{"id":9843,"date":"2012-07-18T11:43:28","date_gmt":"2012-07-18T10:43:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=9843"},"modified":"2012-07-18T11:44:01","modified_gmt":"2012-07-18T10:44:01","slug":"aufgelesen-vol-47-das-hier-ist-wasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=9843","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. 47 &#8211; &#8222;das hier ist wasser!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNoSpacing\"><em>mit neuen B\u00fcchern von David Foster Wallace, Roman Halfmann, Paul Auster, Stefan Rieger und Klaus Ungerer. <\/em><\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-9844\" title=\"fosterwallace\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/fosterwallace.jpg\" alt=\"fosterwallace\" width=\"200\" height=\"304\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/fosterwallace.jpg 421w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/fosterwallace-197x300.jpg 197w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/>\/\/ Dass <strong>David Foster Wallace<\/strong> inzwischen nicht mehr unter uns weilt, ist eine Trag\u00f6die. Das wird immer wieder besonders deutlich, wenn Texte und Geschichten aus seiner Feder posthuman ver\u00f6ffentlicht werden. \u201eDas hier ist Wasser \/ This Is Water\u201c ist in diesem Zusammenhang ein ganz besonderer Fall. Das 60-seitige B\u00fcchlein beinhaltet n\u00e4mlich gar keine Geschichte des Autors, sondern eine Abschlussrede (in Original und als \u00dcbersetzung), die David Foster Wallace anno 2005 vor Absolventen des Kenyon College gehalten hat. Das Besondere an \u201eDas hier ist Wasser\u201c ist, dass es die einzige Rede gewesen ist, die der Autor jemals in diesem Zusammenhang gehalten hat.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\">Umso mehr haben es seine nun vorliegenden Zeilen in sich. Im Grunde genommen schreibt der Autor dar\u00fcber, was es bedeutet, erwachsen zu werden. Er umrei\u00dft, was es hei\u00dft, ein denkendes Wesen zu sein. Und er pl\u00e4diert an die Empfindsamkeit der vor ihm sitzenden Absolventen. Es spiegelt sich viel Pessimismus in seinen Worten wieder, was sicher auch der langj\u00e4hrigen Depression des Autors geschuldet ist. Dennoch macht er am Ende vor allem eine Sache deutlich: alles hat zwei Seiten, Nichts ist wie es scheint und es ist deshalb nur umso wichtiger, die Dinge fortw\u00e4hrend auf ihren wahren Gehalt abzuklopfen.<span> <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\">\/\/ <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-9845\" title=\"halffmann\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/halffmann.jpg\" alt=\"halffmann\" width=\"209\" height=\"319\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/halffmann.jpg 276w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/halffmann-197x300.jpg 197w\" sizes=\"auto, (max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/>Der Literaturwissenschaftler <strong>Roman Halfmann <\/strong>widmet sich in seinem aktuellen Werk einer Welt, die sich zunehmend hinter dem Schleier des Ironischen versteckt. In seinem Buch \u201eNach der Ironie\u201c wirft er die Frage auf, ob es heutzutage \u00fcberhaupt noch so etwas wie authentische Kunst gibt, wenn doch alles irgendwie ironisch gebrochen zu sein scheint. In diesem Zusammenhang schnappt er sich nicht nur den aktuellen (\u00fcbrigens \u00e4u\u00dferst lesenswerten, aber bislang leider noch nicht ins Deutsche \u00fcbersetzten) Roman \u201eThe Pale King\u201c von David Foster Wallace und legt unter anderem dessen Bez\u00fcge auf das breite Schaffen von Franz Kafka offen. In diesem Zusammenhang zitiert er nicht nur zahlreiche Passagen aus dem Roman des inzwischen leider verstorbenen Autors, Halfmann geht auch im weiteren Verlauf sehr wissenschaftlich an die ganze Geschichte heran.<span> <\/span>Das wiederum unterstreicht am Ende allerdings nur umso mehr, mit welcher Ernsthaftigkeit er sich dem Thema zu widmen gedenkt und macht seine Schlussfolgerungen in diesem Zusammenhang nicht minder interessant. Man muss lediglich bereit sein, sich in dieses Buch hineinzuarbeiten und schon wird man mit einer interessanten Abhandlung \u00fcber \u201eDavid Foster Wallace, Franz Kafka und de(n) Kampf um Authentizit\u00e4t\u201c belohnt. Wer sich also gerne mit Literatur \u00fcber Literatur auseinander setzt, sollte unbedingt mal reinschnuppern. Es lohnt sich.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-9846\" title=\"auster\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/auster.jpg\" alt=\"auster\" width=\"266\" height=\"435\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/auster.jpg 392w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/auster-183x300.jpg 183w\" sizes=\"auto, (max-width: 266px) 100vw, 266px\" \/>\/\/ Der Bestseller-Autor <strong>Paul Auster <\/strong>hat in der Zwischenzeit auch mal wieder ein neues Pferd im Stall. Es h\u00f6rt auf den Namen \u201eSunset Park\u201c und dreht sich im ersten Kapitel um einen 28j\u00e4hrigen namens Miles Heller, der im Affekt seinen Stiefbruder auf die Stra\u00dfe schubst und fortan nicht mehr ins Leben zur\u00fcckfindet. Das Dasein des Protagonisten scheint ein einziger Spie\u00dfrutenlauf zu sein. Miles Heller ist auf der Flucht \u2013 vor sich, vor seiner