mit den beiden Werken „Wundervolle Welt der Vögel“ und „Wundervolle Welt. Wasser“.

// Diese beiden Bände der „Wundervolle Welt“-Reihe entfalten ihre eigentliche Stärke erst dann vollständig, wenn man sie nebeneinander betrachtet. „Wundervolle Welt. Wasser“ von Sam Hume und „Wundervolle Welt der Vögel“ von Ben Hoare wirken wie zwei sorgfältig komponierte Gegenstücke: das eine führt in die Tiefe, ins Verborgene, in Räume, die für den Menschen nur schwer zugänglich sind; das andere öffnet den Blick nach oben, in die Weite, in Bewegung und Freiheit. Zusammen ergeben sie fast so etwas wie eine visuelle und erzählerische Karte des Lebens zwischen Ozean und Himmel. „Wundervolle Welt. Wasser“ beeindruckt vor allem durch seine Atmosphäre. Schon beim Aufschlagen entsteht das Gefühl, in eine andere Welt einzutreten. Die Darstellung ist nicht rein sachlich, sondern bewusst inszeniert: Leuchtende Korallenriffe, durchscheinende Quallen, gewaltige Wale und fremdartige Tiefseewesen werden so präsentiert, dass sie gleichermaßen faszinierend und leicht entrückt wirken. Die Texte begleiten diese Bilder mit einer Mischung aus Fakten und erzählerischem Ton.
Kinder erfahren hier nicht nur, wie Tiere leben, sondern auch, was sie besonders macht – etwa wie Lungenfische extreme Bedingungen überstehen oder wie sich Lebewesen an die Dunkelheit der Tiefsee angepasst haben. Besonders gelungen ist, dass die Inhalte in überschaubare, gut strukturierte Einheiten gegliedert sind, sodass man sowohl gezielt lesen als auch einfach treiben lassen kann. Es ist ein Buch, in dem man sich verlieren darf.

„Wundervolle Welt der Vögel“ setzt einen ganz anderen Schwerpunkt, ohne das Grundkonzept zu verlassen. Hier steht die Vielfalt der Vogelwelt im Mittelpunkt – ihre Farben, ihre Bewegungen, ihre oft erstaunlichen Lebensweisen. Die Bandbreite reicht von kleinsten, fast schwebenden Kolibris bis hin zu großen, kraftvollen Fliegern wie Kondoren oder Albatrossen. Besonders eindrucksvoll sind die Einblicke in Verhaltensweisen: Balzrituale, Nestbau, Migration über tausende Kilometer. Auch hier sind die Texte so gestaltet, dass sie informieren, ohne zu überfordern, und gleichzeitig Neugier wecken. Die Kombination aus detailreichen Fotografien und stilisierten Illustrationen sorgt dafür, dass jede Doppelseite fast wie eine kleine Bühne wirkt, auf der sich die jeweilige Art präsentiert. Im direkten Vergleich fällt auf, wie unterschiedlich die beiden Bücher ihre Themen emotional aufladen. „Wasser“ arbeitet viel mit dem Gefühl des Geheimnisvollen, mit Tiefe, Dunkelheit, Entdeckung. Es ist ein eher ruhiges, manchmal fast meditativer wirkendes Buch. „Vögel“ dagegen ist lebendiger, farbintensiver, oft dynamischer. Hier geht es um Bewegung, um Flug, um Sichtbarkeit. Diese Gegensätze ergänzen sich hervorragend und machen den Reiz aus, beide Bücher gemeinsam zu betrachten. Ein ganz wesentlicher Bestandteil des Gesamteindrucks ist die außergewöhnlich hochwertige Gestaltung. Beide Bände sind so aufgemacht, dass sie sofort als etwas Besonderes auffallen. Der Goldschnitt verleiht ihnen eine fast festliche Anmutung, die Goldfolie auf dem Cover sorgt für einen edlen Glanz, und das Lesebändchen unterstreicht den Anspruch, dass es sich hier nicht um Wegwerf-Lektüre handelt, sondern um Bücher, die bleiben sollen. Auch das Format spielt eine Rolle: groß genug, um die Bilder wirken zu lassen, aber so gestaltet, dass man sie gut gemeinsam anschauen kann. Gerade für das Vorlesen oder gemeinsame Entdecken mit Kindern ist das ideal. Diese Gestaltung ist nicht bloß dekorativ, sondern verstärkt das Konzept der Reihe. Die Bücher wollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern Staunen auslösen – und das gelingt über die volle Distanz perfekt. Man hat fast das Gefühl, ein modernes Märchenbuch in der Hand zu halten, nur dass die „Geschichten“ hier von realen Tieren und Lebensräumen erzählt werden. Insgesamt sind beide Bände weit mehr als klassische Nachschlagewerke. Sie funktionieren als Einladung, sich Zeit zu nehmen, zu blättern, zu entdecken, Fragen zu stellen. Für Kinder bieten sie einen niedrigschwelligen, aber inhaltlich gehaltvollen Zugang zur Natur. Für Erwachsene sind sie eine Erinnerung daran, wie faszinierend diese Welt ist, wenn man sie nicht nur funktional betrachtet. Im Zusammenspiel entfalten sie eine besondere Qualität: Sie zeigen, wie unterschiedlich Lebensräume sein können – und wie viel es in beiden zu entdecken gibt.
UND WAS NUN?