// spieltrieb vol. (3)39 – „ein mädchen namens willow“

mit den Werken „Schattenzeit“ und dem Buch zum Film von „Ein Mädchen namens Willow“. // Die Welt von Sabine Bohlmann rund um Willow hat für mich etwas geschafft, das im Kinder- und Jugendbuch gar nicht so selbstverständlich ist: Sie wirkt gleichzeitig geborgen und spannend, märchenhaft und nah am echten Leben. Sowohl „Das Buch zum Film“ […]

mit den Werken „Schattenzeit“ und dem Buch zum Film von „Ein Mädchen namens Willow“.

// Die Welt von Sabine Bohlmann rund um Willow hat für mich etwas geschafft, das im Kinder- und Jugendbuch gar nicht so selbstverständlich ist: Sie wirkt gleichzeitig geborgen und spannend, märchenhaft und nah am echten Leben. Sowohl „Das Buch zum Film“ als auch „Schattenzeit“ zeigen sehr schön, warum diese Reihe so viele junge Leserinnen und Leser – und erstaunlich viele Erwachsene – begeistert. Das Buch zum Film ist weit mehr als eine bloße Nacherzählung. Man merkt sofort, dass Sabine Bohlmann ihre eigene Geschichte noch einmal neu durchdrungen hat. Der Ton ist warm, ruhig und voller Momente des Staunens. Willow begegnet uns hier als neugieriges, manchmal unsicheres, aber sehr mutiges Mädchen, dessen Weg zur eigenen Kraft behutsam erzählt wird. Besonders gelungen finde ich, wie das Thema Hexerei nicht als Machtfantasie, sondern als Verantwortung dargestellt wird. Feuer, Wasser, Luft und Erde stehen nicht nur für magische Fähigkeiten, sondern für innere Balance, Freundschaft und das Vertrauen in sich selbst. Die vielen Filmfotos fügen sich überraschend gut ein und unterstützen die Geschichte, ohne sie zu überlagern. Für Kinder, die den Film gesehen haben, ist dieses Buch eine wunderbare Vertiefung, für Neueinsteiger ein sanfter Einstieg in Willows Welt.

Was Sabine Bohlmann hier besonders auszeichnet, ist ihre Sprache. Sie schreibt klar und bildhaft, ohne zu vereinfachen oder zu verniedlichen. Der Wald ist nicht nur Kulisse, sondern ein lebendiger Ort, der Schutz bietet, aber auch Geheimnisse birgt. Diese Verbindung zur Natur zieht sich wie ein leiser Zauber durch das gesamte Buch und macht einen großen Teil seiner Faszination aus.

Mit „Schattenzeit“, dem fünften Band der Reihe, wird die Geschichte spürbar komplexer und dunkler – auf eine Weise, die für die Altersgruppe genau richtig dosiert ist. Die Schatzsuche klingt zunächst verspielt, entwickelt sich aber schnell zu einer ernsthaften Prüfung für Willow und ihre Freundinnen. Misstrauen, Geheimnisse und neue Figuren bringen Unruhe in den vertrauten Wald. Besonders schön fand ich, dass hier nicht alles sofort erklärt wird. Das Schweigen von Grimmoor, der geheimnisvolle Junge mit der Geige und der erwachende Waldgeist erzeugen eine Spannung, die leise, aber konstant ist. „Schattenzeit“ fühlt sich wie ein Wendepunkt an. Willow ist kein Kind mehr, das einfach entdeckt, sondern eines, das Entscheidungen treffen muss. Freundschaft wird auf die Probe gestellt, und das Thema Vertrauen bekommt eine neue Tiefe. Sabine Bohlmann gelingt es, diese Entwicklung glaubwürdig und einfühlsam zu erzählen, ohne den Zauber der Reihe zu verwässern. Gerade die Mischung aus Magie, Naturverbundenheit und emotionaler Reife macht diesen Band so stark. Was beide Bücher verbindet, ist eine spürbare Liebe zu ihren Figuren und zu den Leserinnen und Lesern. Sabine Bohlmann schreibt nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe. Ihre Erfahrung als Schauspielerin und Sprecherin merkt man ihren Texten an: Dialoge wirken lebendig, Gefühle klar, ohne je aufdringlich zu sein. Willow darf zweifeln, Fehler machen und wachsen – und genau darin liegt ihre Stärke als Identifikationsfigur. Für mich sind diese Bücher ein schönes Beispiel dafür, wie moderne Kinderfantasy aussehen kann: magisch, aber bodenständig; spannend, aber tröstlich; fantasievoll, aber mit einem klaren Wertekompass. Ob als Einstieg über das Buch zum Film oder als vertiefende Lektüre mit „Schattenzeit“ – Willows Welt lädt dazu ein, sich Zeit zu nehmen, hinzuhören und an die leise Kraft des Guten zu glauben.