{"id":7945,"date":"2011-10-02T09:53:33","date_gmt":"2011-10-02T08:53:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=7945"},"modified":"2011-10-06T19:13:59","modified_gmt":"2011-10-06T18:13:59","slug":"aufgelesen-vol-20-netzwerk-unser-das-du-bist-das-leben-gepriesen-werden-dein-system-deine-zeit-komme-deine-berechnung-geschehe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=7945","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. 20 &#8211; &#8222;netzwerk unser, das du bist das leben, gepriesen werden dein system, deine zeit komme&#8230;&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7946\" title=\"thomas-melle-sickster\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/thomas-melle-sickster.jpg\" alt=\"thomas-melle-sickster\" width=\"200\" height=\"326\" \/>Thomas Melle<\/strong> hat mit seinem aktuellen Roman einen weiteren Beitrag zum Thema \u201eOrientierungslosigkeit\u201c verfasst. Die Schnelllebigkeit und Un\u00fcbersichtlichkeit unseres Daseins ruft in \u201eSickster\u201c zwei junge M\u00e4nner auf den Plan, die beide auf ihre Art und Weise mit dem eigenen Leben hadern. Der eine fristet ein Dasein als Manager zwischen Machos und Alphatierchen, der andere arbeitet f\u00fcr das Kundenmagazin eines \u00d6lkonzerns. Beide hassen ihren Job auf ihre Art und Weise. Als sie sich nach vielen Jahren wieder treffen, werden die beiden ehemaligen Schulkameraden pl\u00f6tzlich wieder neugierig aufeinander, wobei die ganze Geschichte erst so richtig kompliziert wird, als sich der Eine in die Freundin des Anderen verliebt. <span style=\"color: #262626;\"><!--more--><\/span>Thomas Melle, der in T\u00fcbingen, Austin und Berlin Philosophie Schr\u00e4gstrich Vergleichende Literaturwissenschaft studiert hat, versteht es ganz vorz\u00fcglich die Z\u00fcgellosigkeit unsere Gesellschaft in Geschichten zu verpacken. Sein Roman macht deutlich, welche \u00dcberforderung die Existenz im Rahmen einer Konsumgesellschaft f\u00fcr zahlreiche Individuen darstellt. Viele wollen einfach nur ausbrechen aus dem Leben, wissen aber nicht wie sie das anstellen sollen. Dementsprechend fallen sie St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck aus der Rolle, krallen sich aber insgeheim auch weiterhin an alten Konventionen fest. Wenn sie sich dessen letztlich bewusst werden, suchen sie h\u00e4nderingend nach einer Alternative zum eigenen Selbst. Wo sie damit am Ende landen, versucht dieser Roman zu erforschen. Und so viel sei gesagt: durch seine melancholische Sprache und die gef\u00fchlvolle Zeichnung der einzelnen Charaktere, ist es einziger Genuss den 331 Seiten dieses Buches bis zum Ende zu folgen. Ob sie zu guter letzt einen festen Halt finden? Am Besten du findest es selbst heraus.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7947 alignleft\" title=\"miriam-meckel\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/miriam-meckel.jpg\" alt=\"miriam-meckel\" width=\"271\" height=\"271\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/miriam-meckel.jpg 500w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/miriam-meckel-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/miriam-meckel-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 271px) 100vw, 271px\" \/>Mit ihrer Version einer digitalisierten Zukunft begl\u00fcckt uns in diesen Tagen die studierte Kommunikations- und Politikwissenschaftlerin <strong>Miriam Meckel<\/strong>, die in Nordrhein-Westfalen bereits Erfahrungen als Regierungssprecherin sammeln konnte. In ihrem Werk \u201eNext\u201c besch\u00e4ftigt sie sich mit der Zukunft und wie sie zunehmend von Maschinen durchsetzt sein wird. Schon jetzt nutzen wir zum Beispiel die M\u00f6glichkeiten sozialer Netzwerke, um uns mit \u00e4hnlich tickenden Menschen \u00fcberall auf der Welt zu vernetzen. Gerade erst hat sich ein gro\u00dfes Netzwerk dazu entschlossen, einen Zeitstrahl des Lebens auf seiner Plattform zu installieren und so nach und nach das komplette Leben des Nutzers