mit dem Werk „Centuria“ von Tohru Kuramori.

// Tohru Kuramoris Centuria hat mich direkt mit seiner düsteren Atmosphäre gepackt – und zwar nicht auf eine „cool düster“-Art, sondern eher so, dass man von Anfang an merkt: Das hier wird kein angenehmer Trip. Der Einstieg ist schon ziemlich heftig. Ein Sklavenschiff, Enge, Gewalt, Ausweglosigkeit – und mittendrin Julian, der eigentlich nur als blinder Passagier mitreist und dann selbst Teil dieses Systems wird. Diese Ausgangssituation fühlt sich roh und unangenehm an, fast schon klaustrophobisch. Und genau das zieht einen sofort rein, weil man merkt, dass der Manga sich nicht scheut, seine Welt wirklich hart zu zeigen. Was danach passiert, kippt das Ganze dann endgültig ins Übernatürliche. Dieses Massaker an Bord, das aus dem Blut heraus etwas Fremdes, Unbegreifliches entstehen lässt – das hat für mich sehr stark in Richtung kosmischer Horror funktioniert. Also weniger klassisches Monster-Action-Ding, sondern eher dieses Gefühl, dass da etwas existiert, das sich menschlichen Maßstäben komplett entzieht.
Diese Momente bleiben hängen, weil sie nicht vollständig erklärt werden. Gleichzeitig ist Centuria aber nicht nur Horror, sondern auch eine Geschichte über Entscheidungen unter extremen Bedingungen. Die Beziehung zwischen Julian und Mira gibt dem Ganzen eine emotionale Basis, die wichtig ist, weil sie verhindert, dass alles nur aus Gewalt und Schockmomenten besteht. Gerade in diesen kurzen Momenten von Nähe oder Schutz merkt man, was auf dem Spiel steht. Zeichnerisch fand ich den Band ziemlich beeindruckend. Die Panels sind oft detailreich, manchmal fast schon überladen, aber genau das passt zu dieser Welt. Besonders in den Szenen, in denen das Übernatürliche auftaucht, wird es visuell richtig intensiv – fast schon unangenehm, aber im positiven Sinne, weil es die Wirkung verstärkt. Man merkt auch, dass Kuramori aus einer Schule kommt, die stark von modernen, düsteren Manga geprägt ist. Diese Mischung aus brutaler Körperlichkeit, emotionaler Härte und surrealem Horror erinnert stellenweise an neuere Dark-Fantasy-Strömungen, ohne einfach nur zu kopieren. Es fühlt sich eher wie eine Weiterentwicklung an, die ihren eigenen Ton sucht. Was mir besonders gefallen hat: Der Band erklärt noch nicht alles. Vieles bleibt offen, vieles wirkt fragmentarisch. Das kann frustrierend sein, wenn man klare Antworten erwartet, aber ich fand gerade diese Unsicherheit spannend. Es passt zu dieser Welt, dass man nie ganz weiß, worauf alles hinausläuft. Unterm Strich ist Centuria für mich ein starker Auftakt, der vor allem über Stimmung und Intensität funktioniert. Kein leichter Einstieg, kein „nebenbei lesen“-Manga, sondern etwas, das einen bewusst in eine dunkle, unangenehme Welt zieht – und genau darin seinen Reiz hat.
UND WAS NUN?