// aufgelesen 04.09/26 – „die nächtliche harmonie des holzorchester“

mit dem neuen Werk „Die nächtliche Harmonie des Holzorchesters“ von Reza Ghassemi. // Wer Lust verspürt, sich auf eine Zeitreise in die 90er Jahre zu machen, der findet in dem neuen Werk von Reza Ghassemi einen spannenden Begleiter für den Sommer. Der Autor aus Isfahan im Iran, der heute in Paris lebt, hat für seine […]

mit dem neuen Werk „Die nächtliche Harmonie des Holzorchesters“ von Reza Ghassemi.

// Wer Lust verspürt, sich auf eine Zeitreise in die 90er Jahre zu machen, der findet in dem neuen Werk von Reza Ghassemi einen spannenden Begleiter für den Sommer. Der Autor aus Isfahan im Iran, der heute in Paris lebt, hat für seine Theaterstücke, Romane und Geschichten bereits zahlreiche Preise erhalten und so verwundert es fast ein wenig, dass „Die nächtliche Harmonie des Holzorchesters“ sein erstes Werk ist, das auch hierzulande in den Handel kommt. Im Mittelpunkt der Geschichte, die in Paris spielt, befindet sich ein großes Mietshaus. Darin leben jede Menge Exzentriker. Ein Exilant aus dem Iran, der gleichzeitig passionierter Maler ist. In seinen Pinselstrichen scheint sich sein ganzes Leben zu spiegeln. Dabei geht es immer auch ums Weitermachen. Wie setzt man etwas wieder zusammen, das zerbrochen scheint und was macht das mit einem?

Dabei gelingt es dem Autor nicht nur ganz hervorragend den Zeitgeist der 90er in Paris einzufangen, sondern auch die zahlreichen Konflikte abzubilden, die sich aus dem beengten Leben in einer heruntergekommmenen Wohnung im Dachgeschoss ergeben. Auch wenn hier alltagstypische Konfliktherde des Zusammenlebens sehr treffsicher durchdekliniert werden, bildet dieses Werk das Leben an sich ganz vortrefflich im Rahmen eines Mikrokosmos ab, der doch nach außen hin immer wieder weit geöffnet wird. Als dann eines Tages auch noch ein seltsamer Nachbar auftaucht, den sie ironischerweise den „Prophet “ taufen, liegt so schnell kein Stein mehr auf dem Anderen. Behauptet er doch allen Ernstes immer wieder irgendwelche Nachrichten von Gott höchstpersönlich zu empfangen. Yadollah, die Hauptfigur unseres Werkes, muss deshalb immer wieder vesuchen die bevorstehenden Prophezeiungen zu verhindern und wird dabei nicht nur mit Todesengeln konfrontiert, sondern auch mit zahlreichen weiteren Katastrophen, die ihm den Atem rauben. Wenn du mal wieder ein gleichsam verrücktes und doch berauschendes Werk aus dem Alltag lesen möchtest, dann lass dir diese Geschichte nicht entgehen. Sie wird dir in vielerlei Hinsicht die Augen öffnen.