// werktag vol. (1)87 – „tarantino town“

mit dem Werk „Tarantino Town“ von Johan Chairamonte und Camille Mathieu. // „Tarantino Town“ hat bei mir sofort dieses breite Grinsen ausgelöst, das man bekommt, wenn man merkt, dass ein Buch nicht nur über ein Thema spricht, sondern es wirklich verstanden hat. Johan Chiaramonte und Camille Mathieu nähern sich Quentin Tarantino nicht analytisch-kühl, sondern spielerisch, […]

mit dem Werk „Tarantino Town“ von Johan Chairamonte und Camille Mathieu.

// „Tarantino Town“ hat bei mir sofort dieses breite Grinsen ausgelöst, das man bekommt, wenn man merkt, dass ein Buch nicht nur über ein Thema spricht, sondern es wirklich verstanden hat. Johan Chiaramonte und Camille Mathieu nähern sich Quentin Tarantino nicht analytisch-kühl, sondern spielerisch, liebevoll und mit einer Begeisterung, die ansteckend ist. Dieses Buch will nicht erklären, warum Tarantino wichtig ist – es setzt voraus, dass man das längst weiß – und lädt stattdessen dazu ein, seine Welt zu betreten. Das Konzept, Tarantinos Filmografie als Stadt zu entwerfen, ist nicht nur ein cleverer Einfall, sondern trägt das ganze Buch. Jede Seite fühlt sich an wie ein neuer Straßenzug, ein neues Schaufenster, ein zufälliger Fund, bei dem man stehenbleibt und sich festliest. Ob Secondhandladen, Kino, Diner oder Buchhandlung – alles ist durchdrungen von Referenzen, Zitaten und visuellen Anspielungen. Dabei wirkt nichts beliebig. Man merkt, dass hier mit enormer Detailverliebtheit gearbeitet wurde und dass die Macher Tarantinos Obsessionen teilen: Musik, Genre-Kino, Mode, Gewaltästhetik, Popkultur. Die 180 farbigen Abbildungen sind das Herzstück des Buches. Sie sind verspielt, präzise und voller Humor.

Ich habe mich dabei ertappt, immer wieder zurückzublättern, um ein Detail erneut zu betrachten, ein kleines Easter Egg zu entdecken oder eine Referenz einzuordnen. Das Buch fordert Zeit – nicht, weil es kompliziert wäre, sondern weil es so viel zu sehen gibt. Es ist kein Werk, das man linear „durchliest“, sondern eines, das man durchstreift. Die begleitenden Texte sind angenehm knapp und klug gesetzt. Sie liefern Kontext, ohne die Bilder zu erdrücken, und schaffen es, Tarantinos Einflüsse sichtbar zu machen, ohne belehrend zu wirken. Besonders schön finde ich, dass nicht nur seine eigenen Filme gefeiert werden, sondern auch die Werke, die ihn geprägt haben – Exploitation-Kino, Spaghetti-Western, Martial-Arts-Filme, Grindhouse. Dadurch wird klar, dass Tarantino Town nicht nur ein Ort der Referenzen ist, sondern ein lebendiges Archiv der Filmgeschichte. Dass das Buch auf Englisch ist, empfand ich nicht als Hürde, sondern als stimmig. Der Ton passt zur internationalen, popkulturellen DNA Tarantinos. Die Sprache bleibt zugänglich und ist selbst für Leserinnen und Leser mit soliden Englischkenntnissen gut zu erfassen. Wer Tarantino liebt, wird ohnehin viele Begriffe, Zitate und Zusammenhänge sofort wiedererkennen. Für mich ist „Tarantino Town“ weniger ein klassisches Filmbuch als ein Erlebnisobjekt. Es ist etwas, das man auf den Tisch legt, durch das man blättert, das man Freunden zeigt, bei dem Gespräche entstehen. Es feiert Tarantino nicht als unantastbares Genie, sondern als leidenschaftlichen Sammler, Zitierer und Geschichtenerzähler – und genau darin liegt seine größte Stärke. Dieses Buch ist ideal für alle, die Kino nicht nur schauen, sondern fühlen. Für mich ist es eine liebevolle Einladung, mich wieder daran zu erinnern, warum ich Filme überhaupt so sehr liebe: wegen ihrer Welten, ihrer Exzesse, ihrer Details – und wegen dieses ganz besonderen Funkens, den Tarantino wie kaum ein anderer entzünden kann.