{"id":8137,"date":"2011-10-18T20:50:23","date_gmt":"2011-10-18T19:50:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=8137"},"modified":"2011-10-20T19:35:33","modified_gmt":"2011-10-20T18:35:33","slug":"aufgelesen-vol-22-ich-wollte-keiner-von-diesen-leuten-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=8137","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. 22 &#8211; &#8222;ich zuckte nur mit den schultern&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>mit aktuellen B\u00fcchern von Rafik Schami, <\/em><em>Benedict Wells <\/em><em>und Sascha Lobo.<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8141 alignright\" title=\"rafik-schami\" src=\"..\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/rafik-schami.jpg\" alt=\"rafik-schami\" width=\"199\" height=\"317\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/rafik-schami.jpg 393w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/rafik-schami-188x300.jpg 188w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/>\/\/ Es soll ja tats\u00e4chlich Menschen geben, die <strong>Rafik Schami<\/strong> noch nicht kennen. Dabei kann der Autor auf eine au\u00dfergew\u00f6hnliche  Biografie verweisen: er wurde 1946 in Damaskus geboren, 1970 ist er von  Syrien nach Deutschland gefl\u00fcchtet und hat 1979 sein Chemiestudium mit  Promotion abgeschlossen. Nach kurzer Zeit in diesem Beruf hat er sich  entschieden lieber als deutschsprachiger Schriftsteller t\u00e4tig zu werden.  Also hat er angefangen s\u00e4mtliche deutschen Klassiker handschriftlich  abzuschreiben, <!--more-->mit dem Ziel, exzellent in der \u201eLiteratursprache Deutsch\u201c  texten zu k\u00f6nnen. Dass er damit goldrichtig lag, zeigen seinen  zahlreichen Auszeichnungen und die begeisterten Leser und Zuh\u00f6rer. Bei  seinen Lesungen kommt es immer wieder vor, dass Herr Schami nicht aus  seinen Werken vorliest, sondern Geschichten aus dem Stehgreif erz\u00e4hlt &#8211;  wie man sich das, dem Klischee entsprechend, von einem orientalischen  Geschichtenerz\u00e4hler eben so vorstellt. In seinem aktuellen  Kurzgeschichtenband \u201eEine deutsche Leidenschaft namens Nudelsalat\u201c  befasst sich Schami mit eigenartigen Begebenheiten, welche zahlreichen  Migranten in Deutschland so wieder fahren k\u00f6nnten. Er erz\u00e4hlt dar\u00fcber  hinaus von Deutschen, welche unbefangen aber bisweilen auch etwas  unbeholfen auf die Kultur der Einwanderer treffen. Er berichtet von  Missverst\u00e4ndnissen zwischen den Kulturen, erz\u00e4hlt aber auch moderne  Geschichten aus \u201e1001 Nacht\u201c oder fantastische Storys \u00fcber, z.B. die  Freundschaft zu einer Fliege. Sein neues Buch ist demnach der perfekte  Lesestoff f\u00fcr Schami-Neueinsteiger. <em>(verfasst von K. Reschke)<\/em><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: left;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8140\" title=\"wells_genial\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/wells_genial.jpg\" alt=\"wells_genial\" width=\"200\" height=\"302\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/wells_genial.jpg 270w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/wells_genial-199x300.jpg 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: left;\">\/\/ <strong>Benedict Wells<\/strong> war ein literarischer Sp\u00e4tz\u00fcnder. Zumindest hinsichtlich der Aufmerksamkeit, welche ihm von Seiten der Verlage entgegen gebracht wurde. Das f\u00fchrte am Ende dazu, dass sein erster Roman erst nach dem zweiten