{"id":9325,"date":"2012-04-08T09:18:08","date_gmt":"2012-04-08T08:18:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=9325"},"modified":"2012-04-08T09:20:19","modified_gmt":"2012-04-08T08:20:19","slug":"aufgelesen-vol-37-when-i-was-young","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=9325","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. 37 &#8211; &#8222;when i was young&#8230;&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNoSpacing\"><em>mit neuen B\u00fcchern von David Foster Wallace, <span>Jasmin Ramadan, Mark Z. Danielewski, Jon Ronson und Jonathan Safran Foer.<\/span><\/em><\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-9326\" title=\"davidfosterwallace\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/davidfosterwallace.jpg\" alt=\"davidfosterwallace\" width=\"200\" height=\"316\" \/>\/\/ Weil es ziemlich nervig sein kann, endlos auf die \u00dcbersetzung von bestimmten B\u00fcchern zu warten, haben wir uns entschlossen in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden hier auch diverse Originalausgaben zu besprechen. Im Fall von <strong>David Foster Wallace<\/strong> macht das schon allein deshalb Sinn, weil die \u00dcbersetzung seinen \u00dcber-Werks \u201eUnendlicher Spa?\u201c wirklich eine Unendlichkeit gedauert hat. Mit \u201eThe Pale King\u201c ist nun vor kurzem sein letztes Werk in den Vereinigten Staaten ver\u00f6ffentlicht worden und es ist mehr eine Text-Kreation, als ein eigenst\u00e4ndiges Buch. Es ist kurz gesagt: die Hinterlassenschaft von David Foster Wallace, der sich vor vier Jahren in seinem Haus erh\u00e4ngt haben soll.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\">Der Autor hatte lange Zeit an Depressionen gelitten und in seinen Werken immer wieder seine Distanz zum Alltag der Menschen deutlich gemacht. Unvergessen ist bis heute seine Abhandlung \u00fcber eine Kreuzfahrtreise, die man unbedingt gelesen haben sollte. In Deutschland ist sie unter dem Namen \u201e<span>Schrecklich am\u00fcsant &#8211; aber in Zukunft ohne mich\u201c erschienen. Durch seine Beobachtungsgabe ist er mit den Jahren zu einem der wichtigsten amerikanischen Schriftsteller der Neuzeit avanciert, weshalb sein Verlust nur umso mehr schmerzt. In seinem neuen Roman dreht sich im Grunde genommen alles ums Ausf\u00fcllen einer Steuererkl\u00e4rung. Zumindest im \u00fcbertragenen Sinne. Das Werk spielt in der amerikanischen Steuerbeh\u00f6rde IRS und dreht sich um die unterschiedlichsten Personen, welche dort ein und ausgehen. David Foster Wallace setzt sich mit ihren W\u00fcnschen und Hoffnungen auseinander und beschreibt, wie sie die Eint\u00f6nigkeit ihres Handelns beeinflusst. Die einzelnen Kapitel sind in diesem Zusammenhang nur lose verkn\u00fcpft, was aber nicht weiter st\u00f6rt, weil es dem Autor abermals gelingt, geschickt mit den einzelnen Blickwinkeln der Beteiligten zu spielen und den Leser so bei der Stange zu halten. Wer also nicht warten m\u00f6chte, bis die langwierige \u00dcbersetzungsarbeit des Buches vollendet ist, sollte mal in der \u00f6rtlichen Buchhandlung nach der Originalausgabe aus dem \u201eHamish Hamilton\u201c-Verlag fragen. Es lohnt sich einen David Foster Wallace mal im Original gelesen zu haben. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-9327\" title=\"ramadan\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/ramadan-681x1024.jpg\" alt=\"ramadan\" width=\"241\" height=\"363\" \/>\/\/ B\u00fccher \u00fcber durchgeknallte Familienverh\u00e4ltnisse gibt es ja schon genug. Genauso wie Serien, die das Dilemma der jeweiligen Protagonisten in diesem Zusammenhang zu umrei\u00dfen versuchen (siehe als gelungenes Beispiel die Reihe \u201eShameless\u201c, die sowohl in der britischen, als auch amerikanischen Variante \u00e4u\u00dferst gelungen umgesetzt worden ist). Die Hamburger Autorin <strong>Jasmin Ramadan <\/strong>hat sich trotzdem noch einmal des Themas angenommen und erz\u00e4hlt die Geschichte einer gewissen Celestine, die ihre Jugend im \u201ehanseatischen Unterlassen-Milieu\u201c verbringt. Die Mutter hat sie kurz nach ihrer Geburt sitzen