mit dem Werk „Carl´s Doomsday Scenario“ von Matt Dinniman.

// Mit „Carl’s Doomsday Scenario“ setzt Matt Dinniman eine der ungewöhnlichsten und erfolgreichsten Fantasy-Serien der letzten Jahre fort. Nachdem „Dungeon Crawler Carl“ bereits zu einem Kultphänomen innerhalb der LitRPG-Szene geworden ist, hebt Band zwei die Geschichte auf ein noch höheres Niveau. Mehr Wahnsinn, mehr Humor, mehr Monster, mehr Explosionen – und zugleich eine überraschend intelligente Weiterentwicklung der Figuren und der Welt. Die Ausgangsidee der Reihe ist ebenso absurd wie genial: Außerirdische zerstören die Erde und verwandeln die letzten Überlebenden in Teilnehmer einer gigantischen intergalaktischen Reality-Show. Wer überleben will, muss einen tödlichen Dungeon durchqueren, Levels aufsteigen, Ausrüstung sammeln und die Zuschauer unterhalten. Im Zentrum stehen Carl und seine ebenso arrogante wie liebenswerte Begleiterin Princess Donut, eine verwöhnte Perserkatze, die durch die Katastrophe plötzlich sprechen kann und sich schnell als ebenso schlagfertig wie überlebensfähig erweist. Was zunächst wie eine Parodie auf Videospiele und Fantasy-Klischees wirkt, entwickelt sich erstaunlich schnell zu einer eigenständigen Mischung aus Science-Fiction, Satire, Action und schwarzem Humor.
Dinniman versteht die Regeln klassischer Rollenspiele perfekt und nutzt sie nicht nur für Gags, sondern auch für spannende Handlungskonstruktionen. Die Charaktere müssen Quests lösen, Fähigkeiten verbessern und ständig neue Herausforderungen bewältigen, doch hinter all dem steckt eine bissige Kritik an Medienkonsum, Sensationslust und Unterhaltung um jeden Preis. „Carl’s Doomsday Scenario“ knüpft unmittelbar an die Ereignisse des ersten Bandes an. Die eigentliche Trainingsphase ist vorbei, die Spiele beginnen ernsthaft, und der Dungeon wird zunehmend tödlicher. Die Oberstadt, das neue Level, gehört dabei zu den kreativsten Schauplätzen der Serie. Eine zerstörte Metropole voller Geheimnisse, Magie, untoter Zirkusgestalten und tödlicher Fallen bildet die Bühne für zahlreiche spektakuläre Szenen. Dinniman gelingt es, selbst inmitten größter Absurdität immer wieder neue Ideen einzubringen, sodass die Handlung nie vorhersehbar wird. Besonders beeindruckend ist die Balance zwischen Humor und Spannung. Die Serie lebt von ihrem anarchischen Tonfall, den absurden Achievement-Meldungen, der exzentrischen Dungeon-KI und den zahllosen popkulturellen Anspielungen. Gleichzeitig steht für die Figuren ständig alles auf dem Spiel. Hinter den Witzen lauern echte Gefahren, Verluste und moralische Entscheidungen. Gerade dieser Kontrast macht den besonderen Reiz der Reihe aus. Carl bleibt dabei ein ungewöhnlicher Held. Er ist kein klassischer Auserwählter, kein mächtiger Zauberer und kein unbesiegbarer Krieger. Stattdessen stolpert er oft widerwillig durch die Katastrophe und versucht mit Pragmatismus, Improvisationstalent und trockenem Humor zu überleben. Seine Dynamik mit Princess Donut gehört weiterhin zu den größten Stärken der Bücher. Die sprechende Katze entwickelt sich immer stärker zu einer eigenständigen Hauptfigur und sorgt für viele der komischsten, aber auch überraschend berührenden Momente. Innerhalb des noch jungen deutschen LitRPG-Marktes nimmt die Reihe eine Sonderstellung ein. Während viele Vertreter des Genres stark auf Spielmechaniken und Zahlenwerte fokussiert sind, gelingt Dinniman etwas Seltenes: Er verbindet die Freude am Rollenspielsystem mit einer wirklich packenden Geschichte und erinnerungswürdigen Figuren. Dadurch spricht die Serie nicht nur Fans von LitRPG an, sondern auch Leserinnen und Leser klassischer Fantasy, Science-Fiction oder humorvoller Abenteuerromane. „Carl’s Doomsday Scenario“ zeigt eindrucksvoll, warum „Dungeon Crawler Carl“ inzwischen als eines der Aushängeschilder moderner LitRPG-Literatur gilt. Die Fortsetzung erweitert die Welt, erhöht die Einsätze und bleibt dabei ebenso urkomisch wie überraschend emotional. Wer bereits den ersten Band mochte, bekommt hier genau das, was er sich erhofft: einen noch größeren, verrückteren und gefährlicheren Dungeon. Und natürlich die beruhigende Gewissheit, dass Carl auch diesmal wieder ohne Hose auskommen muss.
UND WAS NUN?