{"id":7886,"date":"2011-09-26T15:23:00","date_gmt":"2011-09-26T14:23:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=7886"},"modified":"2011-10-06T10:42:51","modified_gmt":"2011-10-06T09:42:51","slug":"aufgelesen-vol-19-ihre-fotografie-schmeckt-bitter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=7886","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. 19 &#8211; &#8222;ihre fotografie schmeckt bitter&#8230;&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7887\" title=\"foer1\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/foer1.jpg\" alt=\"foer1\" width=\"250\" height=\"380\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/foer1.jpg 329w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/foer1-197x300.jpg 197w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/>Wer durch den Roman \u201eTiere essen\u201c (wie auch Charlotte Roche, die sich gleich den Buchtitel auf den Unterarm t\u00e4towierte) auf den Geschmack gekommen ist und sich mal den Back-Katalog von <strong>Jonathan Safran Foer<\/strong> zu Gem\u00fcte f\u00fchren m\u00f6chte, der wird nun gleich in doppelter Hinsicht vom Verlag \u201eKiepenhauer &amp; Witsch\u201c begl\u00fcckt. Dort erscheinen n\u00e4mlich just in diesen Tagen die ersten beiden Werke des Autors und f\u00fchren einem gekonnt vor Augen, mit welch begnadeten literarischen F\u00e4higkeiten dieser Safran Foer doch gesegnet ist. Sein erster Roman \u201eAlles ist erleuchtet\u201c (das Werk wurde \u00fcbrigens gekonnt verfilmt mit Elijah Wood in der Hauptrolle) setzt sich mit einem angehenden Literaten auseinander, der sich auf die Suche nach einer Frau begibt, welche einst seinen Gro\u00dfvater vor den Nazis versteckt haben soll. <span style=\"color: #262626;\"><!--more--><\/span>Mit freundlicher Unterst\u00fctzung eines gewissen Alex, der eigentlich Fremdenf\u00fchrer sein m\u00f6chte, aber diesbez\u00fcglich noch nicht \u00fcber sonderlich viel Erfahrung zu verf\u00fcgen scheint, macht er sich auf den Weg, wobei Safran Foer einen interessanten literarischen Kniff einsetzt, um das Spannungslevel hoch zu halten. Er wechselt n\u00e4mlich st\u00e4ndig die Erz\u00e4hlperspektive und l\u00e4sst noch dazu mehrere Handlungsstr\u00e4nge parallel ablaufen, was immer wieder f\u00fcr kleine \u00dcberraschungsmomente sorgt, den Leser aber keineswegs \u00fcberfordert. Vielmehr f\u00fcgt sich am Ende alles schl\u00fcssig zusammen, weshalb nur noch die Frage offen ist, ob es sich bei der Hauptfigur, die ebenfalls auf den Namen Jonathan Safran Foer h\u00f6rt, um den Autoren selbst handelt. Der K\u00fcnstler selbst bestreitet das zwar, es ist aber \u00fcberliefert, dass sich Safran Foer selbst mal auf einer \u00e4hnlichen Reise befunden haben soll, selbige aber nicht erfolgreich zu Ende gebracht hat. Womit wir dann auch direkt \u00fcberleiten zum Zweitwerk des begnadeten Schreiberlings aus New York, welches sich indirekt mit den Folgen des 11. Septembers auseinandersetzt. An eben jenem, schicksalhaften Tag verliert ein <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-7888\" title=\"foer2\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/foer2.jpg\" alt=\"foer2\" width=\"198\" height=\"302\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/foer2.jpg 276w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/foer2-197x300.jpg 197w\" sizes=\"auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/>neunj\u00e4hriger Junge namens Oskar Schell seinen Vater und muss sich von nun an allein durchs Leben schlagen. Der Junge selbst, welcher Pazifist, Erfinder und Designer in Personalunion ist (zumindest gibt er das vor), macht sich deshalb erst einmal auf den Weg durch die Stra\u00dfen New Yorks, sein Vater hat ihm n\u00e4mlich nach seinem Tod einen Schl\u00fcssel vermacht und der junge Oskar m\u00f6chte gerne wissen, welches Schloss Selbiger zu \u00f6ffnen vermag. Auf