Familie &#8211; vor dem Leben selbst. Die Geschichte von Miles ist allerdings nur eine von vielen, die Paul Auster in seinem Roman umrei\u00dft. Im weiteren Verlauf beschreibt er unter anderem, wie den Menschen in einem, vom Kapitalismus befeuerten, Rauschzustand zunehmend der Blick f\u00fcrs Wesentliche abhandenkommt. Viele von seinen Figuren vermitteln den Eindruck von Getriebenen, die zunehmend an den an sie herangetragenen Erwartungen zerbrechen. Also ziehen sie sich zur\u00fcck, wechseln st\u00e4ndig den Freundeskreis und fliehen vor allem, was noch irgendwie von Bedeutung sein k\u00f6nnte. Auster stellt das Geschehen in diesem Zusammenhang in den Kontext der Weltwirtschaftskrise von 2008, weshalb man seinen Roman durchaus auch als gesellschaftskritisches Statement auffassen darf.<span> <\/span>Es lohnt sich also durchaus mal reinzuschnuppern. Dem amerikanischen Autor gelingt es n\u00e4mlich die Ohnmacht vieler Menschen in eine packende Geschichte zu verpacken. \u201eSunset Park\u201c ist in diesem Zusammenhang auch eine Mahnung \u2013 vor allem aber \u00e4u\u00dferst spannend zu lesen.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-9847\" title=\"rieger\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/rieger.jpg\" alt=\"rieger\" width=\"215\" height=\"354\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/rieger.jpg 389w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/rieger-182x300.jpg 182w\" sizes=\"auto, (max-width: 215px) 100vw, 215px\" \/>\/\/ \u201eMultitasking\u201c will gelernt sein \u2013 wer heute nicht mindestens drei Dinge gleichzeitig erledigen kann, bleibt fortw\u00e4hrend auf der Strecke. Der Autor <strong>Stefan Rieger<\/strong>, der an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum Mediengeschichte unterrichtet, widmet sich dem Thema in seinem gleichnamigen Werk, das sich mit der oft als \u201eSchl\u00fcsselkompetenz\u201c vorausgesetzten F\u00e4higkeit differenziert auseinander setzt. Der Autor gibt in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass man durch die Allgegenw\u00e4rtigkeit des Ph\u00e4nomens \u201eMultitasking\u201c im pers\u00f6nlichen Alltag (wenn man zum Beispiel beim Fernsehen Zeitung liest, gleichzeitig einen Kaffee schl\u00fcrft und auch noch die neuesten E-Mails auf dem Smartphone abruft), fast vollst\u00e4ndig vergisst, sich die Folgen dieser pers\u00f6nlichen \u201eSpaltung\u201c etwas genauer anzusehen. So gilt es in unserer modernen Zeit zunehmend Entschleunigungs-Strategien zu entwickeln, welche dazu f\u00fchren, dass man nicht irgendwann einer so genannten \u201emulti-tasking craziness\u201c erliegt. Zunehmend gilt es f\u00fcr den Menschen zu entscheiden, wie man das Wichtige vom Unwichtigen trennt, um nicht im Wust des st\u00e4ndig Verf\u00fcgbaren zu ertrinken. Auf knappen 120 Seiten widmet sich der Autor seinem Thema in leicht verst\u00e4ndlicher Sprache, <span> <\/span>was dazu f\u00fchrt, dass man im Laufe der Lekt\u00fcre immer wieder \u00fcber die eigenen Verhaltensweisen nachdenkt.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-9848\" title=\"ungerer\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/ungerer.jpg\" alt=\"ungerer\" width=\"220\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/ungerer.jpg 309w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/ungerer-220x300.jpg 220w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/>\/\/ \u00dcber viele Jahre hinweg hat der L\u00fcbecker Autor <strong>Klaus Ungerer<\/strong> f\u00fcr die \u201eFrankfurter Allgemeinen Zeitung\u201c<span> <\/span>die unterschiedlichsten Strafgerichtsprozesse beobachtet. Was er dabei so alles zu h\u00f6ren bekam, erscheint nun in geb\u00fcndelter Form in seinem Werk \u201eWas weiss der Richter von der Liebe?\u201c, das in diesen Tagen beim \u201eTropen\u201c-Verlag erscheint. \u201e24 Straff\u00e4lle aus dem wahren Leben\u201c haben es am Ende in das 140-Seiten-schmale Werk geschafft und die haben es in sich. Ungerer erz\u00e4hlt von denjenigen, die nicht von den Fangnetzen des Systems ergattert wurden und so schlagen die einzelnen Angeklagten nur umso h\u00e4rter auf dem Boden der Tatsachen auf. Dabei gelingt es dem Autor den einzelnen F\u00e4llen (so tragisch sie auch sind) immer einen humoristischen Aspekt abzugewinnen, was auch seinen Lesern das eine oder andere L\u00e4cheln aufs Gesicht zaubern sollte. Kapitel-Titel wie \u201ePinguine im Sinkflug\u201c und die \u201eSelbschtmordvariante\u201c geben in diesem Zusammenhang bereits die Richtung vor und so kommen seine Leser fortw\u00e4hrend in den Genuss der absurdesten Szenarien, die man sich nur vorstellen kann.<span> <\/span>Aus seinen besten Beitr\u00e4gen f\u00fcr Ungerers F.A.Z.-Kolumne entsteht so eine locker-flockige Sommer-Lekt\u00fcre , die auf einem \u00e4u\u00dferst tragischen Unterbau fu\u00dft. Gerade daraus aber zieht das Buch seinen Reiz. Also schnuppert mal rein. Und damit Schluss f\u00fcr heute. Bis zur n\u00e4chsten Leserunde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit neuen B\u00fcchern von David Foster Wallace, Roman Halfmann, Paul Auster, Stefan Rieger und Klaus Ungerer. \/\/ Dass David Foster Wallace inzwischen nicht mehr unter uns weilt, ist eine Trag\u00f6die. 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