{"id":9771,"date":"2012-07-04T07:26:00","date_gmt":"2012-07-04T06:26:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=9771"},"modified":"2012-07-04T07:26:28","modified_gmt":"2012-07-04T06:26:28","slug":"aufgelesen-vol-45-nicht-nur-die-zeit-war-in-aufruhr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=9771","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. 45 &#8211; &#8222;nicht nur die zeit war in aufruhr&#8230;&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNoSpacing\"><em>mit neuen B\u00fcchern von John Niven, J\u00fcrgen Teipel, Viola Di Grado, Jean-Michel Guenassia und Sergej Minajew.<\/em><\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-9769\" title=\"john-niven\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/john-niven.jpg\" alt=\"john-niven\" width=\"200\" height=\"317\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/john-niven.jpg 300w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/john-niven-189x300.jpg 189w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/>\/\/ Nachdem uns <strong>John Niven<\/strong> bereits vor geraumer Zeit mit seinem \u201eKill Your Friends\u201c-Update \u201eGott bewahre\u201c begl\u00fcckt hat, wirft er nun schon wieder ein neues Buch auf den Markt. \u201eMusic From Big Pink\u201c ist in diesem Zusammenhang zwar nicht ganz so umfangreich, wie die<span> <\/span>Schm\u00f6ker zuvor, lesenswert aber ist der Roman allemal. Das liegt auch daran, dass sich der Autor wie schon in \u201eKill Your Friends\u201c seiner Paradedisziplin widmet. Er nimmt ein St\u00fcck Zeitgeschichte und dichtet sie anschlie\u00dfend ein klein wenig um. In diesem Fall schnappt er sich den Albumklassiker \u201eMusic From Big Pink\u201c von der Gruppe The Band<span> <\/span>und erfindet kurzerhand eine eigene Entstehungsgeschichte dazu.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\">Das ist nicht nur frech, das funktioniert auch \u00fcberraschend gut und d\u00fcrfte jedem Rockmusik-Fan das eine oder andere Schmunzeln ins Gesicht zaubern. Die Geschichte selbst dreht sich haupts\u00e4chlich um den kleinen Drogendealer Greg Keltner, der nebenbei selbst Musiker ist und in New York lebt. Zusammen mit seinem Freund Alex zieht er eines Tages nach Woodstock und heftet sich an die Spuren von The Band und deren Manager Albert Grossmann. W\u00e4hrend er die Jungs schlie\u00dflich mit dem hei\u00dfesten Schei\u00df an illegalen Substanzen versorgt, darf er auch den Studioaufnahmen des The Band-Klassikers lauschen und findet sich pl\u00f6tzlich mittendrin wieder in seiner eigenen, gro\u00dfen \u201eMusikgeschichte\u201c. John Niven gelingt es mit \u201eMusic From Big Pink\u201c den vielen Geschichten um Bob Dylan und seine Musik eine weitere hinzuzuf\u00fcgen, ohne dass es irgendwie gestellt anmuten w\u00fcrde. Das sch\u00f6nste aber ist, dass man nach dem Lesen des Buches fast zwangsl\u00e4ufig zur Musik greifen m\u00f6chte, um diese legend\u00e4re Platte noch einmal aufs Neue f\u00fcr sich zu entdecken.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-9770\" title=\"jurgen-teipel\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/jurgen-teipel.jpg\" alt=\"jurgen-teipel\" width=\"237\" height=\"380\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/jurgen-teipel.jpg 299w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/jurgen-teipel-187x300.jpg 187w\" sizes=\"auto, (max-width: 237px) 100vw, 237px\" \/>\/\/ \u201eVerschwende deine Jugend\u201c von <strong>J\u00fcrgen Teipel<\/strong> hat inzwischen schon elf Jahre auf dem Buckel. Doch bis heute hat das Werk des ehemaligen Herausgebers der Punkzeitschrift \u201emarionett\u201c nichts von seinem Reiz verloren. Eigentlich ist \u201eVerschwende deine Jugend\u201c gar kein Buch im eigentlichen Sinn. Es ist vielmehr eine Collage der unterschiedlichsten Meinungen von zahllosen Protagonisten aus dem Punkrock-Bereich. Das gr\u00f6\u00dfte Wunder