• º zuckerbeat: musik / szene

  • 13.Feb.
  • // presswerke vol. (2)86 – „selling a vibe“
  • mit der neuen Vinyl-LP von The Cribs.

    // „Selling A Vibe“ wirkt wie ein bewusst gesetzter Haltepunkt in der langen Geschichte von The Cribs – nicht als Rückblick, sondern als selbstbewusste Standortbestimmung. Nach über zwanzig Jahren Bandgeschichte, zahllosen Touren, Brüchen, Wiederannäherungen und neun vorangegangenen Alben klingt dieses Werk nicht müde oder nostalgisch, sondern erstaunlich konzentriert und vital. Es ist ein Album, das aus Erfahrung spricht, ohne sich von ihr erdrücken zu lassen. Die Brüder aus Wakefield haben ihre Musik immer aus einer familiären Spannung heraus entwickelt: Nähe und Reibung, Loyalität und Eigenwilligkeit. Diese Dynamik war stets hörbar, auch wenn sie selten explizit benannt wurde. Genau hier setzt Selling A Vibe an. Zum ersten Mal wird diese Verbindung nicht nur gelebt, sondern thematisiert. Die Songs kreisen um Familie als emotionalen Resonanzraum – als Ort von Verletzung, Heilung, Halt und Widerstand. Nicht sentimental, sondern rau und ehrlich, so wie man es von dieser Band erwartet. Produziert von Patrick Wimberly, der sonst zwischen MGMT, Caroline Polachek und experimentellem Pop pendelt, bekommt der Cribs-Sound eine neue Klarheit, ohne seine Kantigkeit zu verlieren.

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  • 06.Feb.
  • // presswerke vol. (2)85 – „wenn es liebe ist“
  • mit der neuen Vinyl-LP von Die Sterne.

    // „Wenn es Liebe ist“ markiert für Die Sterne einen jener seltenen Momente, in denen sich Kontinuität und Erneuerung nicht widersprechen, sondern gegenseitig befeuern. Die Hamburger Band, seit Jahrzehnten eine feste Größe des deutschsprachigen Indiepop, klingt hier so wach, als hätte sie gerade erst begonnen – und zugleich so souverän, als müsse sie niemandem mehr etwas beweisen. Das Album greift viele der vertrauten Sterne-Tugenden auf: die tänzelnden Bassläufe, die präzise Rhythmik, Frank Spilkers unverwechselbare Art, Alltagsbeobachtung, Ironie und politisches Bewusstsein ineinander zu verschieben. Doch Wenn es Liebe ist ruht sich darauf nicht aus. Stattdessen öffnet es den Sound spürbar. Post-Punk-Anleihen schärfen die Kanten, englischsprachige Songs irritieren angenehm die Erwartungshaltung, und mit Dyan Valdés am Leadgesang auf zwei Stücken entstehen neue Perspektiven innerhalb des Bandgefüges.

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  • 30.Jan.
  • // zuckerbeat vol. (6)65 – „rebel queens“
  • mit dem Werk „Rebel Queens“ von Kersty Grether und Sandra Grether.

    // Kersty Grether und Sandra Grether haben mit „Rebel Queens. Frauen in der Rockmusik“ ein Buch vorgelegt, das längst überfällig war – und das nun genau zur richtigen Zeit erscheint. Dieses Werk ist kein bloßes Nachschlagebuch, keine lose Sammlung von Biografien, sondern eine leidenschaftliche, kluge und hochpolitische Kulturgeschichte der Rockmusik aus weiblicher Perspektive. Ein Buch, das nicht bittet, gehört zu werden, sondern sich seinen Platz nimmt. Was sofort auffällt: Die Autorinnen schreiben aus dem Inneren der Popkultur heraus. Man spürt auf jeder Seite, dass hier zwei Stimmen sprechen, die Rockmusik nicht nur studiert, sondern gelebt haben – als Fans, Journalistinnen, Zeitzeuginnen, Feministinnen. Dadurch entsteht ein Ton, der selten ist: kenntnisreich, analytisch, aber niemals akademisch trocken. Rebel Queens liest sich wie ein Gespräch mit zwei Menschen, die genau wissen, wovon sie reden – und die gleichzeitig bereit sind, ihre eigenen Mythen zu hinterfragen. Die mehr als vierzig Porträts spannen einen weiten, bewusst nicht linearen Bogen: von Ikonen wie Tina Turner, Patti Smith oder Joni Mitchell bis zu zeitgenössischen Stimmen wie Billie Eilish, Taylor Swift oder Phoebe Bridgers.

