// strichcode vol. 39 - “er ist verwünscht”

mit den Moebius-Bänden „Arzach“, „Die hermetische Garage“, „Der Mann von der Ciguri“, „Die Ferien des Majors“, „Der Incal“ und „Lust & Glaube“.
// Wir wollen heute mal die Chance ergreifen und euch in die große weite Welt von Moebius einführen. Hinter dem Namen versteckt sich ein französischer Comic-Zeichner namens Jean Giraud, der sich im Rahmen [...]

mit den Moebius-Bänden „Arzach“, „Die hermetische Garage“, „Der Mann von der Ciguri“, „Die Ferien des Majors“, „Der Incal“ und „Lust & Glaube“.

moebius1// Wir wollen heute mal die Chance ergreifen und euch in die große weite Welt von Moebius einführen. Hinter dem Namen versteckt sich ein französischer Comic-Zeichner namens Jean Giraud, der sich im Rahmen zahlreicher Geschichten mit den Möglichkeiten des experimentellen Erzählens auseinander setzt. Sein Pseudonym geht dabei nicht nur auf das deutsche Mathe-Genie August Ferdinand Moebius zurück, seine Werke sind auch mit zahlreichen Gedankenanstößen versehen. Nachdem er in den 60er Jahren lange Zeit für diverse Sci-Fi-Werke die Illustrationen entwarf, widmet er sich Mitte der 70er seinem ersten großen Meisterwerk. Es hört auf den Namen „Arzach“ und hat mit einem herkömmlichen Comic-Strip nur noch wenig gemein.

In dem Werk finden sich (bis auf wenige Ausnahmen am Ende) weder Sprechblasen noch anderweitige Erläuterungen und auch der Name des Hauptdarstellers wandelt sich von Kapitel zu Kapitel. Darüber hinaus dreht sich das Buch um einen Mann, der mit einem Saurier scheinbar ziellos und vom Leben gelangweilt in der Gegend herumfliegt. Man hat immer wieder das Gefühl durch den Traum eines anderen zu wandeln, während die kolorierten Motive sich Schritt für Schritt zu einem abstrakten Ganzen zusammenfügen. Dem Band voran gestellt wurden einige Skizzen aus den 60er Jahren, die bereits erahnen ließen, worauf „Arzach“ letztendlich hinauslaufen sollte.

moebius2Als ebenso wegweisend gilt daneben der Band „Die hermetische Garage“, der noch eine gehörige Portion verwirrender anmutet. Die Geschichte, die bereits im Jahre 1976 entstanden ist, möchte den Leser zu einer Art Gedankenspiel einladen, weshalb auf dem Rückumschlag auch gleich noch die Spielregeln abgedruckt wurden. In der Erzählung folgen wir einem gewissen Major Grubert, der nicht nur erstaunliche Ähnlichkeimoebius3t mit seinem Schöpfer aufweist, sondern im Laufe der einzelnen Kapitel durch einen Asteroiden wandelt, welcher als luftdichte Garage bezeichnet wird. Im Rahmen der Handlung trifft er zudem auf einen Gegenspieler namens Jerry Cornelius, muss sich vorher allerdings noch mit zahlreichen Aliens auseinandersetzen – Wahrnehmungsstörungen und traumwandlerische Passagen gibt’s natürlich auch diesmal inklusive. Zudem hat der Band zahlreiche renommierte Filmemacher, wie zum Beispiel George Lucas, zu außerordentlichen Werken inspiriert. Ist man jedenfalls erst einmal dem Charme von Moebius erlegen, kommt man kaum mehr los von seinen Geschichten.