abzubilden. Dar\u00fcber hinaus nutzen wir jeden Tag Hompages von renommierten Internet-H\u00e4ndlern, welche uns passgenaue Produkte unterjubeln. Fast scheint es, als w\u00e4re es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Mensch selbst im vollen Umfang berechenbar geworden ist. Ob es irgendwann wirklich m\u00f6glich ist, die sozialen Motive und Handlungsweisen eines Menschen bereits im Vorhinein zu kennen? Hat man in Zukunft die M\u00f6glichkeit einen Blick in die Zukunft zu werfen und wenn ja: will man das auch? Es sind bisweilen philosophische Fragestellungen, die in diesem Buch aufgegriffen werden. Kein Wunder also, dass auf dem R\u00fcckumschlag des Werks gleich mal ein digitales \u201eNetzwerks unser\u201c anstatt eines \u201eVater unser\u201c abgebildet wurde. Die Technik scheint sich zunehmend \u00fcber uns selbst zu erheben. Wir alle m\u00fcssen entscheiden, ob wir bereit sind, diesen Umstand tatenlos hinzunehmen oder ob wir daf\u00fcr k\u00e4mpfen m\u00f6chten, am Ende weiterhin selbst\u00e4ndige Entscheidungen treffen zu k\u00f6nnen. \u201eNext\u201c leistet einen klugen Beitrag zum Thema Vernetzung und punktet dar\u00fcber hinaus mit einer \u00e4u\u00dfert differenzierten Darstellung unterschiedlicher Aspekte einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft. Stellt sich am Ende nur die Frage: wenn alles berechenbar ist\u2026 stellt das nicht unsere Vorstellung von Zukunft und Vergangenheit in Frage?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-7948\" title=\"renedescartes\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/renedescartes-194x300.jpg\" alt=\"renedescartes\" width=\"159\" height=\"245\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/renedescartes-194x300.jpg 194w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/renedescartes.jpg 272w\" sizes=\"auto, (max-width: 159px) 100vw, 159px\" \/>Wer sich dar\u00fcber hinaus mit weiteren, grundlegenden philosophischen Fragestellungen auseinandersetzen m\u00f6chte, kommt an den \u201eMeditationen \u00fcber die Erste Philosophie\u201c von <strong>Ren\u00e9 Descartes<\/strong> nicht vorbei. Der Autor besch\u00e4ftigt sich in seinem Werk mit der Suche des Menschen nach Gott und dem Verbleib der menschlichen Seele, wenn der K\u00f6rper das Zeitliche segnet. Im ersten Teil des Buches dreht sich alles um Sinnest\u00e4uschungen und es ist durchaus bemerkenswert, wie wir jeden Tag den unterschiedlichsten Illusionen aufsitzen, ohne auch nur das Geringste davon mitzukriegen. Dementsprechend nutzt Descartes seine Meditationen dazu, der Wahrheit auf den Grund zu gehen und sich so von \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen zu befreien. Mit der Gewissheit im R\u00fccken, von sich selbst behaupten zu k\u00f6nnen, er existiere, wird ihm klar, dass er nicht aus dem Nichts entstanden sein kann. Ebenfalls schlussfolgert er, dass es etwas geben muss, dass seinen Verstand \u00fcbertrifft, weil etwas unvollkommenes, wie der Mensch, niemals die Vollkommenheit seines Sch\u00f6pfers \u00fcbertrumpfen kann. Diesen Sch\u00f6pfer wiederum nennt er Gott. Wem es jetzt schon etwas zu kompliziert geworden ist, der sollte erstmal den Rest des Buches lesen, das im renommierten \u201eReclam\u201c-Verlag in lateinischer und deutscher Sprache erh\u00e4ltlich ist. Es lohnt sich dar\u00fcber hinaus auch den eben erschienen Kommentar \u201eDescartes\u00b4 <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-7949\" title=\"gregorbetz\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/gregorbetz-194x300.jpg\" alt=\"gregorbetz\" width=\"142\" height=\"220\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/gregorbetz-194x300.jpg 194w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/gregorbetz.jpg 272w\" sizes=\"auto, (max-width: 142px) 100vw, 142px\" \/>Meditationen\u201c von <strong>Gregor Betz<\/strong> hinzuzuziehen. In seinem Werk kommentierter er allerdings nicht Descartes \u201eMeditationen \u00fcber die Erste