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  • 23.Jan.
  • // zuckerbeat vol. (6)64 – „blues brothers“
  • mit dem Werk „Die Blues Brothers“ von Daniel de Visé.

    // Dieses Buch hat mich deutlich tiefer gepackt, als ich es von einer Musik- und Filmgeschichte erwartet hätte. Daniel de Visé erzählt die Geschichte der Blues Brothers nicht als nostalgische Popkultur-Anekdote, sondern als ernsthafte, manchmal erschütternde Chronik einer Freundschaft, die zugleich Motor, Schutzraum und letztlich auch Selbstzerstörung war. Was mich von den ersten Seiten an überzeugt hat, ist der Ton: respektvoll, lebendig, aber nie verklärend. Man merkt sofort, dass hier jemand schreibt, der nicht nur akribisch recherchiert hat, sondern emotional verstanden hat, worum es im Kern geht. Im Mittelpunkt stehen Dan Aykroyd und John Belushi, zwei Persönlichkeiten, die gegensätzlicher kaum sein könnten. De Visé arbeitet diese Unterschiede mit großer Klarheit heraus: Aykroyd, strukturiert, wissbegierig, geradezu besessen von Musikgeschichte und Mythologie; Belushi, instinktiv, explosiv, getrieben, mit einer Energie, die alles um ihn herum zum Leuchten oder zum Brennen brachte.

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  • 16.Jan.
  • // presswerke vol. (2)84 – „the tower“
  • mit den neuen Vinyl Lps „The Tower“ und „The Hierophant“ von Rome.

    // Mit The Tower und The Hierophant legt Rome zwei eng miteinander verbundene Alben vor, die man weniger als einzelne Veröffentlichungen denn als zusammengehöriges Zwillingswerk hören sollte. Beide Platten kreisen um dieselbe innere Bewegung, nähern sich ihr jedoch aus entgegengesetzten Richtungen: Rückzug und Sammlung hier, Öffnung und Übergang dort. Zusammen ergeben sie ein geschlossenes geistiges Panorama, das sich Zeit nimmt, Stille zulässt und dem Hörer etwas zutraut. Hinter Rome steht Jerome Reuter, ein Künstler, der sich seit Jahren konsequent dem schnellen Zugriff verweigert. Seine Musik war nie bloß Liedform, sondern immer auch Haltung, Geschichtsbetrachtung und existenzielle Befragung. Reuter arbeitet mit Reduktion, nicht aus Askese um der Askese willen, sondern um Raum zu schaffen – für Bedeutung, für Resonanz, für das Ungesagte. Diese Arbeitsweise erreicht auf The Tower eine besondere Konsequenz. Das Album wirkt wie auf einen einzigen Gedanken zugespitzt: den Gedanken der inneren Festigkeit. Die Stücke sind sparsam instrumentiert, oft nur von Gitarre, Stimme und wenigen, gezielt eingesetzten Akzenten getragen.

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  • º literatur / comic

  • 13.Feb.
  • // aufgelesen vol. (6)56 – „schleifen“
  • mit dem Werk „Schleifen“ von Elias Hirschl.

