbeteiligte Schreibe sorgt der Autor schrittweise daf\u00fcr, dass ein subtiler Schrecken einkehrt. Das Monster namens Langeweile klopft an die T\u00fcr und sorgt daf\u00fcr, dass alles Menschliche verk\u00fcmmert. Das eigene Leben wird zu einer Art Reality-Soap zurechtgest\u00fctzt, wo jedes Gef\u00fchl direkt mit dem g\u00e4ngigen Muster des Normalb\u00fcrgers abgeglichen wird. Am Ende dreht sich alles nur noch um diese oder jene Option. Nicht mal ein nahender Sturm, der den ganzen Ort in Schutt und Asche zu legen droht, f\u00fchrt mehr dazu, dass der Protagonist dieses Romans auch nur den Hauch einer echten Emotion zul\u00e4sst. Selbiger ist vor allem aufgrund seiner abgekl\u00e4rten Haltung bemerkenswert und skizziert schemenhaft, wie unser Leben aussehen k\u00f6nnte, wenn Menschen von allen Pflichten befreit sind und zu viel Zeit daf\u00fcr haben, ihr eigenes Dasein zu reflektieren. Das Ergebnis ist erschreckend. Der Sex und auch der anschlie\u00dfende Verlust der Freundin wird anhand einer Art Emotionspalette abgehandelt, die aus einem Sammelsurium von bereits gemachten Erfahrungen diverser Menschen besteht. Eben deshalb sollte man sich dieses literarische Ereignis auf keinen Fall entgehen lassen. Dieser Roman trifft den Nerv einer Generation, die sich im Postmaterialismus suhlt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-7652\" title=\"tom-rachman\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/tom-rachman-192x300.jpg\" alt=\"tom-rachman\" width=\"192\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/tom-rachman-192x300.jpg 192w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/tom-rachman.jpg 402w\" sizes=\"auto, (max-width: 192px) 100vw, 192px\" \/>Es gibt Roman, die ziehen einen schon nach wenigen Sekunden in ihren Bann. <strong>Tom Rachman<\/strong>, ein studierter Journalist und ehemaliger Auslandskorrespondent der \u201eAssociated Press\u201c trifft mit seinem Buch \u201eDie Unperfekten\u201c exakt den Nerv einer Generation, die sich irgendwie durchzuschlagen versucht. Seine Leserschaft geleitet er nach Rom, das Hauptaugenmerk seines Buches aber richtet der geb\u00fcrtige Londoner auf das Innenleben seiner Charaktere, die allesamt vor der Entlassung stehen. Die Tageszeitung, f\u00fcr welche sie t\u00e4tig sind, steht n\u00e4mlich kurz vor der Einstellung. Den Chef selbst, einen nichtsnutzigen Erben, schert das allerdings nur bedingt &#8211; die Texterin Ruby, die Chefredakteurin Kathleen und den Korrespondenten Lloyd allerdings umso mehr und so dient der Umbruch in ihrem Leben den einzelnen Protagonisten dazu, das eigene Privatleben ein bisschen auf den Kopf zu stellen. Ziel des ganzen Unterfangens ist es: irgendwie \u00fcber die Runden zu kommen und dabei das \u201eLeben\u201c selbst nicht au\u00dfer Acht zu lassen. Rachman gelingt es in diesem Zusammenhang ganz vortrefflich seinen Lesern die unterschiedlichen Charaktere n\u00e4her zu bringen, was dazu f\u00fchrt, dass er ihnen jeweils eines seiner Kapitel schenkt, um am Ende dann nochmal alles auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu bringen. Irgendwie sind wir doch alle mit einer Gabe namens \u201eFehlbarkeit\u201c ausgestattet, was immer wieder dazu f\u00fchrt, dass man sich dabei ertappt f\u00fchlt, regelrecht mitzufiebern, wenn sich pl\u00f6tzlich wieder ein Missgeschick zum gro\u00df angelegten Drama ausw\u00e4chst. So werden hier unter anderem Quellenangaben gef\u00e4lscht oder ellenlange Nachrufe auf ein Minimum zusammengestrichen, au\u00dferdem wird sich f\u00fcr die Entlassung von einer gewissen \u201eMiss Buchhaltung\u201c mit fiesen Verf\u00fchrungsk\u00fcnsten revanchiert. All das immer zum Leidwesen derer, die es verbrochen oder verbockt haben. Dass Rachman das allt\u00e4glich Treiben mit einer geh\u00f6rigen Portion Humor kontert, sorgt am Ende allerdings daf\u00fcr, dass man immer wieder ins Schmunzeln ger\u00e4t und so manches Desaster sich ins Gegenteil verkehrt. Am Ende geht es n\u00e4mlich immer irgendwie weiter. Muss