mit dem Werk „Spuk“ von Florian Dietmaier.

// Florian Dietmaiers Roman Spuk hat mich ziemlich schnell in seinen ganz eigenen Sog gezogen – weniger als klassischer Krimi, sondern eher als ein brüchiges Erinnerungsgeflecht, das sich Stück für Stück zusammensetzt. Im Zentrum steht dieser abgehalfterte Privatdetektiv Frank, irgendwo im heißen Tucson der frühen 50er, der eigentlich einen Auftrag erledigen soll, aber gedanklich immer weiter abdriftet. Und genau dieses Abdriften ist es, was den Reiz des Buches ausmacht. Was zunächst wie eine Noir-Geschichte beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einer Reise durch verschiedene Zeiten und Orte. Erinnerungen blitzen auf, verschwinden wieder, tauchen an anderer Stelle verzerrt erneut auf. Mal ist man im Florida der 40er, dann wieder im Los Angeles der Prohibitionszeit oder sogar im politisch aufgeladenen Österreich nach dem Ersten Weltkrieg. Dabei hatte ich oft das Gefühl, dass es gar nicht so sehr darum geht, eine klare Handlung nachzuvollziehen, sondern eher darum, sich in Franks Kopfzustand einzufühlen – dieses Unzuverlässige, dieses Verdrängen, dieses langsame Aufbrechen von etwas, das lange unter der Oberfläche lag. Gerade diese Struktur fand ich besonders spannend.
Der Roman bewegt sich nicht geradlinig, sondern eher tastend, manchmal fast taumelnd durch die Vergangenheit. Man merkt schnell: Hier erinnert sich jemand nicht einfach, sondern kämpft mit dem, was er lieber vergessen hätte. Schuld und Verstrickung stehen permanent im Raum, ohne dass sofort alles ausgesprochen wird. Das macht das Ganze teilweise anstrengend, aber auch unglaublich dicht. Atmosphärisch ist Spuk stark – diese Hitze in Tucson, das Flirren der Landschaft, die schmutzigen, halbvergessenen Geschichten aus anderen Zeiten. Gleichzeitig schwingt immer etwas Unheimliches mit, nicht im klassischen Horror-Sinn, sondern eher als Gefühl, dass die Vergangenheit nie wirklich vorbei ist. Dass sie sich ihren Weg zurückbahnt, egal wie sehr man versucht, sie wegzudrücken. Was mir besonders gefallen hat, ist diese Mischung aus historisch verbürgten Elementen und Fiktion. Dadurch wirkt das Ganze nie komplett entrückt, sondern hat immer einen realen Kern, der die Geschichte erdet. Gleichzeitig bleibt genug Spielraum für Unsicherheit – was stimmt, was ist verzerrt, was vielleicht sogar eingebildet? Unterm Strich ist Spuk für mich kein Roman, den man einfach „wegliest“. Er verlangt Aufmerksamkeit und Geduld, belohnt das aber mit einer ungewöhnlich vielschichtigen Erzählweise und einer dichten, fast schon beklemmenden Atmosphäre. Vor allem, wenn man Geschichten mag, die sich weniger über Handlung als über Erinnerung, Schuld und innere Zustände entfalten, bleibt hier einiges hängen.
UND WAS NUN?