{"id":8496,"date":"2011-12-21T18:57:17","date_gmt":"2011-12-21T17:57:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=8496"},"modified":"2011-12-21T20:21:32","modified_gmt":"2011-12-21T19:21:32","slug":"ich-entwaffne-mich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=8496","title":{"rendered":"\/\/ ich entwaffne mich"},"content":{"rendered":"<p><!--[if gte mso 9]><xml> <w:WordDocument> <w:View>Normal<\/w:View> <w:Zoom>0<\/w:Zoom> <w:HyphenationZone>21<\/w:HyphenationZone> <w:PunctuationKerning \/> <w:ValidateAgainstSchemas \/> <w:SaveIfXMLInvalid>false<\/w:SaveIfXMLInvalid> <w:IgnoreMixedContent>false<\/w:IgnoreMixedContent> <w:AlwaysShowPlaceholderText>false<\/w:AlwaysShowPlaceholderText> <w:Compatibility> <w:BreakWrappedTables \/> <w:SnapToGridInCell \/> <w:WrapTextWithPunct \/> <w:UseAsianBreakRules \/> <w:DontGrowAutofit \/> <\/w:Compatibility> <w:BrowserLevel>MicrosoftInternetExplorer4<\/w:BrowserLevel> <\/w:WordDocument> <\/xml><![endif]--><!--[if gte mso 9]><xml> <w:LatentStyles DefLockedState=\"false\" LatentStyleCount=\"156\"> <\/w:LatentStyles> <\/xml><![endif]--><!--[if gte mso 10]>\n<mce:style><!   \/* Style Definitions *\/  table.MsoNormalTable \t{mso-style-name:\"Normale Tabelle\"; \tmso-tstyle-rowband-size:0; \tmso-tstyle-colband-size:0; \tmso-style-noshow:yes; \tmso-style-parent:\"\"; \tmso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; \tmso-para-margin:0cm; \tmso-para-margin-bottom:.0001pt; \tmso-pagination:widow-orphan; \tfont-size:10.0pt; \tfont-family:\"Times New Roman\"; \tmso-ansi-language:#0400; \tmso-fareast-language:#0400; \tmso-bidi-language:#0400;} --><\/p>\n<p><!--[endif] --><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0.0001pt; text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 9.5pt; font-family: &quot;Courier New&quot;;\">Nein, mir fehlt es an beinahe nichts. Ich muss nicht in der U-Bahn meine eisigen, kaum mehr beweglichen Glieder aufw\u00e4rmen um dann irgendwo einen Schlafplatz zu suchen. <\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0.0001pt; text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 9.5pt; font-family: &quot;Courier New&quot;;\">Ich muss nicht darum bangen, dass kein Krankenhaus in dieser Stadt meine Operation durchf\u00fchrt, weil ich hier nur geduldet bin. Ich muss nicht dar\u00fcber weinen, dass mein Kind kein einziges von den Geschenken, die es sich w\u00fcnscht, zu Weihnachten bekommen kann. Und ihr alle, die ihr an Weihnachten liebe Menschen, ein warmes Zuhause und ein fabelhaftes Essen habt, freut euch nicht eures Lebens. Nein, aber genie\u00dft es so gut es geht und seid dankbar, so gut es geht. <\/span><span style=\"font-size: 9.5pt; font-family: &quot;Courier New&quot;;\"><!--more--><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0.0001pt; text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 9.5pt; font-family: &quot;Courier New&quot;;\">Leider geht das nicht immer so gut. Ich schaue hinaus in den Schnee und sch\u00e4me mich. Daf\u00fcr, dass ich alles habe und von einem zu viel. Von etwas, das kaum jemand ahnt. Das man nicht durch meine gl\u00fchenden Augen sehen kann. Durch meine sch\u00f6ne Schale. Durch meinen Tanz. <\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0.0001pt; text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 9.5pt; font-family: &quot;Courier New&quot;;\">Gestern lief ich auf die Stra\u00dfe. Der Nebel hauchte seine schwere Feuchte in den schwarzen Teer. In die Dunkelheit. In die kahlen B\u00e4ume. In die weiten Felder, von denen in dieser Nacht nichts blieb als graue Weite. Ich zog meine Schuhe aus. Obwohl es eiskalt war. Was ich tat sah ich nur durchs Mondlicht. Das immer wieder kurz zum Vorschein kam. Hinter den \u00fcber den Himmel rasenden Wolken. Verlassen war die Stra\u00dfe zu dieser Zeit, wie das Feld. Ich knotete die Schuhe an ihren Schn\u00fcren zusammen und legte sie mir \u00fcber die Schulter. Damit ich meine eisigen Finger in die Taschen stecken konnte. Ging aufs Feld. Jetzt. Jetzt konnte ich es vielleicht sp\u00fcren. Die kleinen, eisharten Stoppeln des Feldes. In meinen Fu\u00dfsohlen. An meiner Ferse. An meinen Zehen. Sie stachen sich in meine