    // Elias Hirschl ist einer dieser seltenen Autoren, bei denen man schon nach wenigen Seiten weiß: Hier denkt jemand anders, und er traut sich, diesen Gedanken bis zum Ende zu folgen. Schleifen ist ein Roman, der genau daraus seine Energie bezieht – aus einer Lust am Denken, am Sprachspiel, am Überschreiten dessen, was ein Roman „dürfen“ soll. Nach Content wirkt dieses Buch noch konzentrierter, noch ambitionierter, aber zugleich erstaunlich zugänglich. Im Mittelpunkt steht Franziska Denk, ein Kind mit einer ebenso absurden wie tief beunruhigenden Krankheit: Alles, wovon sie hört oder liest, manifestiert sich körperlich an ihr. Symptome sind ansteckend, Worte gefährlich. Schon dieser Ausgangspunkt macht klar, wie radikal Hirschl Sprache ernst nimmt. Worte sind hier keine neutralen Werkzeuge, sondern Wirkkräfte, fast physische Entitäten. Dass Franziska ausgerechnet im Umfeld des Wiener Kreises aufwächst – jenem historischen Epizentrum der Sprachlogik, Philosophie und Wissenschaft – ist kein Zufall, sondern eine elegante Verankerung des Romans im intellektuellen Untergrund des 20. Jahrhunderts.

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  • 06.Feb.
  • // aufgelesen vol. (6)55 – „im paradies“
  • mit dem Werk „Im Paradies“ von Dorota Maslowska.

    // Dorota Masłowska gehört seit vielen Jahren zu jenen Autorinnen, die Gegenwart nicht abbilden, sondern zerlegen. Mit Im Paradies legt sie ein schmales, aber hochverdichtetes Buch vor, das wie ein Brennglas funktioniert: grell, komisch, verstörend – und am Ende überraschend zärtlich. Auf knapp 160 Seiten entsteht ein literarisches Panorama einer Welt, die sich gleichzeitig permanent verändert und innerlich erstarrt ist. Masłowskas Figuren leben nicht einfach nebeneinander, sie existieren in parallelen Realitäten. Ein selbstverliebter Banker auf nächtlicher Jagd, ein Werbefilmer im rauschhaften Dauerbetrieb, ein Junge beim Angeln, eine Frau in einem schäbigen Hotelzimmer, die sich radikal entblößt – körperlich wie seelisch. Sie alle sind einsam, aber nicht still. Sie reden, denken, fantasieren unaufhörlich, während um sie herum eine Welt aus Phrasen, Werbung, Statussymbolen und Projektionen flimmert. Das „Paradies“, das der Titel verspricht, ist kein Ort des Heils, sondern ein trügerischer Zustand permanenter Selbsttäuschung. Besonders eindrucksvoll ist Masłowskas Sprache. Sie ist scharf, rhythmisch, manchmal fast brutal komisch, dann wieder von einer unerwarteten Sanftheit.

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  • 01.Feb.
  • // zuckerschock für den februar 2026: seishi yokomizo – „die spatzenmorde von onikobe“
  • mit dem Werk „Die Spatzenmorde von Onikobe“ von Seishi Yokomizo.

    // Mit „Die Spatzenmorde von Onikobe“ setzt Seishi Yokomizo seine berühmte Reihe um den Detektiv Kosuke Kindaichi fort und vertieft dabei genau jene Qualitäten, die ihn zu einem der einflussreichsten Krimiautoren Japans gemacht haben. Der Roman spielt in der japanischen Nachkriegszeit, einer Epoche, die von sozialem Umbruch, verdrängten Traumata und tief sitzenden familiären Konflikten geprägt ist. Yokomizo nutzt dieses Spannungsfeld nicht nur als Kulisse, sondern als tragendes Element seiner Erzählweise: Verbrechen entstehen hier nie im luftleeren Raum, sondern sind eng mit Traditionen, Schuld, Aberglauben und alten Feindschaften verwoben. Im Mittelpunkt steht erneut Kosuke Kindaichi, eine der ikonischsten Detektivfiguren der japanischen Literatur. Äußerlich wirkt er oft zerstreut, beinahe tölpelhaft, mit seinem ungekämmten Haar und seinem unkonventionellen Auftreten. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich ein messerscharfer Verstand. Kindaichi ist kein kühler Logiker im westlichen Sinne, sondern ein Ermittler, der sich tief in die sozialen und psychologischen Strukturen eines Ortes hineindenkt. Er hört zu, beobachtet genau und nimmt auch scheinbar nebensächliche kulturelle Details ernst – Kinderlieder, Dorffeste, alte Rituale.