seinem Weg zum Ziel macht der junge Mann sehr viele pr\u00e4gende Bekanntschaften, wodurch man als Leser ein sehr differenziertes Bild der Stadt New York mitgeliefert bekommt. Parallel dazu wird au\u00dferdem die Geschichte von Oskars Gro\u00dfvater erz\u00e4hlt, der w\u00e4hrend der Bombardierung Dresdens seine Familie verliert &#8211; womit Safran Foer zum zweiten Mal das Kunstst\u00fcck gelingt, unterschiedliche Erz\u00e4hlstr\u00e4nge im Rahmen einer Geschichte zu platzieren, ohne dass es irgendwie absurd anmuten w\u00fcrde. Noch dazu punktet &#8222;Extrem laut und unglaublich nah&#8220; durch seine schicke grafische Gestaltung, der Leser bekommt zahlreiche Fotos vor den Latz geknallt und darf sich auch layouttechnisch an so manchem, gewitzten Kniff erfreuen. \u00c4hnlich wie im Roman \u201eJPod\u201c von Douglas Coupland\u201c wird auf diese Weise eine Dynamik (und Rasanz) erzeugt, aufgrund derer man sich schon nach wenigen Seiten nicht mehr von der Geschichte loseisen m\u00f6chte.<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-7889\" title=\"bret\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/bret-183x300.jpg\" alt=\"bret\" width=\"183\" height=\"300\" \/>Bret Easton Ellis<\/strong>, welcher seit \u201eAmerican Psycho\u201c zu den gefeiertsten Autoren der Gegenwart z\u00e4hlt, macht sich mit seinem aktuellen Roman \u201eImperial Bedrooms\u201c daran, die Zeiger der Zeit ein wenig zur\u00fcckzudrehen. Wer kennt es nicht, dieses Gef\u00fchl, wenn man nach einer gef\u00fchlten Ewigkeit pl\u00f6tzlich wieder in die Stadt zur\u00fcckkehrt, in welcher man aufgewachsen ist. So geht es nun auch Clay, den Protagonisten dieses Romans, der nach f\u00fcnfundzwanzig Jahren in seinem Heimatkaff einen Film promoten soll. Bereits nach kurzer Zeit trifft er seine alten Kumpels und seine damalige Freundin wieder, wobei die anf\u00e4ngliche Euphorie schnell verflogen ist. \u201eIrgendwas stimmt da nicht\u201c, schie\u00dft es einen schon nach wenigen Zeilen in den Sinn. Und zugegeben: die Situation spitzt sich zu, weil keiner dem anderen mehr so recht \u00fcber den Weg traut. Am Ende sind alle irgendwie auf sich allein gestellt &#8211; vom eigenen Dasein zerfressen, scheinen die Protagonisten als hoffnungslose Gestalten durchs Leben zu wandeln, was dem Leser immer wieder eine G\u00e4nsehaut \u00fcber den R\u00fccken jagt. Ellis versteht es ganz vorz\u00fcglich, den allt\u00e4glichen Verfolgungswahn und die Missgunst in unserer Gesellschaft in ad\u00e4quate Geschichten zu verpacken. In diesem Zusammenhang sollte man sich allerdings vor Genuss dieses Romans noch das Easton Ellis-Deb\u00fct \u201eUnter Null\u201c zu Gem\u00fcte f\u00fchren. Selbiges erz\u00e4hlt n\u00e4mlich nicht nur die Vorgeschichte dieses Romans, es steht dem Nachfolger auch hinsichtlich des \u201eParanoia\u201c-Pegels in nichts nach.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-7890\" title=\"foster-wallce\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/foster-wallce.jpg\" alt=\"foster-wallce\" width=\"257\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/foster-wallce.jpg 257w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/foster-wallce-183x300.jpg 183w\" sizes=\"auto, (max-width: 257px) 100vw, 257px\" \/>Jeder, der gar nicht genug kriegen konnte vom \u201eUnendlichen Spa\u00df\u201c des <strong>David Foster Wallace<\/strong>, der wird nun posthuman mit weiteren Geschichten des begnadeten Autors versorgt. \u201eAlles ist gr\u00fcn\u201c beinhaltet f\u00fcnf Storys, die urspr\u00fcnglich dem Werk \u201eKleines M\u00e4dchen mit komischen Haaren\u201c entstammen, die allerdings hierzulande noch unver\u00f6ffentlicht sind. Wobei Foster Wallace mit seinen Geschichten nicht nur die Grenzen des literarisch m\u00f6glichen auslotet, sondern auch immer wieder seine au\u00dferordentliche Beobachtungsgabe unter Beweis stellt. Wie