Haut. Nur ganz kurz, gerade so, dass ich ein Gef\u00fchl daf\u00fcr bekam. Dann hob ich meinen Fu\u00df f\u00fcr den n\u00e4chsten Schritt. <\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0.0001pt; text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 9.5pt; font-family: &quot;Courier New&quot;;\">Jetzt sehe ich ihn. Er ist auch barfu\u00df. Eine schwarze Silhouette mit wei\u00dfen F\u00fc\u00dfen im fahlen Licht. Laufen wir aufeinander zu. Die Waffen in unserer Gewahr. Er schwankt. Er schwankt hin und her beim laufen, oder schwanke ich? Ich wei\u00df es nicht mehr. Es ist zu kalt. Ich sp\u00fcre nichts bis auf das harte, eisige Stechen in meinen F\u00fc\u00dfen. <\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0.0001pt; text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 9.5pt; font-family: &quot;Courier New&quot;;\">Dann steht er vor mir. Ich vor ihm. Wir uns gegen\u00fcber. Doch wir k\u00f6nnen nicht stehen bleiben, weil das Stechen zu stark ist. Wir m\u00fcssen laufen. Jetzt ist es zu sp\u00e4t. Die F\u00fc\u00dfe sind zu kalt, sie lassen sich nicht mehr bewegen, nicht in Schuhe stecken. Ich werfe sie weg. Und sehe ihn an. Wir laufen um einander herum, um das Stechen zu ertragen. Wie Tiger. Im Kreis. Umzingeln wir uns. Jeder denkt an seine Waffen. Sicher. So bann mich, bann mich! Ich banne dich! Keiner wird hier seine Hand ausstrecken, keiner wird hier das Schwert senken, keiner wird aufh\u00f6ren, geduckt den anderen zu umzingeln. Schneller, schneller. Gleich wird es passieren, gleich, ich warte darauf, meine F\u00fc\u00dfe pulsieren im Stechen der K\u00e4lte, gleich, Jetzt: <\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0.0001pt; text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 9.5pt; font-family: &quot;Courier New&quot;;\">Deine Augen fangen mich. Ich dich. Hitze durchbricht mich. Meine nackten F\u00fc\u00dfe zwingen mich in die Knie. Ich sinke zu Boden. In den Schnee. Ich muss den Blick abwenden. H\u00f6re nur noch, wie auch er zu Boden f\u00e4llt. Wir haben uns besiegt. <\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0.0001pt; text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 9.5pt; font-family: &quot;Courier New&quot;;\">Jetzt k\u00f6nnen wir weiter leben. Ohne diese durchdringende Gefahr. Jetzt sind wir besiegt. Ich bin noch zu schwach, um aufzustehen. Krieche \u00fcber den Schnee. Falle wieder zu Boden. Muss weiter gehen. Nehme alle Kraft zusammen und gehe weiter. Die Gefahr ist jetzt besiegt. Gehe weiter, mit den Waffen in meiner Gewahr. Geh! <\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0.0001pt; text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 9.5pt; font-family: &quot;Courier New&quot;;\">Ein letztes Mal drehe ich mich um. Jetzt, wo ich am Boden liege. Werfe einen letzten Blick zur\u00fcck. Auf den Kampfplatz. Auf ihn. Auf mich. Es durchzuckt mich. Ich breche erneut zusammen. Nein! Die Gefahr ist nicht besiegt. Sie wird es nie sein. Sie ist in mir. Ich will schreien, ich will etwas rufen, doch meine Lippen sind taub und klamm. Mein Atem schwer und im Bann. Zum rufen ist es zu sp\u00e4t. <\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0.0001pt; text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 9.5pt; font-family: &quot;Courier New&quot;;\">Ja, ich habe fast alles und von einem zu viel. Ich stehe auf. Treibe meine eiskalten Glieder weiter. Auch wenn es zu<span> <\/span>sp\u00e4t ist, tue ich endlich das einzig richtige. In deinem fahlen Licht, Mond, unter den rasenden Wolken: <\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0.0001pt; text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 9.5pt; font-family: &quot;Courier New&quot;;\">Ich entwaffne mich.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0.0001pt; text-align: center;\"><strong>*<\/strong><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0.0001pt; text-align: justify;\"><strong>Hanna Wind<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich schaue hinaus in den Schnee und sch\u00e4me mich. Daf\u00fcr, dass ich alles habe und von einem zu viel. Von etwas, das kaum jemand ahnt. 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