// aufgelesen vol. (4)34 – „durchhalten, trotz allem“

mit dem Werk „Paul Celan: Eine Bildbiografie“. // Bertrand Badiou präsentiert mit „Paul Celan: Eine Bildbiografie“ eine bahnbrechende Dokumentation, die den gesamten Lebensweg des renommierten Dichters Paul Celan in Text und Bild umfassend beleuchtet. Dabei stellt sich die Biografie einer doppelten Herausforderung: Paul Celan selbst lehnte biografische Annäherungen an seine Dichtung ab und zeigte sich […]

mit dem Werk „Paul Celan: Eine Bildbiografie“.

// Bertrand Badiou präsentiert mit „Paul Celan: Eine Bildbiografie“ eine bahnbrechende Dokumentation, die den gesamten Lebensweg des renommierten Dichters Paul Celan in Text und Bild umfassend beleuchtet. Dabei stellt sich die Biografie einer doppelten Herausforderung: Paul Celan selbst lehnte biografische Annäherungen an seine Dichtung ab und zeigte sich auch der Fotografie gegenüber ausgesprochen skeptisch. Trotz dieser Hürden gelingt es Badiou, eine beeindruckende Bildbiografie zu schaffen, die nicht nur das äußere Leben Celans einfängt, sondern auch seine ethische Dimension. Die Biografie beginnt mit Celans Abneigung gegenüber dem Biografischen, einem Spannungsfeld, das im Laufe des Werks subtil und einfühlsam aufgelöst wird. Celans Zurückhaltung gegenüber Fotografien wird ebenfalls thematisiert, wobei die einzige sichtbare Fotografie in seiner Wohnung – das Bild seiner Mutter, von der er nur eine gerahmte Aufnahme besaß – eine tiefgreifende emotionale Bedeutung einnimmt. Die Bildbiografie schöpft aus reichhaltigen Quellen, darunter private fotografische Archive und Celans Nachlass, insbesondere aus bislang unveröffentlichten Tagebüchern. Diese Quellen ermöglichen einen einzigartigen Einblick in Celans seelische Störungen, seine dichterische Tätigkeit und seinen Widerstand gegen die dunklen Zeiten, die sein Leben durchzogen.

Die Verbindung von Texten und Bildern in diesem Werk schafft eine eindringliche Atmosphäre, die die Leser auf eine Reise durch Celans Leben mitnimmt. Trotz Celans Behauptung, dass „echte Dichtung antibiographisch ist“, wird die ethische und poetologische Dimension seines Lebens auf subtile Weise in jeder Anekdote und jedem Bild eingefangen. Besonders bemerkenswert ist die ausführliche Zitierung aus Celans bisher unveröffentlichten Tagebüchern, die einen noch tieferen Einblick in die Gedankenwelt des Dichters ermöglicht. Diese Texte, begleitet von Bildern, schaffen eine nuancierte und tiefgründige Erzählung über Celans Leben, die die Leser fesselt und berührt. „Paul Celan: Eine Bildbiografie“ ist nicht nur ein Buch über das Leben eines Dichters; es ist eine künstlerische und literarische Leistung, die die Herausforderungen und Widersprüche des Lebens von Paul Celan meisterhaft einfängt. Eine Pflichtlektüre für Liebhaber von Celans Poesie und für alle, die sich für die Verbindung von Text und Bild in der Biografie interessieren.