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  • º termine

  • 09.Dez.
  • // —> da geht was…
  • Taubertal Festival mit Sportfreunde Stiller, SDP, Kaffkiez, Donots, Itchy, Drei Meter Feldweg, The Red Flags, Dilla, Chapo102, Feine Sahne Fischfilet, Biffy Clyro, Zartmann, Giant Rooks, Milleniumkid, The Dropkick Murphys, uvm. (06. bis 09.08.26 / Eiswiese, Rothenburg od Tauber) -> jetzt Tickets sichern unter: https://taubertal-festival.de/

    und sonst so?

    Slime (16.01. / Stattbahnhof, SW)

    Wizo (06.02. / Posthalle)

    Lonely Spring (15.04. / Posthalle)

    Drei Meter Feldweg (17.04. / Stattbahnhof, SW)

    Mad Caddies (21.05. / Stattbahnhof, SW)

    Beth Hart (06.07. / Posthalle)

    Xavier Rudd (09.07. / Wöllrieder Hof, Rottendorf)

    Madsen (10.07. / Wöllrieder Hof, Rottendorf)

    Heroes Festival mit SSIO, Rin, 102 Boyz, Kool Savas, Bausa, Beslik, Mariybu, Symba, Sierra Kidd uvm. (19. und 20.07.26 / Strohofer, Geiselwind)

    Roy Bianco und die Abbrunzati Boys (07.08. / Residenzplatz)

    Rian (28.11. / Posthalle)

  • ° fashion / photos / games / kunst / werktag

  • 13.Feb.
  • // werktag vol. (1)88 – „opernball“
  • mit dem Werk „Opernball“ von Stefanie Sargnagel.

    // Stefanie Sargnagel nimmt sich mit Opernball eines jener Rituale vor, die wie kaum etwas anderes für österreichische Selbstverklärung stehen: Glanz, Geld, Tradition, Macht – und sehr viel Verdrängung. Auf gerade einmal 80 Seiten entsteht daraus kein klassischer Reportageband, sondern ein bissiger, kluger und überraschend neugieriger Text, der den Wiener Opernball zugleich entzaubert und ernst nimmt. Sargnagel geht nicht als investigative Beobachterin auf Distanz, sondern wirft sich selbst mitten hinein in das Spektakel: geschniegelt, geschminkt, eingeschnürt, sichtbar fehl am Platz – und genau deshalb die ideale Erzählerin. Ihr Blick ist scharf, aber nie kalt. Sie verspottet die Rituale, die Abendkleider, die Selbstgefälligkeit der Hautevolee, doch sie bleibt interessiert an den Menschen hinter dem Lack. Das macht diesen Text so vielschichtig: Er ist böse, aber nicht zynisch; respektlos, aber nicht verächtlich. Besonders stark ist, wie Sargnagel die soziale Choreografie des Abends beschreibt. Wer darf wo stehen, wer wird gesehen, wer ignoriert, wer dient als Staffage für das eigene Prestige.

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  • 30.Jan.
  • // spieltrieb vol. (3)39 – „ein mädchen namens willow“
  • mit den Werken „Schattenzeit“ und dem Buch zum Film von „Ein Mädchen namens Willow“.