ja. Was will man denn auch sonst machen? Ein perfekter Roman \u00fcber die weniger perfekten Momente im Leben, die Selbiges erst so richtig l(i)ebenswert machen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7653\" title=\"jerry-della\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/jerry-della.jpg\" alt=\"jerry-della\" width=\"302\" height=\"413\" \/>Mit dem Buch \u201eDer letzte Mad Man \u2013 Bekenntnisse eines Werbers\u201c verh\u00e4lt es sich \u00e4hnlich wie mit einem zweiten Teil eines gro\u00dfen Kassenschlagers. Die ausgesprochen unterhaltsame und durchaus anspruchsvolle amerikanische Serie, welche auch schon im deutschen Fernsehen (ZDFneo) gezeigt wurde, zeigt die glamour\u00f6se Welt der jungen (m\u00e4nnlichen) Werber der Madison Avenue im New York der 1960er Jahre. Sie wurde 2008, 2009 und 2010 jeweils mit dem \u201eGolden Globe\u201c als beste Drama-Serie ausgezeichnet. Jerry della Femina (*1936) ist einer der legend\u00e4rsten Werber Amerikas und erz\u00e4hlt \u00fcber seine Zeit in diversen Werbeagenturen und den damit verbundenen dekadenten Lebenswandel der einzelnen Protagonisten. In den 1970er war das Buch ein Bestseller und wurde nun noch einmal auf Neue ver\u00f6ffentlicht. F\u00fcr den Leser, der gerne mehr \u00fcber das allt\u00e4gliche Leben der Werber erfahren m\u00f6chte bel\u00e4sst es der Autor leider bei Andeutungen oder Darstellungen, die sp\u00e4ter auch noch dementiert werden. So antwortete Jerry auf die Frage, ob die Serie das allt\u00e4gliche Leben der damaligen Zeit treffend widerspiegelt, mit \u201eviel zu harmlos. Es war alles noch viel wilder\u201c. Interessant d\u00fcrfte das Buch dennoch f\u00fcr diejenigen sein, die Interesse an der Entwicklung von gro\u00dfen amerikanischen Werbe-Agenturen haben. Auf diesem Gebiet ist <strong>Jerry Della Femina<\/strong> wirklich ein Experte und gibt tats\u00e4chlich brauchbare Ausk\u00fcnfte. (K. Reschke)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7654\" title=\"johanna-merhof\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/johanna-merhof.jpg\" alt=\"johanna-merhof\" width=\"197\" height=\"300\" \/>Wer derweil mal wieder wissen m\u00f6chte, wie es sich so anf\u00fchlt, wenn alles in einem drin verr\u00fcckt spielt, w\u00e4hrend man einer bestimmten Person in die Augen blickt, der sollte sich mal die Kurzgeschichtensammlung \u201eHeartcore \u2013 Liebe ist ein Aufstand\u201c zu Gem\u00fcte f\u00fchren. Die Texte von <strong>Johanna Merhof<\/strong> verspr\u00fchen eine gewisse Aufbruchsstimmung. Die Kasseler Literatin versteht es die Irrungen und Wirrungen unseres Liebeslebens in h\u00fcbsche, kleine Geschichten aus der Gro\u00dfstadt zu verpacken. Den einzelnen Textpassagen werden herzallerliebste Popsongs vorangestellt, so dass das Ganze auch noch dazu einl\u00e4dt den passenden Soundtrack dazu in die Stereoanlage zu schubsen. Bloc Party, Tocotronic und Ryan Adams geben die Richtung vor und sorgen daf\u00fcr, dass der \u201eSeiltanz zwischen Himmel und H\u00f6lle\u201c zum gelungenen Unterfangen ger\u00e4t. Der enthusiastische \u00dcberschwang mit welchem die Autorin hier textet, schraubt die Fallh\u00f6he zwar ziemlich weit nach oben, ihr gelingt der Drahtseilakt aber \u00fcber weite Strecken ausgesprochen gut. F\u00fcr S\u00e4tze wie \u201eDer Himmel weint mit mir um die Wette. Und ich liege eindeutig in F\u00fchrung\u201c m\u00f6chte man sie entnervt verfluchen und knuddeln zugleich. Man muss sich einfach einlassen auf dieses Werk. Wer dazu bereit ist, wird aus dem Grinsen nicht mehr herauskommen. Und damit genug f\u00fcr heute. Bis zum n\u00e4chsten Zuckerbeat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>John Niven hat mit \u201eKill Your Friends\u201c den ultimativen Abgesang auf das Lotterleben der Musikproduzenten geschrieben. Das Buch ist derma\u00dfen fies getextet, dass der Nachfolge-Roman \u201eComa\u201c die hohen Erwartungen leider nur bedingt erf\u00fcllen konnte. 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