ver\u00f6ffentlicht wurde. Wir wollen in diesem Zusammenhang mal chronologisch vorgehen und uns nach den Schaffensphasen der jeweiligen Werke richten. Sein Deb\u00fct \u201eSpinner\u201c dreht sich um einen zwanzigj\u00e4hrigen \u00dcberlebensk\u00fcnstler aus Berlin. In dem Werk, das der Autor bereits mit 19 Jahren verfasste, bringt er das Lebensgef\u00fchl einer Generation auf den Punkt, die sich jeden Tag mit zahllosen Alternativen herumschlagen muss. Welche Entscheidung am Ende getroffen wird, kann weitreichende Folgen mit sich bringen. Da ist es kein Wunder, dass manch einer sich einfach aus dem Spiel ausklinkt. Zunehmend stellt sich eine gewisse Orientierungslosigkeit beim Betroffenen ein, der sich nicht mehr im Stande dazu sieht, sein Leben in geregelte Bahnen zu lenken. Und irgendwann kann man die ganze Schei\u00dfe auch nicht mehr wegl\u00e4cheln. Die Vergangenheit holt einen unwiderruflich ein. Dunkle Wol<strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8138 alignleft\" title=\"wells_spinner\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/wells_spinner.jpg\" alt=\"wells_spinner\" width=\"157\" height=\"253\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/wells_spinner.jpg 261w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/wells_spinner-186x300.jpg 186w\" sizes=\"auto, (max-width: 157px) 100vw, 157px\" \/><\/strong>ken ziehen auf. Im Roman hei\u00dft es: \u201eIch legte das Bild mit meinem Vater weg. Ich wollte keiner von diesen Leuten sein\u201c. Und diese Leute, das sind diejenigen, die immer schon im Vorhinein alles besser gewusst haben. Diejenigen, die es immer schon geahnt haben. \u201eSpinner\u201c ist ein Buch, welches sehr intensiv das Innenleben seines Protagonisten ausleuchtet und mit zahlreichen ironischen Momenten gespickt ist. Auf den ersten Eindruck erscheint es demnach nur folgerichtig, dass die Orientierungslosigkeit auch in seinem zweiten Buch einen Platz in der ersten Reihe einnimmt. Die Story von \u201eBecks letzter Sommer\u201c dreht sich um einen Lehrer in der \u201eMidlife Crisis\u201c, der sich spontan dazu entschlie\u00dft, sein Leben umzukrempeln und nach Istanbul zu reisen. Zusammen mit einem Deutsch-Afrikaner und einem Musikgenie lernt er, was es bedeutet zu leben. Was auf den ersten Eindruck ziemlich kitschig klingt, entpuppt sich als glaubw\u00fcrdige Erz\u00e4hlung, welche seinem Autor unter anderem den \u201eBayrischen Kunstf\u00f6rderpreis\u201c einbrachte. Wenn Desillusion, Depression und Liebe zur Musik aufeinander prallen, kann das zwangsl\u00e4ufig eigentlich nur in Hoffnungslosigkeit m\u00fcnden. Trotzdem ist \u201eBecks letzter Sommer\u201c kein \u00fcberaus melodramatisches Werk. Es handelt von Menschen, die hin und wieder eine falsche Entscheidung getroffen haben und nun von den Konsequenzen eingeholt werden. Dass Wells die einzelnen Kapitel nach Songs von Bob Dylan benannt hat, erscheint nur folgerichtig, schlie\u00dflich wandeln sich die Charaktere i<strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8139\" title=\"wells_becks\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/wells_becks.jpg\" alt=\"wells_becks\" width=\"132\" height=\"211\" \/><\/strong>m Laufe der Geschichte ebenso wie das vielseitige, musikalische Schaffen dieses Ausnahmek\u00fcnstlers. Ob sie am Ende irgendwo ankommen? Ob das Leben noch mal einen Sinn f\u00fcr sie bereit h\u00e4lt, am Besten du liest selbst mal rein. Und schnappst dir hinterher noch den dritten Roman, den Benedict Wells