    // Die Welt von Sabine Bohlmann rund um Willow hat für mich etwas geschafft, das im Kinder- und Jugendbuch gar nicht so selbstverständlich ist: Sie wirkt gleichzeitig geborgen und spannend, märchenhaft und nah am echten Leben. Sowohl „Das Buch zum Film“ als auch „Schattenzeit“ zeigen sehr schön, warum diese Reihe so viele junge Leserinnen und Leser – und erstaunlich viele Erwachsene – begeistert. Das Buch zum Film ist weit mehr als eine bloße Nacherzählung. Man merkt sofort, dass Sabine Bohlmann ihre eigene Geschichte noch einmal neu durchdrungen hat. Der Ton ist warm, ruhig und voller Momente des Staunens. Willow begegnet uns hier als neugieriges, manchmal unsicheres, aber sehr mutiges Mädchen, dessen Weg zur eigenen Kraft behutsam erzählt wird. Besonders gelungen finde ich, wie das Thema Hexerei nicht als Machtfantasie, sondern als Verantwortung dargestellt wird. Feuer, Wasser, Luft und Erde stehen nicht nur für magische Fähigkeiten, sondern für innere Balance, Freundschaft und das Vertrauen in sich selbst. Die vielen Filmfotos fügen sich überraschend gut ein und unterstützen die Geschichte, ohne sie zu überlagern. Für Kinder, die den Film gesehen haben, ist dieses Buch eine wunderbare Vertiefung, für Neueinsteiger ein sanfter Einstieg in Willows Welt.

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  • 23.Jan.
  • // werktag vol. (1)87 – „tarantino town“
  • mit dem Werk „Tarantino Town“ von Johan Chairamonte und Camille Mathieu.

    // „Tarantino Town“ hat bei mir sofort dieses breite Grinsen ausgelöst, das man bekommt, wenn man merkt, dass ein Buch nicht nur über ein Thema spricht, sondern es wirklich verstanden hat. Johan Chiaramonte und Camille Mathieu nähern sich Quentin Tarantino nicht analytisch-kühl, sondern spielerisch, liebevoll und mit einer Begeisterung, die ansteckend ist. Dieses Buch will nicht erklären, warum Tarantino wichtig ist – es setzt voraus, dass man das längst weiß – und lädt stattdessen dazu ein, seine Welt zu betreten. Das Konzept, Tarantinos Filmografie als Stadt zu entwerfen, ist nicht nur ein cleverer Einfall, sondern trägt das ganze Buch. Jede Seite fühlt sich an wie ein neuer Straßenzug, ein neues Schaufenster, ein zufälliger Fund, bei dem man stehenbleibt und sich festliest. Ob Secondhandladen, Kino, Diner oder Buchhandlung – alles ist durchdrungen von Referenzen, Zitaten und visuellen Anspielungen. Dabei wirkt nichts beliebig. Man merkt, dass hier mit enormer Detailverliebtheit gearbeitet wurde und dass die Macher Tarantinos Obsessionen teilen: Musik, Genre-Kino, Mode, Gewaltästhetik, Popkultur. Die 180 farbigen Abbildungen sind das Herzstück des Buches. Sie sind verspielt, präzise und voller Humor.

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  • 16.Jan.
  • // werktag vol. (1)86 – „geister“
  • mit dem Werk „Yokai – Geister“ von Philippe Charlier.

    // Dieses Buch habe ich zuerst in die Hand genommen, lange bevor ich die erste Seite gelesen habe. „Yōkai – Geister“ ist eines jener Werke, bei denen die äußere Gestaltung kein bloßes Beiwerk ist, sondern bereits Teil der Erzählung. Der Seidenüberzug, der schwarze Farbschnitt, das Verschlussbändchen – all das vermittelt das Gefühl, etwas fast Zeremonielles zu öffnen. Und genau dieses Gefühl trägt sich beim Lesen fort. Philippe Charlier gelingt hier etwas Seltenes: Er verbindet kunsthistorische Schönheit mit erzählerischer Tiefe und einer leisen, respektvollen Faszination für das Unheimliche. Die Welt der Yōkai ist komplex, widersprüchlich und schwer in westliche Kategorien zu pressen. Sie sind weder einfach „Geister“ noch reine Monster, sondern Wesen zwischen den Welten, oft aus menschlichen Emotionen geboren: aus Wut, Trauer, Eifersucht oder Einsamkeit. Charlier nähert sich ihnen mit einer bemerkenswerten Ernsthaftigkeit, ohne ihnen den Zauber zu nehmen. Man spürt seine doppelte Perspektive als Wissenschaftler und Erzähler. Er analysiert, ordnet ein, erklärt – aber immer so, dass die Geschichten atmen dürfen.