lassen und der Vater ist stolzer Besitzer einer Frittenbude. \u201eStine\u201c aber f\u00fchlt sich zu h\u00f6herem berufen und m\u00f6chte raus aus ihrem bisherigen Umfeld. Die Protagonistin des Buches m\u00f6chte vor allem eins: Unabh\u00e4ngig sein. Bereits im Rahmen der ersten Passagen, in denen Stine erkl\u00e4rt wird, wie man einen Tampon benutzt, w\u00e4hrend die liebe Ramona gleichzeitig versucht eine Tiefk\u00fchltorte zu f\u00f6hnen und sich noch dazu bei diesen Erkl\u00e4rungsversuchen einige Halswirbel verrenkt\u2026 bereits hier stellt die Autorin ihr Talent f\u00fcr Situationskomik unter Beweis. Davon wiederum lebt das Buch, welches im Gro\u00dfen und Ganzen vor Allem den Selbstfindungsprozess einer jungen Frau beschreibt. Der lockere Schreibstil der Verfasserin macht \u201eDas Schwein unter den Fischen\u201c zu einem nicht \u00e4u\u00dferst am\u00fcsanten und rasanten Unterfangen. Soll hei\u00dfen: das Werk ist ein wirklich gelungener \u201eComing Of Age\u201c-Roman, welchen sich alle Fans von \u201eJuno\u201c bis \u201eParty Of Five\u201c unbedingt mal zu Gem\u00fcte f\u00fchren sollten.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-large wp-image-9328\" title=\"danielewski\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/danielewski-1024x686.jpg\" alt=\"danielewski\" width=\"463\" height=\"310\" \/>\/\/ Und um es gleich vorweg zu nehmen: \u201eOnly Revolutions\u201c ist ein Ereignis. Vielleicht erinnert sich noch jemand an Jan Brandts epischen Roman \u201eGegen die Welt\u201c aus dem vergangenen Jahr, als sich irgendwann die Geschichte in zwei H\u00e4lften teilte und der Leser parallel unterschiedliche Sichtweisen einnehmen durfte. Der New Yorker Autor <strong>Mark Z. Danielewski<\/strong> \u00fcberf\u00fchrt dieses Stilmittel nun auf ein komplettes Buch und zieht den Leser damit unmittelbar in einen Sog der Emotionen. Die Geschichte dreht sich um zwei Teenager namens Sam und Hailey. Dar\u00fcber hinaus wird es schon relativ schwierig den Plot in wenigen S\u00e4tzen zusammenzufassen, denn \u201eOnly Revolutions\u201c ist ein \u00e4u\u00dferst interpretationsf\u00e4higes Werk. Jedenfalls kurven die beiden jungen Leute quer durch die Geschichte \/ diverse amerikanische St\u00e4dte und erz\u00e4hlen jeweils aus ihrer eigenen Perspektive von den unterschiedlichen Ereignissen, welche sie dabei erleben. Kein Wunder das die \u00dcbersetzungsarbeit dieses W\u00e4lzers volle sechs Jahre in Anspruch genommen hat. Ein gro\u00dfer Teil des Buches ist in Gedichtform verfasst und die Typografie ist ein Geniestreich. Man muss in diesem Zusammenhang jeweils nach acht Seiten das Buch um die eigene Achse drehen, um die Geschichte chronologisch nachzuvollziehen (man kann sich aber auch dar\u00fcber hinwegsetzen \u2013 wodurch in diesem Zusammenhang zahlreiche weitere Deutungsans\u00e4tze des Erlebten entstehen). Ansonsten dreht sich das Werk vorwiegend um die gro\u00dfe Liebe und die Verwirklichung des amerikanischen Traums. Es thematisiert die schlimmsten und sch\u00f6nsten Momente eines Lebens. Warum sich die beiden Protagonisten in diesem Zusammenhang praktisch hinters Steuer jeder amerikanischen Auto-Marke setzen, bleibt ebenso interpretationsf\u00e4hig, wie die eigenwillige Sprache des Romans, die treffend ins Deutsche \u00fcberf\u00fchrt wurde. Wer von einem Roman eine Achterbahnfahrt der Emotionen erwartet, wird hier bedient. \u201eOnly Revolutions\u201c ist ein ganz besonderes Buch.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-9329\" title=\"ronson\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/ronson.jpg\" alt=\"ronson\" width=\"258\" height=\"371\" \/>\/\/ Der Londoner Journalist und Radiomoderator <strong>Jon Ronson<\/strong> war nicht nur Kolumnist beim renommierten \u201eGuardian\u201c, sondern hat in der Vergangenheit auch die Vorlage zu dem wunderbaren Streifen \u201eM\u00e4nner die auf Ziegen starren\u201c verfasst, welcher 2010 mit George Clooney in der Hauptrolle verfilmt worden ist. Sein aktuelles Werk ist eine \u00e4u\u00dferst schr\u00e4ge, aber dennoch lesenswerte Angelegenheit. In \u201eDie