zu Gast beim Internationalen Filmfest in Mannheim und Heidelberg.

// Ja, wir müssen es zugeben. Es war magisch, was in den vergangenen Tagen in Mannheim und Heidelberg auf den großen Leinwänden zu sehen gewesen ist. Für uns war es der erste Ausflug in die beiden Städte und durch die unterschiedlichen Spielstätten hatten wir nicht nur die Möglichkeit, zahlreiche spannende, neue Filme zu sehen, sondern auch gleich noch die beiden Städte zu durchstreifen. Wo wir uns wohler fühlten? Schwer zu sagen. Wahrscheinlich am allermeisten in dem fantastischen Streifen „Ollie“, der auch Tage später noch in unseren Köpfen nachhallt. Wie hier eine Coming Of Age-Geschichte eines jungen Skaters kollidiert mit der Härte des echten Lebens, uns stand der Mund wirklich sperrangelweit offen. Dieser Film hat Aufmerksamkeit verdient, geht es doch auch im Kino genau darum: Die Menschen in Kontakt miteinander zu bringen. Miteinander ins Gespräch zu kommen. Standpunkte auszutauschen. Und am Ende vielleicht auch einen Kompromiss zu finden, der tragfähig ist, statt immer nur zu polarisieren.
Dabei lässt sich nur staunen, was das Filmteam uns hier für ein hervorragendes Line-Up kuratiert hat. Sogar den „Cannes“-Gewinner „Ein einfacher Unfall“ bekam man aufs Tablett serviert, aber leider konnte der Film bei uns nicht über die volle Lauflänge zünden. Vielleicht lag es an der Dynamik des Films, der immer wieder mit ernsten und humorvollen Momenten jonglierte, aber unsere Herzen eroberten andere Werke. Der Film zum Beispiel, der am Ende den „Preis der Jury“ und den für das beste Drehbuch erhielt, ging uns besonders ans Herz. „Blue Heron“ hieß das Werk von Sophy Romvari, ebenfalls als Coming Of Age-Erzählung angelegt, beeindruckte es allerdings mit einer überaus drastischen Familiengeschichte, die einem immer wieder eine Gänsehaut bescherte.


„Mile End Kicks“ war auch ein wirkliches Highlight, noch dazu mit seinem fantastischen Soundtrack, der hoffentlich schon bald eine Vinyl-Veröffentlichung nachgereicht bekommt und allen Fans von Alanis Morrissette ein breites Grinsen aufs Gesicht zaubern dürfte. Oder der tragisch-komische „Therapie für Wikinger“ mit Mads Mikkelsen, der mit einem verrückten Twist aufwartet und nicht nur den Fans der altehrwürdigen Beatles gefallen sollte.
Überhaupt zündeten auch die Komödien, die es ja bekanntlich oft schwer haben bei Festivals. „Roofman“ ist vielleicht kein klassischer Festival-Film, aber mit so viel Hingabe gespielt, dass man diese Komödie sofort ganz fest ins Herz schließt.

Eher traurig, aber nicht hoffnungslos gestaltete sich auch das Werk „The Summer Book“, das von einem schweren Verlust für eine Familie aus der Sicht eines jungen Mädchens erzählt. Herzerwärmend, aber dabei vollkommen frei von Klischees.

Allgemein lohnte sich auch ein Blick auf die Filme, die schon bald regulär in den Kinos zu sehen sein werden. Allen voran natürlich „Rental Family“, das uns die Geschichte eines Schauspielers vor den Latz knallt, der sich auf einmal mit einer Leihfamilie konfrontiert sieht und dabei auch zu sich selbst findet.

Dass uns der Klassiker „In The Mood For Love“ abermals die Tränen in die Augen trieb, erzählt er doch wie alle Filme von Wong Kar-wai auf nachdrücklich Weise von etwas Unvollendetem, das soll an dieser Stelle auch nicht unerwähnt bleiben.

Und ja, wir könnten ewig so weiter machen. Schwärmen von dem bitterbösen „Ein Kuchen für den Präsidenten“, der so nahe geht, dass es einen am Ende fast zerreist. Oder der Dokumentation „Do You Love Me“ von Lana Daher über Beirut und den Libanon, die sich anfühlt wie eine Videoclip-Collage und damit das ganze Dokumentations-Genre mal eben um die eigene Achse dreht. Uns schwirrt immer noch der Kopf davon und ihr solltet die Chance nutzen, wenn ihr die Möglichkeit habt diesen Film mal irgendwo zu Gesicht zu bekommen. Jetzt aber wollen wir uns vor allem bedanken für diese fantastische Auswahl an Filmen, die wir hier kennenlernen durften. Ähnlich wie auch beim „Filmwochenende“ in Würzburg hat man hier das Gefühl, das sehr viele Menschen sehr viel Mühe reinstecken in dieses Festival, dem, wenn wir richtig informiert sind, zweitältesten Deutschlands. Es lohnt sich also mal einen kleinen Abstecher ins auf den ersten Eindruck eher robuste Mannheim oder das eher beschaulich-romantische Heidelberg zu absolvieren (wir hatten durch die Filme leider nur bedingt Zeit zum Städte angucken, sorry dafür!). Wir jedenfalls waren begeistert und kommen gerne wieder. Und halten euch auch dann wieder gerne auf dem Laufenden. Bis sich der Vorhang hinter uns schließt.



UND WAS NUN?