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  • 09.Jan.
  • // werktag vol. (1)85 – „am meerschwein übt das kind den tod“
  • mit dem Werk „Am Meerschwein übt das Kind den Tod“ von Nora Gomringer.

    // Mit Am Meerschwein übt das Kind den Tod legt Nora Gomringer ein Buch vor, das man kaum ohne einen Knoten im Hals zuklappt. Es ist kein klassischer Abschiedstext, kein Tagebuch, keine Trauerchronik – und doch ist es all das auf eine so ungezwungene, manchmal sogar humorvoll funkelnde Weise, dass man sich beim Lesen ertappt fühlt: Darf man an Stellen schmunzeln, an denen Schmerz im Raum steht? Genau diese Reibung gehört zu Gomringers Stärke. Sie lässt das Licht in die Risse, ohne die Risse zu kaschieren. Der Untertitel „Ein Nachrough“ trifft den Ton erstaunlich genau. Dieses Buch ist ein Nachbebenspur-Protokoll: die Wellen, die der Tod einer Mutter schlägt – unvermittelt, ungerecht, manchmal widersprüchlich, aber immer echt. Gomringer schreibt von einer Frau, die sie durch all die Rollen hindurch behalten muss: als Tochter, als Mutter, als Autorin, die plötzlich an Worten spart, weil Trauer manchmal schlicht die Luft nimmt. Und zugleich ist da die Erinnerung an jene Mutter, die voller Witz, Bildung und Schärfe durchs Leben ging, eine Frau, die man nach wenigen Seiten meint selbst zu kennen und mit der man sich gerne einmal an einen Küchentisch gesetzt hätte.

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  • º film / tv

  • 16.Jan.
  • // szenenwechsel vol. (2)51 – „alone“
  • mit der Live-DVD „A Lost World – Troxy Live 2024“ von The Cure.

    // Diese DVD hat mich auf eine ganz eigene Weise erwischt – nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit einem langsamen, tiefen Sog. „The Show Of A Lost World: Troxy London 2024“ ist kein gewöhnlicher Konzertfilm, sondern eher ein Zustand, den man betritt. Wer The Cure über Jahrzehnte begleitet hat, spürt schon in den ersten Minuten, dass hier etwas Besonderes festgehalten wurde: kein nostalgischer Rückblick, keine grelle Selbstfeier, sondern ein ernstes, konzentriertes Statement einer Band, die nichts mehr beweisen muss. Der Auftritt im Troxy wirkt von Beginn an bewusst gewählt. Diese Halle, mit ihrer leicht morbiden Eleganz, passt perfekt zur Atmosphäre des Abends. Man merkt, dass es Robert Smith wichtig war, Nähe zu schaffen – keine Stadiondistanz, kein überproduzierter Bombast.

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  • 09.Jan.
  • // szenenwechsel vol. (2)50 – „smile“
  • mit der DVD-Collection zu den beiden Filmen der „Smile“-Horror-Reihe.