in diesen Tagen aus dem \u00c4rmel sch\u00fcttelte. \u201eFast genial\u201c umreist das Leben eines jungen Menschen, dessen Mutter stirbt. Seinen Vater hat er nie kennen gelernt, wie auch &#8211; seine Mutter verr\u00e4t ihm schlie\u00dflich erst in ihrem Abschiedsbrief, dass Selbiger \u00fcberhaupt existiert. Francis Dean, so der Name des Protagonisten, ist demnach das Resultat einer Samenbank-Spende, was dazu f\u00fchrt, dass er fortan alles daran setzt, seinen echten Vater zu finden. Im Zentrum des Buches steht in diesem Zusammenhang anfangs noch die Suche nach dem Vater, zunehmend aber wandelt sich die Reise f\u00fcr das sympathische Dreiergespann zu einem lohnenswerten (Selbstfindungs-)Trip. Wer auf spannende Coming Of Age-Unterhaltung steht, sollte sich \u201eFast genial\u201c auf keinen Fall entgehen lassen. Wells absorbiert in seinen Romanen das Lebensgef\u00fchl verlorener Seelen, nur um Selbiges in reine Poesie zu \u00fcberf\u00fchren.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8142 alignleft\" title=\"lobo\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/lobo.jpg\" alt=\"lobo\" width=\"196\" height=\"298\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/lobo.jpg 277w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/lobo-197x300.jpg 197w\" sizes=\"auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px\" \/>\/\/ Wer gerne ein ganzes Sammelsurium an Wortneusch\u00f6pfungen der letzten Jahre durchst\u00f6bern m\u00f6chte, der ist bei Trend-Guru <strong>Sascha Lobo<\/strong> an der richtigen Adresse. \u201eWortschatz\u201c ist sein \u201eDuden f\u00fcr die Zukunft\u201c. Die unterhaltsame Kolumne aus der \u201eNeon\u201c hat er nun zu einem kleinen Schm\u00f6ker aufgeblasen, der all jenen gefallen sollte, die sich schon am \u201eUnn\u00fctzen Wissen\u201c erfreuten. \u201e698 neue Worte f\u00fcr alle Lebenslagen\u201c bekommt man vor den Latz geknallt und f\u00fchlt sich ganz vorz\u00fcglich unterhalten von Wortneusch\u00f6pfungen der Marke \u201eMailboxen\u201c und \u201ePhloskel\u201c. Mit seiner gewitzten Schreibe setzt Lobo neue Trends, er schenkt uns dar\u00fcber hinaus Begrifflichkeiten, die den rasanten gesellschaftlichen Entwicklungen unserer Zeit zumindest teilweise gerecht werden. Dieses Werk ist aufs Engste mit dem Zeitgeist verkn\u00fcpft und selbst, wenn nicht jedes Wort, das sich in diesem Almanach findet, auf Dauer in unseren gewohnten Sprachgebrauch einflie\u00dft, ist f\u00fcr ein hohes Ma\u00df an Kurzweil dennoch gesorgt. Es dauert n\u00e4mlich gar nicht allzu lange, bis man sich selbst dabei erwischt, wie man \u201eund\/oder\u201c durch \u201eunder\u201c ersetzt. Deshalb am besten eine Runde zum \u201eichsamen\u201c Menschen transformieren und in Zeiten der \u201eUnterlastung\u201c Schr\u00e4gstrich \u201eBangeweile\u201c dieses Buch zur Hand nehmen. Eine bessere Ablenkung vom \u00f6den Alltag wird man derzeit kaum finden. Und damit Schluss f\u00fcr heute. Bis zum n\u00e4chsten Mal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit aktuellen B\u00fcchern von Rafik Schami, Benedict Wells und Sascha Lobo. \/\/ Es soll ja tats\u00e4chlich Menschen geben, die Rafik Schami noch nicht kennen. Dabei kann der Autor auf eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Biografie verweisen: er wurde 1946 in Damaskus geboren, 1970 ist er von Syrien nach Deutschland gefl\u00fcchtet und hat 1979 sein Chemiestudium mit Promotion abgeschlossen. 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