mit der neuen Live-Vinyl-LP von Fever Ray.

// Es gibt Platten, die hebt man auf, weil sie schön aussehen. Und dann gibt es Platten wie diese, bei denen man schon beim ersten Durchhören merkt: Sie werden einen noch lange begleiten. The Year of the Radical Romantics fühlt sich an wie ein Rückblick auf eine intensive, rauschhafte Tour, aber gleichzeitig wie ein völlig neues Kapitel im Schaffen von Fever Ray. Was mich an diesem Album sofort gepackt hat, ist diese besondere Mischung aus Energie und Verletzlichkeit. Fever Ray — die Kunstfigur, die Karin Dreijer über Jahre hinweg perfektioniert hat — war schon immer ein Gegenentwurf zu allem Gewohnten. Diese Stimme, die irgendwo zwischen flüsternder Nähe und befremdlicher Entrücktheit oszilliert, trägt auch hier wieder alles. Aber die neuen Studio-Live-Versionen geben den Songs eine Unmittelbarkeit, die man so selten eingefangen bekommt. Man spürt die Hitze der Tour, die körperliche Präsenz der Performances, diesen impulsiven, manchmal fast tranceartigen Rhythmus, der sich durch die Setlist zieht. Besonders schön ist, wie unterschiedlich die Songs atmen dürfen: Stücke aus dem gefeierten Album Radical Romantics wirken hier roher und direkter, während ältere Tracks aus der Plunge-Ära und den ganz frühen Jahren auf einmal erstaunlich warm klingen.
Es ist, als hätte Fever Ray ihre eigene musikalische Geschichte auseinandergenommen, abgestaubt und noch einmal neu zusammengefügt. Und genau deshalb wirkt dieses Album nicht wie eine Sammlung, sondern wie ein geschlossenes Kunstwerk — eine Momentaufnahme, die stärker leuchtet als vieles, was vorher war. Auch die Verpackung macht etwas mit einem: das Gatefold-Cover, die zwei schweren Vinylscheiben, die Fold-Out-Poster. Alles fühlt sich wertig an, aber nie überladen. Es passt einfach zu dieser Welt, die Fever Ray auf ihren Touren erschafft — eine Mischung aus Ritual, Performance und fast schon spiritueller Intensität. Wer die „There’s No Place I’d Rather Be“-Konzerte erlebt hat, wird beim Hören wahrscheinlich mehr als einmal Gänsehaut bekommen. Ich mag besonders, wie sehr dieses Album in die dunkle Jahreszeit passt. Die Tracks haben etwas Schimmerndes, Fast-Winterliches: geheimnisvoll, melancholisch, und doch voller Kraft. Man kann sie nachts mit Kopfhörern hören oder laut auflegen, während draußen die Lichter glimmen — beides funktioniert, beides entfaltet eine eigene Magie. Und vielleicht liegt genau darin die Stärke dieser Edition: Sie macht aus etwas Vergangenem etwas vollkommen Gegenwärtiges. Ein Album zum Wiederentdecken, zum Eintauchen, zum Festhalten. Wenn man sich auf Fever Rays eigenwillige Klangwelt einlässt, wird man mit einem Gefühl belohnt, das man nicht oft bekommt: dass Musik nicht nur begleitet, sondern verändert.
UND WAS NUN?