    // Die beiden Filme der Smile-Collection bilden gemeinsam ein geschlossenes, bemerkenswert konsequentes Horrorprojekt, das weniger auf klassische Schockeffekte setzt als auf eine stetige, psychologisch zermürbende Eskalation von Angst. Regisseur Parker Finn entwickelt in beiden Teilen eine Welt, in der das Übernatürliche untrennbar mit Trauma, öffentlicher Wahrnehmung und innerer Zerrüttung verbunden ist – und genau darin liegt die eigentliche Stärke dieser Reihe. Der erste Film aus dem Jahr 2022 entfaltet seinen Schrecken aus einer intimen, fast klinischen Situation heraus. Die Psychiaterin Rose Cotter wird nach einem verstörenden Erlebnis mit einer Patientin in eine Spirale aus Halluzinationen, Schuldgefühlen und wachsendem Realitätsverlust gezogen. Das titelgebende Lächeln ist dabei weniger ein Monster-Merkmal als ein Störsignal: ein falsches Zeichen von Normalität, das in Momenten tiefster Verzweiflung auftaucht. Der Film verknüpft klassischen Fluch-Horror mit Themen wie unverarbeitetem Trauma, psychischer Erkrankung und der Unfähigkeit moderner Gesellschaften, mit innerem Schmerz offen umzugehen. Die Bedrohung wirkt so nachhaltig, weil sie nie eindeutig greifbar wird – sie lebt von der Angst, nicht mehr unterscheiden zu können, was real ist und was nicht.

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  • 04.Jan.
  • // szenenwechsel 2025 << filme
  • mit den besten 2025er Filmen.

    01 One Battle After Another

    02 Otec / Father

    03 All Is Fine In ´89

    04 Ollie

    05 Eephus

    06 V/H/S Halloween

    07 Sinners / Bloods and Sinners

    08 The Life Of Chuck

    09 Mit der Faust in die Welt schlagen

    10 Sketch

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  • 01.Jan.
  • // szenenwechsel 2025 << neue serien
  • mit den besten neuen Serien aus 2025.

    01 Pluribus

    02 Khauf

    03 It: Welcome To Derry

    04 Task

    05 Dexter: Original Sin

    06 Alien: Earth

    07 Sweet Pea

    08 American Primeval

    09 Duster

    10 The Last Frontier / Remnick

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  • 31.Dez.
  • // szenenwechsel 2025 << alte serien
  • mit den besten alten Serien aus 2025.

    01 The Last Of Us

    02 Landman

    03 Stranger Things

    04 Tulsa King

    05 Doctor Who

    06 Severance

    07 Slow Horses

    08 Major Of Kingstown

    09 Dexter: Ressurection

    10 Fallout

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  • ° magazine im pdf-archiv

  • 07.Apr.
  • // ausgabe april 2009
  • zuckerkick 04 2009ENDLICH DER NEUE ZUCKERKICK IST DA!!!

    // inhalt:
    // interview mit heike makatsch
    // … über die situation der posthalle
    // wie ihr gleichzeitig eure wohnung sauber und euren winterspeck weg bekommt
    // wie immer viele schöne geschichten unserer autoren
    // eventkalender

    Um die PDF-Datei der neuesten Ausgabe ansehen zu können, klick einfach auf das Titelbild!

    Viel Spass!

  • ° stadtplan

  • 06.Okt.
  • // stadtplan
  • stadtplan von würzburg

    klickt das bild und surft durch die stadt:
    1000 möglichkeiten in würzburg einen schönen abend zu verbringen. viel spass!

  • ° über uns

  • 24.Aug.
  • zuckerkick – das stadtmagazin für würzburg – Wir sind ein kostenlosen, unabhängiges Stadtmagazin für Würzburg und Umgebung. zuckerkick gibt es „nur“ noch als Internetblog. Unsere Printausgaben wurde 2009 eingestellt! Die erste Ausgabe wurde im Januar 2006 veröffentlich, seit Sommer 2008 befindet sich unser Büro direkt am Berliner Ring. Viele junge Autoren schreiben für uns! Falls auch Du dazugehören willst, schicke eine einfach kleine „Schreibprobe“ an contact@zuckerkick.com. Falls Sie Interesse haben auf unserer Homepage zu werben mailen Sie bitte an nico@zuckerkick.com. Den ganzen Beitrag lesen »