Und deshalb freuen wir uns auch umso mehr, dass neben den beiden vorab genannten Bänden, inzwischen auch weitere Geschichten des Meisters im „Cross Cult“-Verlag neu aufgelegt wurden. „Der Mann von Ciguri“ dreht sich in diesem Zusammenhang um die intensive Suche nach Major Gruber. Der soll in einer sogenannten Kreisbahn gefangen sein. Dabei gilt es, schnellstmöglich einen Ausweg aus dem ganzen Schlamassel zu finden, sonst könnte das womöglich sein baldiges Ende bedeuten. moebius4Dazu kommt noch, dass nicht nur seine Freunde vom Raumschiff „Caliguri“ auf der Suche nach dem Major sind, sondern auch zahlreiche Bösewichte, die den Protagonisten nur zu gerne in die Finger bekommen würden. Moebius vermengt diesen Verfolgungs-Thriller mit einer imposanten Ladung an mysteriösen Begebenheiten, wobei er seinen Helden sogar in die Rolle des Lesers (oder doch umgekehrt?) schlüpfen lässt. „Die Ferien des Majors“ wiederum beinhaltet eine ganze Reihe an Erzählungen aus der Feder von Moebius, die sich unter anderem mit einem ehemaligen Auftragskiller und einem ungebetenen Eindringling auseinander setzt. Dass der Autor dabei immer wieder für perplexe Gesichter sorgt, wenn seine Kurzgeschichten eine krasse Wendung nehmen, ist natürlich Ehrensache. Es lohnt sich also mal reinzuschauen.

moebius5Wobei wir bei der Gelegenheit auch noch einmal auf die Veröffentlichung des Werkes „Der Incal“ hinweisen möchten, welches bereits vor geraumer Zeit im „Splitter“-Verlag erschienen ist. Das Buch, das zusammen mit dem Autoren Jodorowsky entstanden ist, zählt ebenfalls zu den absoluten Meisterwerken seines Fachs und erzählt die Geschichte von Privatdetektiv John Difool und dessen Betonvogels Dipo, die sich mit zahlreichen Kampfrobotern und verrückten Ratten herumschlagen müssen. Der Auftaktband „Der schwarze Incal“ führt einen gekonnt in die Geschichte ein und punktet mit zahlreichen, experimentellen Passagen und großformatigen Motiven (die sich fortan immer weiter erhöhen sollten). Das apokalyptische Treiben zieht einen Schritt für Schritt in seinen Bann und im Anhang findet dazu zahlreiche Hintergrundinformationen zur Geburt des Incal von Jean Annestay, welche man sich zum besseren Verständnis unbedingt zu Gemüte führen sollte. Wer auf klassische Sci-Fi-Unterhaltung steht, kommt auch viele Jahre nach der Erstveröffentlichung nicht vorbei an den Werken von Moebius.

moebius6Das zeigt auch die Geschichte „Lust & Glaube“, welche der Autor zusammen mit Jordorowsky in Szene gesetzt hat und die nun beim „Schreiber & Leser“-Verlag als Komplettedition erschienen ist. Der Sammelband beinhaltet die Bände „Die Irre von Sacré Coeur“, „Gefangen im Irrationalen“ und „Der Irre von der Sorbonne“. Die Zusammenarbeit des Duos ist auch deshalb so interessant, weil hier mal eine ganz andere Seite von Moebius zum Tragen kommt. Man sollte zwar ein gewisses Faible für Esoterik mitbringen, um sich an diese Trilogie heranzuwagen, dann aber wird man dazu eingeladen schon nach wenigen Seiten in der Erzählung und den Motiven des Bandes zu versinken. Die Geschichte selbst setzt sich im Paris nach 1968 mit der dortigen Akademiker-Gesellschaft auseinander. Wir erfahren mehr über einen gewissen Alain Mangel, der als Philosophie-Professor an der Sorbonne lehrt. Pünktlich zum 60ten Geburtstag bekommt er von seiner Frau die Scheidungspapiere überreicht und wird dabei auch noch vor all seinen Freunden bloßgestellt, indem sie ihm gleich ihren neuen Freund vorstellt. Anschließend überschlagen sich die Ereignisse. Tarot-Karten kommen ins Spiel, die Tochter eines Drogenbarons wird aus dem Irrenhaus entführt und anschließend auch noch durch den kolumbianischen Regenwald gestreift. Im Mittelpunkt aber steht aber immer die Sinnsuche des Protagonisten, der auf seinem Sturzflug durchs Leben schrittweise zu sich selbst findet. Wer jetzt neugierig geworden ist. Es gibt natürlich noch zahlreiche weitere, wegweisende Werke von Moebius. Wir versuchen euch deshalb auf jeden Fall auch weiterhin über die Neuveröffentlichung seines Schaffens auf dem Laufenden zu halten und legen jedem Comic-Fan, der ihn noch nicht kennt, bei dieser Gelegenheit ans Herz, sich mal etwas genauer mit seinen Werken zu befassen. Es lohnt sich.

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