// aufgelesen vol. (2)67 – „the vinyl detective“

mit neuen Büchern von Dirk von Lowtzow, Clemens J. Setz und Andrew Cartmel. // Dirk von Lowtzow kennen wir bisher eigentlich nur als Liedermacher bei seiner Band Tocotronic. Dass er ein imposanter Lyriker ist, vermochte er bereits mit seinen bedeutungsvollen Texten unter Beweis zu stellen, und so ist es auch keine große Überraschung, dass sein […]

mit neuen Büchern von Dirk von Lowtzow, Clemens J. Setz und Andrew Cartmel.

// Dirk von Lowtzow kennen wir bisher eigentlich nur als Liedermacher bei seiner Band Tocotronic. Dass er ein imposanter Lyriker ist, vermochte er bereits mit seinen bedeutungsvollen Texten unter Beweis zu stellen, und so ist es auch keine große Überraschung, dass sein literarisches Debüt namens „Aus dem Dachsbau“ unbedingt von allen unseren Leser*innen etwas genauer unter die Lupe genommen werden sollte. Im Grunde genommen (und das deutet das Artwork auch schon an), geht bei dem Buch eigentlich um das Durchdeklinieren des Alphabets und so widmet sich der Musiker im Rahmend es Werkes nicht nur der Jungen Union oder Piratinnen, sondern auch der Weihnachtsabend und die Apokalypse werden noch einmal etwas genauer unter die Lupe genommen. Dabei erzählt er vorn schmerzlichen Verlusten, dem Aufwachsen im Schwarzwald und berichtet von seiner Sozialisation, im Rahmen derer Comics, die Musik und das Thema Film eine sehr große Rolle gespielt haben. Was aber besonders fasziniert: obwohl er sich einem strengen Rahmen unterwirft, wirkt diese Textsammlung dennoch wie aus einem Guss und ist nicht nur Tocotronic-Fans aufs Wärmste zu empfehlen.

// Clemens J. Setz hat sich zuletzt ja an ein gewagtes Bot-Experiment gewagt. Nun erscheint bei „Suhrkamp“ ein klassischer Erzählband des Grazer Autors, den ihr euch auf keinen Fall durch die Lappen gehen lassen solltet. Der Schöpfer von „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“, der zuletzt nach dem Preis der Leipziger Buchmesse auch noch den Berliner Literaturpreis 2019 erhielt, konfrontiert uns dabei mit unterschiedlichen Ausgangspositionen. Ob er sich allerdings einem elsässischen Soldaten im Ersten Weltkrieg zuwendet, oder einen jungen Mann, der sich in eine blinde Frau verliebt. Er schafft es immer wieder sehr gekonnt, die oberflächliche Fassade zu durchbrechen und den Dingen auf den Grund zu gehen. Dabei geschieht immer Unerwartetes, was wiederum den Alltag seiner Figuren ankratzt und sie mit Herausforderungen konfrontiert, die sie oftmals an ihre Grenzen führen. Wenn du also auf radikale Unterhaltung stehst, dann schnapp dir „Der Trost runder Dinge“. Du wirst ganz sicher begeistert sein.

// Zu guter Letzt außerdem noch der Hinweis auf ein wunderbares Werk für alle Vinyl-Fans. „Murder Swing“ ist eigentlich bereits vor drei Jahren veröffentlicht worden, der Band schafft es nun aber auch zu uns und bildet den Auftakt für eine famose Reihe an Vinyl-Kriminalromanen, die man sich als Musikfan auf keinen Fall durch die Lappen gehen lassen sollte. Andrew Cartmel, der selbst Sammler und Jazz-Fan ist und Theater Autor und Script-Editor für Doctor Who tätig gewesen ist, erzählt darin die Geschichte eines Vinyl-Detektivs, der sich immer wieder daran macht für seine Auftraggeber längst verschollene LP-Schätze ausfindig zu machen. Der Spezialist für seltene Schallplatten bekommt dabei im Rahmen des ersten Bandes von der geheimnisvollen Nevada den Auftrag für einen ihn unbekannten Auftraggeber eine Vinyl-Platte ausfindig zu machen. Dann allerdings kommt es zu einigen mysteriösen Todesfällen und schon bald steckt er mittendrin im größten Abenteuer seines Lebens. Wenn du also selbst Sammler bis, dann lass dir diese spannende Geschichte nicht entgehen. Sie ist so vollgestopft mit popkulturellen Seitenhieben, dass es eine wahre Freude ist. Und damit Schluss für heute. Bis zur nächsten Leserunde.