in diesem Zusammenhang ist es, dass es Teipel tats\u00e4chlich gelingt diesen Wust an Anekdoten und Geschichten in eine richtige Erz\u00e4hlung zu verwandeln. In \u201eVerschwende deine Jugend\u201c finden sich Zitate von \u00fcber 100 Protagonisten und Teipel w\u00fcrfelt sie so zusammen, dass sie wie aus einem Guss erscheinen. In diesem Zusammenhang werden nicht nur die zahllosen Widerspr\u00fcche in den Geschichten der einzelnen Interviewpartner deutlich, es entsteht auch ein \u00e4u\u00dferst differenziertes Bild<span> <\/span>einer Jugendkultur, die bis heute weiterlebt. Neben bekannten Musikerin wie Campino, Blixa Bargeld und den Fehlfarben kommen dabei auch zahlreiche Menschen zu Wort, die heute au\u00dferhalb der Szene schon lange in Vergessenheit geraten sind. Dar\u00fcber hinaus wurde dem Werk neben einem funkelnagelneuen Outfit, auch noch ein aktuelles Vorwort verpasst. Wer sich ernsthaft mit der Geschichte von \u201ePunk\u201c und \u201eNew Wave\u201c auseinander setzen m\u00f6chte, kommt an diesem Werk nicht vorbei. Und sollte sich hinterher vielleicht gleich noch das Buch \u201eDer Klang der Familie\u201c nach Hause holen, das einen \u00e4hnlichen Ansatz f\u00e4hrt und ebenfalls von J\u00fcrgen Teipel begleitet wurde.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-9772\" title=\"viola-digrado\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/viola-digrado.jpg\" alt=\"viola-digrado\" width=\"236\" height=\"363\" \/>\/\/ Eine junge, italienische Autorin Anfang 20 wickelt uns derweil mit ihrem aktuellen Roman \u201eSiebzig Acryl, drei\u00dfig Wolle\u201c um den Finger. <strong>Viola Di Grado<\/strong> aus Sizilien wurde im vergangenen Jahr in ihrem Heimatland bereits mit zahlreichen Preisen \u00fcberh\u00e4uft. Ihr Werk dreht sich um eine 19j\u00e4hrige namens Camelia, die es sich in ihrer Rolle als Querulantin gem\u00fctlich gemacht hat. In Leeds muss sie sich mit ihrer traurigen Mutter eine Wohnung teilen, die immer noch am Unfalltod ihres Mannes zu knabbern hat. Die Konsequenz davon ist, dass Camelias Mutter kein noch so klitzekleiner Laut mehr \u00fcber die Lippen kommt. Stattdessen versucht sie sich als Fotografin von irgendwelchen L\u00f6chern aller Couleur (also wirklich allem, was irgendwie einem Loch gleichkommt). Im Antlitz der Ein\u00f6de ihres Daseins erscheint Camelia schlie\u00dflich ein Licht am Ende des Tunnels. Ein junger Chinese taucht auf und durch ihre Liebe zu ihm findet die junge Erwachsene Schritt f\u00fcr Schritt ins Leben zur\u00fcck. Auf den ersten Blick k\u00f6nnte man \u201eSiebzig Acryl, drei\u00dfig Wolle\u201c als typische Coming-Of-Age-Geschichte abtun, welche die \u00fcblichen Klischees des Genres durchdekliniert. Doch schon auf den ersten Seiten wird deutlich, dass man dem Buch damit unrecht tun w\u00fcrde. Die poetische Sprache, die gekonnten Vergleiche, man merkt, dass sich hier jemand wirklich ausgetobt hat, der auch noch in sprachlicher Hinsicht etwas auf dem Kasten hat. Viola Di Grado gelingt es mit einfachsten Mitteln den Lesern ihre Hauptfigur nahezubringen. Und man kann nur hoffen, dass sich ihr kreatives Potenzial auch in ihren weiteren Romanen wiederspiegelt. Ein eindrucksvolles Deb\u00fct.<span> <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-9773\" title=\"guenessia\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/guenessia.jpg\" alt=\"guenessia\" width=\"208\" height=\"336\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/guenessia.jpg 310w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/guenessia-186x300.jpg 186w\" sizes=\"auto, (max-width: 208px) 100vw, 208px\" \/>\/\/ Einen echten Sommerroman bekommt man derweil von dem 1950 in Algier geborenen Schriftsteller <strong>Jean-Michel Guenassia<\/strong> pr\u00e4sentiert. Sein Werk wurde nicht nur mit dem renommierten \u201ePrix Goncourt des lyc\u00e9ens\u201c ausgezeichnet, er eignet sich auch als optimaler