mit den beiden Werken „Fiasko“ von Tony Tulathimutte und „Other Mommy“ von Josh Malerman.

// Zwei ganz fantastische Werke wollen wir euch heute als Beisitzer für euer Bücherregal empfehlen und das auch deshalb, weil ihre diese Werke sicher so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommen werden. Im Mittelpunkt von „Fiasko“ steht dabei unter anderem ein Feminist, der durch eine Art Wurmloch fällt. Dazu gesellte sich eine junge Frau, die zunehmend in einen Abwärtssog gerät, weil ein One Night Stand nicht zu der von ihr erhofften, trauten Einigkeit führt. Als wäre das noch nicht genug, haben wir außerdem einen Thai-Amerikaner vor uns, der einen Fetisch entwickelt und diesen nun seinem Freund gestehen möchte. Dabei schafft es Tony Tulathimutte einen mit seinem Mosaik aus Geschichten schon nach wenigen Seiten um den kleinen Finger zu wickeln. Er gräbt sich tief rein in unsere, so vielschichtige Welt und schafft es mit seinen Worten eine Momentaufnahme unserer Zeit zu schießen. Dabei ist sein Werk immer wieder von einer heiteren Komik erfüllt, dass man kurzerhand laut loslachen möchte, bevor einem Selbiges dann wieder im Halse stecken bleibt.
Dabei wirkt sein Werk auch immer wieder grotsek, bisweilen sogar verstörend. Aber man möchte weiterlesen. Diesen Instinkten, die er hier durchexerziert, folgen und sehen wo sie einen in literarischer Hinsicht hinführen, wenn man mal über die liberalen Grenzen unserer Gesellschaft hinausblickt. Das Digitale nimmt dabei einen besonderen Stellenwert ein und so entsteht ein Werk, das den ganzen Irrsinn in sich aufnimmt, um ihn in ganz wunderbaren Sätzen wieder auszuspucken. Wenn du ein Werk über Wahnsinnige suchst, dann findest du hier reichlich davon. Aber du wirst es lieben, es zu lesen. Die Sätze in dich aufsaugen und dich fragen, wie du da nun mittenrein geraten konntest. Ein fantastisches Werk. Kein Wunder, dass es für zahlreiche, rennomierte, amerikanische Buchpresie nominiert wurde.

// Nicht minder abgründig, aber eher auf eine erschreckende Weise, gestaltet sich parallel dazu die Lektüre des Werkes „Other Mommy“. Hier steht ein achtjähriger namens Bela im Mittelpunkt und er wird heimgesucht von etwas ganz seltsamen, das nacht übelriechend seinen Schlaf zu stören vermag. Während er sich bei Mum, Dad und seiner Oma Ruth vollends geborgen und sicher fühlt, bekommt es das arme Kind mit einer Art zweiten Mutter zu tun. Sie riecht nach Fäkalien und will sich einen Weg in sein Herz bahnen. „Kann ich in dein Herz“, fragt sie ihn immer wieder, aber Bela weiß insgeheim, das er das verhindern muss. Er wehrt sich und nachdem sie ihn abweist, beginnen im Haus seltsame Sachen zu passieren. Auf einmal steht nicht nur sein Leben auf Messersschneide, sondern die ganze Familie ist in Gefahr. Und je länger sich Bela weigert die „Other Mommy“ an sich heranzulassen, umso schlimmer wird es. Am Ende scheint es keine andere Lösung mehr zu geben, als ihr den Wunsch zu erfüllen. Aber ob das so eine gute Idee ist? Josh Malerman, der Autor von „Bird Box“ schafft es hier eine subtile, psychologische Spannung aufzubauen, die einen beinahe umhaut. Kein Wunder, dass sein Werk inzwischen verfilmt wurde, es eignet sich im Herbst ganz hervorragend um allen einen kalten Schauer über den Rücken zu jagen. Also lass dich ein auf dieses Buch, das sogar Stephen King das Fürchten gelehrt haben soll. Du wirst es ganz sicher (nicht) bereuen.
UND WAS NUN?