// presswerke vol. (2)83 – „in the middle“

mit der neuen Vinyl-LP von White Lies. // Mit Night Light schlagen White Lies ein neues Kapitel auf, das zugleich vertraut wirkt und dennoch eine frische, ungewohnt unmittelbare Energie ausstrahlt. Die Band, die seit vielen Jahren für ihre Mischung aus düsterem Post-Punk, hymnischen Refrains und melancholischer Größe bekannt ist, nähert sich auf ihrem siebten Album […]

mit der neuen Vinyl-LP von White Lies.

// Mit Night Light schlagen White Lies ein neues Kapitel auf, das zugleich vertraut wirkt und dennoch eine frische, ungewohnt unmittelbare Energie ausstrahlt. Die Band, die seit vielen Jahren für ihre Mischung aus düsterem Post-Punk, hymnischen Refrains und melancholischer Größe bekannt ist, nähert sich auf ihrem siebten Album einer neuen Offenheit. Schon der Titel deutet an, was den Charakter der Platte bestimmt: ein Leuchten in der Dunkelheit, ein Funkeln, das sich im Spannungsfeld zwischen Nostalgie, Reife und musikalischer Experimentierfreude entfaltet. Das Trio hat sich für diesen Ansatz von der legendären TV-Musikshow The Midnight Special aus den 1970er-Jahren inspirieren lassen – eine Sendung, in der Bands ihre Songs live und ungefiltert präsentierten. Genau dieses Gefühl wollte die Band einfangen: weniger technischer Schnickschnack, dafür mehr Unmittelbarkeit. Und tatsächlich hört man Night Light an, wie sehr White Lies darauf vertraut haben, was sie seit beinahe zwei Jahrzehnten miteinander verbindet: die Fähigkeit, als geschlossene Einheit zu spielen und Songs zu erschaffen, die im Kern ganz pur funktionieren. Viele Tracks wirken deshalb wie in einem Guss geschrieben – reduziert, aber nicht schlicht, vielmehr klarer und direkter als auf früheren Alben.

Die Band lässt den Songs Raum zu atmen, verzichtet auf überbordende Arrangements und setzt stattdessen auf feingeschichtete Synthesizer, organische Bassläufe und die unverkennbare Stimme von Harry McVeigh, die erneut zwischen Nachdenklichkeit und Zuversicht pendelt. Produzent Riley McIntyre und Keyboarder Seth Evans haben diesen Prozess spürbar geprägt: Das Album klingt warm, detailreich und zugleich so energiegeladen, als stünde die Band direkt vor einem im Halbdunkel eines kleinen Clubs. Manche Songs haben beinahe progressive Anleihen, andere glänzen mit überraschend luftigen Synthie-Flächen, wieder andere schimmern plötzlich in tanzbaren Disco-Rhythmen auf. Es ist ein selbstbewusstes Spiel mit ihrem eigenen Klang, das zeigt, wie sicher die Band inzwischen agiert. Vielleicht ist es genau das, was die besondere Stärke dieses Albums ausmacht: White Lies klingen, als hätten sie nach vielen Jahren nun endgültig ihre Mitte gefunden. Nicht verbissen, nicht aufgeregt, sondern mit einer Kraft, die aus Erfahrung und Vertrauen entsteht. Night Light ist eine Platte, die im Ohr bleibt, die leuchtet, wenn man sie laut hört, und die auch nach mehreren Durchläufen neue Nuancen offenbart. Im klassischen Schuber auf Vinyl, mit sorgfältiger Gestaltung und bedruckten Innenhüllen, wirkt die Veröffentlichung wie ein bewusstes Statement: Musik zum Anfassen, bewusst hören, genießen. Ein Album, das nicht hetzt, sondern sich entfaltet. Night Light ist ein Werk für lange Nächte, für graue Wintertage, für Momente der Ruhe – und für alle, die die leuchtende Seite der Dunkelheit zu schätzen wissen. White Lies beweisen einmal mehr, dass sie nicht nur eine Band mit Vergangenheit sind, sondern eine, die auch in Zukunft noch viel zu sagen hat.