Reisebegleiter f\u00fcr den n\u00e4chsten Frankreich-Urlaub. So l\u00e4sst man sich von dem Autor entf\u00fchren ins Paris der 60er Jahre. Dort treffen wir auf einen gewissen Michel, 12 Jahre jung, der sich daran macht, das kulturelle Leben der Stadt in sich aufzusaugen. Ob vor der Kinoleinwand oder in den Caf\u00e9s der Stadt. Michel genie\u00dft sein Leben in vollen Z\u00fcgen und alles wird noch ein bisschen besser, als er auf den sogenannten \u201eClub der unverbesserlichen Optimisten\u201c trifft. Das ganze Leben scheint pl\u00f6tzlich ein einziger gro\u00dfer Rausch zu sein, der niemals endet. W\u00e4re da nicht die gute alte Liebe, die Michel pl\u00f6tzlich einen Strich durch die Rechnung macht. Der Roman von Jean-Michel Guenassia ist in diesem Zusammenhang zwar nicht frei von Sentimentalit\u00e4ten, doch er nimmt einen dennoch gefangen, weil er glaubw\u00fcrdig ist. Man f\u00fchlt sich pl\u00f6tzlich wie in einer anderen Welt, w\u00e4hrend man sich durch die Seiten dieses Werks gr\u00e4bt und immer tiefer in der Handlung versinkt. \u201eDer Club der unverbesserlichen Optimisten\u201c ist ein Buch von dem man regelrecht verschluckt werden m\u00f6chte. Also schnuppert mal rein.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-9774\" title=\"minajew\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/minajew.jpg\" alt=\"minajew\" width=\"260\" height=\"395\" \/>\/\/ Als wirklich exzessives Vergn\u00fcgen entpuppt sich der aktuelle Roman des russischen Autors <strong>Sergej Minajew<\/strong>. \u201eNeontr\u00e4ume\u201c f\u00fchrt uns dorthin, wo das Leben im Schnelldurchlauf an einem vorbei zieht. Es erz\u00e4hlt die Geschichte von Andrej Mirkin, Mitte zwanzig, der unabl\u00e4ssig auf der Suche nach dem n\u00e4chsten gro\u00dfen Kick ist. Ob Koks oder schneller Sex. Er stolpert unabl\u00e4ssig durchs Moskauer Nachtleben und der Rausch scheint einfach kein Ende zu nehmen. Parallel dazu f\u00fchrt er auch noch gleichzeitig zwei Beziehungen mit der Businessfrau Lena und der partylustigen Rita. Zum gro\u00dfen Crash kommt es, als ihm Rita offenbart, dass sie Aids hat. Kurz darauf droht sein komplettes Leben in die Br\u00fcche zu gehen und Andrej hat keine Ahnung, wie er den Absturz noch verhindern soll. Sergej Minajew gelingt mit seinem Roman eine glaubw\u00fcrdige Darstellung eines Lebens am Limit. Er f\u00fchrt in diesem Zusammenhang aber auch knallhart vor Augen, was der Preis f\u00fcr den ewigen Hang zum Exzess ist. Am Ende kann seine Hauptfigur Andrej nur hoffen, dass er aus all dem noch einmal lebend heraus kommt. Ob sich der Protagonist aus den Tr\u00fcmmern seines Daseins zu befreien vermag oder von der Last erdr\u00fcckt wird. Am besten du findest es selbst heraus. Es lohnt sich. Und damit Schluss f\u00fcr heute. Bis zur n\u00e4chsten Leserunde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit neuen B\u00fcchern von John Niven, J\u00fcrgen Teipel, Viola Di Grado, Jean-Michel Guenassia und Sergej Minajew. \/\/ Nachdem uns John Niven bereits vor geraumer Zeit mit seinem \u201eKill Your Friends\u201c-Update \u201eGott bewahre\u201c begl\u00fcckt hat, wirft er nun schon wieder ein neues Buch auf den Markt. \u201eMusic From Big Pink\u201c ist in diesem Zusammenhang zwar nicht [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-9771","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category--unter-der-haut"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9771","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9771"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9771\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9777,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9771\/revisions\/9777"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9771"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9771"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9771"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}