schon in seinem \u201eDeb\u00fct\u201c \u201eDer Besen im System\u201c, das hierzulande leider im direkten Vergleich mit \u201eUnendlicher Spa\u00df\u201c ein Nischendasein fristet, pr\u00e4sentiert sich der Autor als versierter Geschichtenerz\u00e4hler. Er schafft es seine Leser vor allem dadurch neugierig zu machen, dass er bestimmte Details ausspart und sie dann am Ende auf dem Silbertablett serviert. So sind seine Geschichten immer wieder mit \u00dcberraschungsmomenten gesegnet. Irgendwie schon seltsam, dass man sich als Leser dabei trotzdem nie ver\u00e4ppelt vorkommt. Vielmehr macht das vielf\u00e4ltige Schaffen dieses Autors neugierig, was er sonst noch so aus dem \u00c4rmel zu sch\u00fctteln vermag. In \u201eAlles ist gr\u00fcn\u201c sind es Geschichten \u00fcber Herz-Lungen-Massagen, heimliche Liebschaften und kreatives Schreiben. Letzteres m\u00f6chte man am Ende am Liebsten von David Foster Wallace pers\u00f6nlich beigebracht bekommen. Der wiederum ist leider bereits im Jahre 2008 von uns gegangen. Dank seiner Kreativit\u00e4t, Vielschichtigkeit und Beobachtungsgabe wird er durch seine Geschichten aber ewig weiterleben. Zudem soll in K\u00fcrze sein bisher noch unver\u00f6ffentlichter und unvollst\u00e4ndiger Roman \u201eThe Pale King\u201c erscheinen. Wir sind gespannt und vers\u00fc\u00dfen uns die Wartezeit mit diesen f\u00fcnf, \u00e4u\u00dferst spannenden Momentaufnahmen eines literarischen Genies.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7891\" title=\"nick-hronby\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/nick-hronby.jpg\" alt=\"nick-hronby\" width=\"194\" height=\"320\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/nick-hronby.jpg 255w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/nick-hronby-182x300.jpg 182w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/>Noch mehr Kurzgeschichten knallt uns in der Zwischenzeit der hoch verehrte <strong>Nick Hornby<\/strong> vor den Latz, der uns in seinem aktuellen Buch von Situationen erz\u00e4hlt, die man ganz getrost unter dem Banner \u201edumm gelaufen\u201c abheften kann. Wenn eine ersch\u00fctterte Mutter pl\u00f6tzlich feststellen muss, dass ihr Sohn zur Porno-Ikone avanciert oder Stefan aus dem Land \u201eCampina\u201c pl\u00f6tzlich zur Nationalelf berufen wird, weil in seinem Land keine weiteren M\u00e4nner verf\u00fcgbar sind, bekommt man als Leser sehr schnell ein gutes Gef\u00fchl daf\u00fcr vermittelt, wie unwohl den einzelnen Protagonisten in ihrer jeweiligen Rolle ist. Die kl\u00e4renden Gespr\u00e4che im Anschluss versprechen in diesem Zusammenhang zwar keinerlei Linderung hinsichtlich dieses Gef\u00fchls, sie machen aber deutlich, dass hier jeder f\u00fcr sich genommen versucht das Beste aus seiner Situation zu machen. In diesem Zusammenhang lebt das kleine, aber feine Werk vor allem von seiner Situationskomik. Mit einem L\u00e4cheln auf den Lippen scheint einem der Autor zuzufl\u00fcstern, dass man die ganze Geschichte blo\u00df nicht zu ernst nehmen sollte. Die kindliche Naivit\u00e4t, mit welcher zahlreiche Protagonisten hier ihren Alltag bew\u00e4ltigen, macht einen als Leser nahezu neidisch. Und so ist man am Ende von &#8222;Small Country&#8220; nicht nur um einige Erfahrungen reicher, Nick Hornby zieht einem auch mit seiner lockeren Schreibe die Mundwinkel hoch. Und damit Schluss f\u00fcr heute. Bis zur n\u00e4chsten Leserunde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer durch den Roman \u201eTiere essen\u201c (wie auch Charlotte Roche, die sich gleich den Buchtitel auf den Unterarm t\u00e4towierte) auf den Geschmack gekommen ist und sich mal den Back-Katalog von Jonathan Safran Foer zu Gem\u00fcte f\u00fchren m\u00f6chte, der wird nun gleich in doppelter Hinsicht vom Verlag \u201eKiepenhauer &amp; Witsch\u201c begl\u00fcckt. 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