Philosophie\u201c, sondern die sechs Meditationen seines Buches \u201eMeditationen \u00fcber die Grundlagen der Philosophie\u201c, welche im \u201eFelix Meiner\u201c-Verlag erschienen sind. Er schafft es auf diese Weise, f\u00fcr zahlreiche Denkanst\u00f6\u00dfe beim Leser zu sorgen. Besch\u00e4ftigt sich mit den Grundlagen unseres Sein und wirft zahlreiche Fragen auf: Was bin ich f\u00fcr ein Wesen? Wie viel kann ich wissen? Welche Art von Gegenst\u00e4nden existiert auf der Welt? Wobei er die M\u00f6glichkeit nutzt, die Thesen von Descartes mit den Meinungen zeitgen\u00f6ssischer Vertreter der Philosophie zu kombinieren, was immer wieder neue Fragestellungen aufwirft. \u00dcber den Sinn des Lebens kann man sich eben endlos streiten. So lange zumindest, bis es einen einholt. Wer jetzt Lust bekommen hat, sich an des R\u00e4tsels L\u00f6sung heranzuwagen: Die beiden B\u00fccher \u00f6ffnen einem ein Tor zu einer faszinierenden Welt. Alle anderen seien bei dieser Gelegenheit auch noch auf den (inzwischen leider ausgelaufenen) Comic Strip \u201eRen\u00e9s Meditationen\u201c hingewiesen, der lange Zeit auf der R\u00e4tselseite der \u201eFrankfurter Rundschau\u201c erschienen ist. Darin werden zahlreiche Thesen Descartes\u00b4 von Zeichner Thomas Wellmann auf humoristische Weise aufgegriffen. Weshalb letztlich nur zu hoffen bleibt, dass der Comic-Strip in K\u00fcrze auch noch als regul\u00e4res Werk erscheint.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7950\" title=\"tobias-hurter\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/tobias-hurter.jpg\" alt=\"tobias-hurter\" width=\"181\" height=\"290\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/tobias-hurter.jpg 263w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/tobias-hurter-187x300.jpg 187w\" sizes=\"auto, (max-width: 181px) 100vw, 181px\" \/>Nachdem wir durch das aktuelle Buch von <strong>Tobias H\u00fcrter<\/strong> (\u201eDu bist, was du schl\u00e4fst\u201c \u2013 unbedingt empfehlenswert, das wahrscheinlich beste Buch, das jemals zum Thema \u201etr\u00e4umen\u201c erschienen ist) auf den Geschmack gekommen sind, wollen wir die Gelegenheit nutzen, euch noch ein weiteres Sachbuch des studierten Philosophen vorzustellen. Das Werk \u201eDie verr\u00fcckte Welt der Paralleluniversen\u201c, welches er zusammen mit dem \u201eZEIT Wissen\u201c-Redakteur <strong>Max Rauner<\/strong> aus dem \u00c4rmel sch\u00fcttelte, hat zwar schon zwei Jahre auf dem Buckel, inhaltlich aber hat die Abhandlung \u00fcber zahlreiche Doppelg\u00e4nger unserer selbst, keineswegs an Relevanz verloren. In verst\u00e4ndlicher Sprache wird der Leser mit der komplexen Theorie konfrontiert, es g\u00e4be laut Aussage zahlreicher Wissenschaftler, einen ganzen Haufen nahezu identischer Exemplare von uns. In verst\u00e4ndlicher Sprache gelingt es dem Duo ihre gewagten Thesen glaubw\u00fcrdig darzulegen und in diesem Zusammenhang auch Themen wie Zeitreisen mit einzubinden. Man muss sich nat\u00fcrlich einlassen k\u00f6nnen auf dieses Werk, wird aber daf\u00fcr mit zahlreichen Denkanst\u00f6\u00dfen belohnt, die einen n\u00e4chtelang wach halten. Am Ende stellt sich die Frage, ob wir nicht mal so langsam das bestehende Weltbild \u00fcberdenken sollten. Wer dieses Buch gelesen hat, wird das Ganze jedenfalls nicht mehr als blo\u00dfes Hirngespinst einiger verquerer Wissenschaftler abtun. Am Besten aber du verschaffst dir selbst ein Bild. Wir sagen derweil erst mal tsch\u00fc\u00df f\u00fcr heute. Bis zur n\u00e4chsten Leserunde. <span style=\"mso-spacerun:yes\"> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thomas Melle hat mit seinem aktuellen Roman einen weiteren Beitrag zum Thema \u201eOrientierungslosigkeit\u201c verfasst. Die Schnelllebigkeit und Un\u00fcbersichtlichkeit unseres Daseins ruft in \u201eSickster\u201c zwei junge M\u00e4nner auf den Plan, die beide auf ihre Art und Weise mit dem eigenen Leben hadern. 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