{"id":9259,"date":"2012-03-30T13:41:38","date_gmt":"2012-03-30T12:41:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=9259"},"modified":"2012-03-30T13:42:06","modified_gmt":"2012-03-30T12:42:06","slug":"aufgelesen-vol-35-ich-furchte-mich-vor-erscheinungen-die-ich-nicht-selbst-erfunden-habe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=9259","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. 35 &#8211; &#8222;ich f\u00fcrchte mich vor erscheinungen, die ich nicht selbst erfunden habe&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\"><em>mit neuen B\u00fcchern von Benjamin Stein, Christoph Braun, Ernest Cline, David Monteagudo und P\u00e9ter N\u00e1das.<\/em><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-9260\" title=\"stein\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/stein.jpg\" alt=\"stein\" width=\"200\" height=\"334\" \/>\/\/ Wer sich an Filmen der Marke \u201eStrange Days\u201c oder \u201eMatrix\u201c erfreut, der d\u00fcrfte auch an dem aktuellen Roman von <strong>Benjamin Stein<\/strong> Gefallen finden. In \u201eReplay\u201c erz\u00e4hlt er von den Folgen der Digitalisierung, wie sie in nicht allzu ferner Zukunft uns alle ereilen k\u00f6nnten. Der Protagonist des Werkes ist ein gewisser Ed Rosen &#8211; ein ehemaliger Software-Entwickler eines Implantats, das eine gewisse Form der Gleichzeitigkeit schafft. Mit Hilfe dieses Chips kann er die Sinneswahrnehmungen von Menschen so protokollieren, dass sie in sogenannten \u201eReplays\u201c unendlich oft wiederholbar werden. Doch nicht nur das: die eigene Vergangenheit ist auch ver\u00e4nderbar, was das Implantat zu einem \u00e4u\u00dferst begehrten Tool f\u00fcr einige gierige Individuen macht. Nach der \u201eInstallation\u201c kann sich der Nutzer aber nicht nur in die Vergangenheit zur\u00fcckversetzen, er steht in diesem Zusammenhang auch komplett unter der Kontrolle des Herstellers. Womit der Autor die Frage aufwirft: Wie viel Privatsph\u00e4re sind wir bereit aufzugeben, um unser Leben reizvoller und einfacher gestalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Sind wir tats\u00e4chlich bereit uns von Mega-Konzernen in den Kopf sehen zu lassen, um die Vorz\u00fcge einer bestimmten technischen Neuerung zu nutzen? Schaut man sich die steigenden User-Zahlen diverser sozialer Netzwerke an, kann einem schon mal angst und bange werden bei dieser Frage. Und so gelingt es dem Berliner Autor und Tukan-Preistr\u00e4ger der Stadt M\u00fcnchen, den Leser selbst mit der zunehmenden Transparenz seiner T\u00e4tigkeiten (und Wunschvorstellungen) zu konfrontieren. \u201eReplay\u201c ist ein au\u00dferordentlich verst\u00f6render Zukunftsroman. Er zeigt auf, was passiert, wenn die Grenzen zwischen Realit\u00e4t und Fiktion sich aufl\u00f6sen. Er macht deutlich, welche Macht wir den Herstellern zukunftsweisender Technologien in die H\u00e4nde legen. Er erz\u00e4hlt die Geschichte von Selbstbestimmung und Kontrolle. Er wirft schlicht und ergreifend die Frage auf: wie wollen wir leben\u2026 frei oder fremdbestimmt?<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-9261\" title=\"braun\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/braun.jpg\" alt=\"braun\" width=\"262\" height=\"358\" \/>\/\/ Um Landarbeit und Popkultur dreht sich der Blog hacken.spex.de, welcher im Jahr 2009 von <strong>Christoph Braun<\/strong> ins Leben gerufen wurde. In seinem Buch \u201eHacken\u201c geht\u2019s ums digitale Hacken, aber auch ums reale Hacken. Das Werk dreht sich um einen jungen Menschen, der von Berlin aufs Land zieht und dort zunehmend vom Zauber des Landlebens \u00fcbermannt wird. Christoph Braun landet schlie\u00dflich in einem 1320-Seelen-Dorf namens Evessen im Landkreis Wolfenb\u00fcttel. Er hat das Ziel, das digitale Landleben zu erforschen. Seine anfangs sehr distanzierte, beinahe \u00fcberhebliche Haltung gegen\u00fcber dem Leben auf dem Dorf, weicht zunehmend einer gewissen Faszination f\u00fcr das, was er