mit der neuen Vinyl-LP von JJerome87.

// Mit „The Canyon“ legt JJerome87 ein Album vor, das sich kaum in gängige Kategorien einordnen lässt. Der australische Musiker bewegt sich irgendwo zwischen Indie-Folk, alternativem Pop, Soul und Americana und erschafft dabei einen ganz eigenen Klangkosmos. Die Songs erinnern in ihrer verschachtelten Struktur und ihrem Gespür für ungewöhnliche Arrangements gelegentlich an die frühen Werke von alt-J, besitzen aber zugleich eine warme, organische Handschrift, die deutlich von kalifornischer Songwriter-Tradition, Motown-Grooves, Blues und Gospel geprägt ist. Die Entstehungsgeschichte des Albums spiegelt diese Offenheit wider. Aufgenommen wurde „The Canyon“ in Los Angeles gemeinsam mit Produzent Carlos De La Garza sowie einer Gruppe erfahrener Studiomusiker und drei Sängerinnen, die dem Album immer wieder zusätzliche Tiefe verleihen. Dadurch entsteht ein Sound, der gleichzeitig intim und weitläufig wirkt. Viele Stücke leben von ihrer Dynamik: Sie beginnen zurückhaltend und entwickeln sich nach und nach zu regelrechten Klanglandschaften, in denen Stimmen, Instrumente und Melodien ineinandergreifen.
Schon der Opener „Mr. Alligator“ zieht einen sofort in diese besondere Atmosphäre hinein. Das Stück verbindet eine fast hypnotische Melodieführung mit rhythmischen Brüchen und einem subtilen Spannungsaufbau. „Green Velvet“ und „Quaaludes“ wirken dagegen etwas träumerischer und lassen viel Raum für Stimmungen und kleine musikalische Details. Immer wieder überrascht das Album mit ungewöhnlichen Wendungen, ohne dabei konstruiert zu wirken. Besonders reizvoll ist die enorme stilistische Bandbreite. „Juicy“ und „Walkaway Music“ tragen deutlich den Einfluss amerikanischer Soul- und Gospelmusik in sich und profitieren von den mehrstimmigen Gesangspassagen. „Brush Me Like A Horse“ und „Two Hearts“ besitzen dagegen eine fast folkige Wärme und wirken wie kleine Geschichten, die man an einem langen Sommerabend erzählt bekommt. Gegen Ende gewinnen die Stücke noch einmal an Intensität, ehe „Pennine“ das Album auf eine nachdenkliche und beinahe schwebende Weise beschließt. Die vorliegende LP-Ausgabe erscheint im einfachen Schuber auf klassischem schwarzen Vinyl und passt damit hervorragend zum Charakter des Albums. Die reduzierte, unaufgeregte Aufmachung lenkt den Fokus ganz auf die Musik. Das schwarze Vinyl vermittelt eine zeitlose Wertigkeit und unterstreicht den Eindruck, dass hier weniger auf große Effekte als vielmehr auf Substanz gesetzt wird. Auch klanglich profitiert „The Canyon“ von der Vinylveröffentlichung. Gerade die ruhigeren Passagen gewinnen an Tiefe, während die dynamischen Momente ihre Kraft behalten. Man hört diesem Album an, dass es mit echten Musikerinnen und Musikern eingespielt wurde und von einem Produzenten betreut wurde, der viel Wert auf Atmosphäre und Natürlichkeit legt. „The Canyon“ ist kein Album für den schnellen Konsum nebenbei. Es möchte entdeckt werden und belohnt wiederholtes Hören mit immer neuen Details. JJerome87 gelingt das Kunststück, unterschiedlichste Einflüsse zu einem stimmigen Ganzen zu verbinden und dabei eine eigene musikalische Identität zu bewahren. Mehr davon, bitte.
UND WAS NUN?