Psychopathen sind unter uns\u201c beginnt Ronson sich der Schattenseite der menschlichen Psyche anzunehmen und st\u00f6\u00dft auf \u00dcberraschendes. Er stellt fest, dass sich der Psychopath meistens hinter einer geh\u00f6rigen Portion Charisma versteckt. Der Autor f\u00fchrt seine Leser in diesem Zusammenhang erst einmal in die psychologische Fakult\u00e4t einer Londoner Universit\u00e4t. Als ihm irgendwann ein anerkannter Psychopathen-Test, die so genannte \u201ePCL-R-Checkliste\u201c, in die H\u00e4nde f\u00e4llt, beginnt er pl\u00f6tzlich sein gegenw\u00e4rtiges Umfeld auf psychische St\u00f6rungen abzuklopfen und st\u00f6\u00dft vor allem in elit\u00e4ren Kreisen auf Erstaunliches. Doch damit nicht genug: Irgendwann m\u00fcssen sogar die Freunde des Autoren dran glauben. Gegen Ende f\u00fchlt man sich fast schon, als w\u00e4re der Wahnsinn in unserem Leben nahezu dauerhaft pr\u00e4sent \u2013 die Grenzen verschwimmen und man kommt als Leser zunehmend ins Gr\u00fcbeln. Wie die ganze Geschichte endet? Am besten du findest es selbst heraus. Es lohnt sich.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-9331\" title=\"safran2\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/safran2.jpg\" alt=\"safran2\" width=\"155\" height=\"260\" \/>\/\/ Ebenfalls im der englischen Original ist inzwischen auch hierzulande das Buch \u201eEating Animals\u201c von <strong>Jonathan Safran Foer <\/strong>erh\u00e4ltlich. Das ist zwar schon eine Weile auf dem Markt, soll hier aber unbedingt Erw\u00e4hnung finden. Der Autor sagt von sich selbst: \u201eIch liebe W\u00fcrste, aber ich esse sie nicht\u201c. Und genau das ist der Ausgangspunkt f\u00fcr sein Werk. Der frisch gebackene Vater setzt sich im Rahmen des Buches mit seinen Ern\u00e4hrungsgewohnheiten auseinander. Er stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage: Warum essen wir Tiere? Und k\u00f6nnen wir an diesem Umstand festhalten, wenn wir uns als Menschen intensiver mit ihnen besch\u00e4ftigen? Der Autor macht sich auf das herauszufinden und spricht mit zahlreichen Wissenschaftlern. Sogar in diverse Tier-Farmen bricht er ein, um sich selbst ein Bild von der Situation dort zu verschaffen. Er konfrontiert die Menschen mit der Massentierhaltung und stellt sich immer wieder die Frage, ob er so etwas weiter mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Zunehmend wird dem Protagonisten deutlich: es gibt eigentlich keine Rechtfertigung daf\u00fcr Fleisch zu essen. Die bildhafte und facettenreiche Sprache des Autors machen einem nicht nur das Werk, sondern auch den Verzicht auf Fleisch schmackhaft. \u201eTiere essen\u201c ist ein smartes Buch \u00fcber ein dringliches Thema. Dar\u00fcber hinaus ist die Original-Ausgabe auch aufgrund ihres Layouts interessant, das immer wieder mit g\u00e4ngigen Konventionen bricht und den rasanten Lesefluss f\u00f6rdert. Womit wird dann auch schon wieder am Ende w\u00e4ren f\u00fcr heute. Bis zum n\u00e4chsten Mal.<span> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit neuen B\u00fcchern von David Foster Wallace, Jasmin Ramadan, Mark Z. Danielewski, Jon Ronson und Jonathan Safran Foer. \/\/ Weil es ziemlich nervig sein kann, endlos auf die \u00dcbersetzung von bestimmten B\u00fcchern zu warten, haben wir uns entschlossen in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden hier auch diverse Originalausgaben zu besprechen. Im Fall von David Foster Wallace macht das [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-9325","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category--unter-der-haut"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9325","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9325"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9325\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9336,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9325\/revisions\/9336"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9325"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9325"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9325"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}