dort erlebt. Selbst in den Prozess des Lebens einzugreifen, erscheint ihm pl\u00f6tzlich ebenso naheliegend, wie als Computerexperte fremde Websites zu hacken. \u201eDas erste Hacken also l\u00f6ste einen Enthusiasmus in mir aus. Die neuartige Arbeit vermag ein Hochgef\u00fchl in mir zu erzeugen und die M\u00fcdigkeit, die meinen K\u00f6rper hinterher bef\u00e4llt, geh\u00f6rt zu dieser Erfahrung dazu\u201c, schreibt der Autor im Abschnitt \u201eDie H\u00f6fe von Eilum\u201c. Und setzt das Ganze immer in einen Kontext zur zunehmenden Digitalisierung. \u201eSchreiben erm\u00fcdet nur den Geist, hinterl\u00e4sst jedoch einen tr\u00e4gen, sedierten K\u00f6rper. Die Arbeitsschritte im Garten dagegen lassen jeden Arbeitsschritt nachwirken, noch in jedem winzigen Muskel in der Hand und im Pochen der Schl\u00e4fen. (\u2026) Der K\u00f6rper, das ganz System gl\u00fcht nach.\u201c Christoph Braun gelingt es in diesem Werk Zusammenh\u00e4nge zu entdecken, die man auf den ersten Blick nicht erkennbar sind. Eben deshalb ist es ein absolutes Vergn\u00fcgen \u2013 nicht nur f\u00fcr Landeier und Computer-Nerds &#8211; sich dieses Werk zu Gem\u00fcte zu f\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;,&quot;serif&quot;;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-9262\" title=\"cline\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/cline.jpg\" alt=\"cline\" width=\"221\" height=\"352\" \/>\/\/ \u201eZur\u00fcck in die Zukunft\u201c-Fans aufgepasst. Der texanische DeLorean-Besitzer und \u201eFanboys\u201c-Drehbuchautor <strong>Ernest Cline<\/strong> hat seinen ersten Roman ver\u00f6ffentlicht. \u201eReady Player One\u201c spult den Leser ins Jahr 2044 und skizziert das trostlose Bild einer Gesellschaft, die am Ende angelangt ist. Die \u00d6lvorr\u00e4te sind abgepumpt und die Klimakatastrophe eingetreten. Statt sich aber mit den Konsequenzen ihres Handelns auseinander zu setzen, fl\u00fcchten sich die Menschen zunehmend in eine Scheinwelt namens OASIS. Selbige ist ein virtuelles Wunderland, in dem sich ein geheimnisvoller Schatz befindet. Er beinhaltet den Schl\u00fcssel zum Reichtum des verstorbenen Erfinders dieses virtuellen Universums: James Halliday. Um allerdings an das Objekt der Begierde zu kommen, m\u00fcssen zuvor zahlreiche R\u00e4tsel gel\u00f6st werden. Bl\u00f6derweise hat noch nicht ein einiziger Mensch das erste Level \u00fcberstanden, au\u00dfer ein Typ namens Wade, an dessen Spuren sich fortan zahlreiche Verfolger heften. Der einzige Ausweg f\u00fcr den wagemutigen Kerl ist es, das Spiel zu Ende zu bringen. In diesem Zusammenhang muss er sich selbst irgendwann mit der Frage auseinander setzen, wie viel er f\u00fcr das Erreichen des Ziels aufs Spiel zu setzen bereit ist. Denn des R\u00e4tsels L\u00f6sung bedroht seine eigene Existenz in OASIS. Dem Autor gelingt es eine rasante Achterbahnfahrt an \u00fcberraschenden Wendungen aus dem \u00c4rmel zu sch\u00fctteln und den Leser gleichzeitig mit einigen existenziellen Fragestellungen zu konfrontieren. Au\u00dferdem bekommt man eine geh\u00f6rige Portion Gesellschaftskritik vor den Latz geknallt. All das macht \u201eReady Player One\u201c zu einem fantastischen Vergn\u00fcgen, das mit zahlreichen Seitenhieben auf 80er-Kult-Streifen der Marke Goonies, Ghostbusters, Clockwork Orange oder Zur\u00fcck in die Zukunft (was auch sonst?!) gespickt ist. Ein bemerkenswertes, \u00e4u\u00dferst rasantes Buch. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;,&quot;serif&quot;;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-9263\" title=\"monende\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/monende.jpg\" alt=\"monende\" width=\"270\" height=\"449\" \/><\/span>\/\/ In klassischer Horrorfilm-Dramaturgie schreitet der spanische \u00dcberraschungsbestseller \u201eEnde\u201c aus der Feder von <strong>David Monteagudo<\/strong> voran. Die Geschichte dreht sich um neun Personen, die sich f\u00fcr ein entspanntes Wochenende auf einer Bergh\u00fctte verabreden. Einst waren diese Menschen mal sehr gut befreundet, aber in den letzten Jahren haben sie sich irgendwie aus den Augen verloren. Schlag Mitternacht \u00fcberschlagen sich pl\u00f6tzlich die Ereignisse. Der Strom ist weg, die Handys haben keinen Empfang mehr und die Autos lassen sich nicht mehr starten. Pl\u00f6tzlich ertrinkt die ganze Szenerie in einer seltsamen Stille, die allen Anwesenden zunehmend Angst einfl\u00f6\u00dft. W\u00e4hrend einige G\u00e4ste zu Beginn noch versuchen, die sonderbaren Ereignisse mit Scherzen zu \u00fcberspielen werden anderen zunehmend panisch. Dann verschwindet auch noch einer aus der Gruppe und beim Fu\u00dfmarsch in Richtung Tal kommen weitere Gruppenmitglieder abhanden. Es scheint fast so, als w\u00fcrden sich die Menschen in Luft aufl\u00f6sen. Noch besser: als w\u00fcrden sie vom \u201eNichts\u201c verschluckt. David Monteagudo gelingt es mit simplen Mitteln eine irrwitzige Spannung aufzubauen. Er spielt mit dem Nichtwissen seiner Leser und so bricht sich im Kopf des Beobachters eine Flut von Theorien Bahn, die einen nach dem Weglegen des Werkes noch stundenlang besch\u00e4ftigen. In gewisser Weise l\u00e4sst sich der Roman deshalb auch als Parabel auf die zunehmende \u00dcbers\u00e4ttigung an Sinneseindr\u00fccken lesen, welcher wir im digitalen Zeitalter ausgesetzt sind. Der Autor wirft mit seiner Geschichte die Frage auf, was da wohl alles im Verborgenen haust, wenn pl\u00f6tzlich das Licht ausgeht. Ein irritierendes, \u00e4u\u00dferst be\u00e4ngstigendes Werk, das einen nicht mehr losl\u00e4sst.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-9264\" title=\"nadas\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/nadas.jpg\" alt=\"nadas\" width=\"209\" height=\"321\" \/>\/\/ Ein echtes Mammut-Werk namens \u201eParallelgeschichten\u201c ist zuletzt im \u201eRowohlt\u201c-Verlag \u2013endlich auch hierzulande &#8211; erschienen. Sechs Jahre hat die \u00dcbersetzung des ungarischen Werkes in Anspruch genommen und die Arbeit hat sich gelohnt. Ein solch vielschichtiges und berauschendes Werk hat man schon seit geraumer Zeit nicht mehr pr\u00e4sentiert bekommen. Passend dazu erscheint ebenfalls bei \u201eRowohlt\u201c der Begleitband \u201eLesen\u201c und pr\u00e4sentiert uns eine 230seitige \u201eEinf\u00fchrung in den Gedankenkosmos eines der gr\u00f6\u00dften Schriftsteller unserer Zeit\u201c. Das Begleitwerk zu von <strong>P\u00e9ter N\u00e1das<\/strong>\u00b4 Roman (welches eigentlich gar keines sein soll) regt in diesem Zusammenhang dazu an, noch tiefer in den \u201eParallelgeschichten\u201c einzutauchen. Man erf\u00e4hrt zahlreiche Hintergr\u00fcnde zu den einzelnen Episoden, st\u00f6\u00dft auf Postkarten und Fotos, die den Autor zu einzelnen Passagen inspirierten und bekommt dar\u00fcber hinaus zahlreiche Interpretationsans\u00e4tze f\u00fcr die vertrackte Geschichte pr\u00e4sentiert. Ebenfalls interessant zu lesen sind die Anekdoten zum langwierigen \u00dcbersetzungsprozess von N\u00e1das Geschichte. \u201eLesen\u201c ist in diesem Zusammenhang weit mehr als nur ein Buch \u00fcber ein Buch. Es liefert zahlreiche erg\u00e4nzende Passagen, die zum Verstehen der urspr\u00fcnglichen, sehr komplexen Erz\u00e4hlung beitragen und schafft ein gewisses Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Intention des Autors. Wer rundum in das Universum der \u201eParallelgeschichten\u201c eintauchen m\u00f6chte, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Also viel Spa\u00df beim \u201eLesen\u201c. Bis zur n\u00e4chsten Leserunde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit neuen B\u00fcchern von Benjamin Stein, Christoph Braun, Ernest Cline, David Monteagudo und P\u00e9ter N\u00e1das. \/\/ Wer sich an Filmen der Marke \u201eStrange Days\u201c oder \u201eMatrix\u201c erfreut, der d\u00fcrfte auch an dem aktuellen Roman von Benjamin Stein Gefallen finden. 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