// zuckerschock für den august 2026: ronja von rönne – „alles liebe“

mit dem Werk „Alles Liebe“ von Ronja von Rönne. // Ronja von Rönne hat ja bereits mehrere spannende Romane veröffentlicht, aber mit „Alles Liebe“ gelingt ihr ein kleines Meisterstück. Es wirkt wie eine Collage unterschiedlicher Frauengeschichten, die sich formvollendet miteinander verbinden. Es ist ein Buch über Sehnsüchte, aber auch über die Kunst sich selbst etwas […]

mit dem Werk „Alles Liebe“ von Ronja von Rönne.

// Ronja von Rönne hat ja bereits mehrere spannende Romane veröffentlicht, aber mit „Alles Liebe“ gelingt ihr ein kleines Meisterstück. Es wirkt wie eine Collage unterschiedlicher Frauengeschichten, die sich formvollendet miteinander verbinden. Es ist ein Buch über Sehnsüchte, aber auch über die Kunst sich selbst etwas vorzugaukeln. Im Mittelpunkt steht die Sache mit der Liebe, die hier in kleinen, episodenhaften Geschichten immer wieder durchdekliniert wird und dabei auf so kluge Weise verhandelt wird, dass man sich immer wieder die Augen reibt. Welche Erwartungen habe ich? Was schenkt mir Hoffnung? Was zerstört sie? Wir treffen dabei zum Beispiel auf Laura, die sich schon sehr früh im Leben damit auseinandersetzt, wie man es wohl am besten als Geschichte denken sollte. Oder Barbara, die sich immer wieder in Fantasiewelten flüchtet, um dort ihre Einsamkeit zu vergessen und ihren Träumen freien Lauf zu lassen. Heike wiederum schafft es einfach nicht an den festen Strukturen zu rütteln, die sie umgeben, aber die sie nicht mehr glücklich machen und Christina versucht all das Chaos um sich herum am besten unter dem Deckmantel der Kunst zu sortieren. Sonst wäre es wohl einfach zu viel.

Dabei gelingt es der Autorin immer ein bisschen tiefer zu schürfen, als man das allgemein so gewohnt ist… und genau davon lebt dieses Mosaik an Erzählungen. Es geht um den Sinn. Das Leben an sich. Wie es sein sollte. Wie es ist. Um die Brüche, die sich auftun. Um die Dinge, die nachhallen. Es ist nicht unbedingt ein lautes Buch, vieles schleicht sich an. Wirkt irgendwie zwangsläufig. Unvermeidbar. Zwangsläufig. Und dabei so menschlich, dass man dieses Werk von Zeile zu Zeile tiefer ins Herz schließt. Alle Figuren sind mehr als Schablonen. Sie haben ein Innenleben, das die Autorin seziert. Offenlegt bis zur Schmerzgrenze. Es tut weh teilweise weiterzulesen. Ist gnadenlos. Hoffnungslos. Hoffnungsvoll zugleich. Daraus entstehen mal romantische Zeilen, mal niederschmetternde. Und man kommt nicht umhin sich hier wie ein stiller Beobachter in fremden Biografien zu fühlen, die alles zu bieten haben, was unseren Alltag so lebenswert und verrückt zugleich macht. Dazu braucht es keine großen Momente, im Kleinen ist alles enorm genug. Am Ende fühlt man sich wie erschlagen. Die ganze Tragik ist kaum auszuhalten. Und der Autorin gelingt es tatsächlich all diese Schicksale so zu einem Gesamtbild zusammenzufügen, das es einen atemlos hinterlässt. „Alles Liebe“ ist ein ganz großer Wurf im Kleinen. Man sollte genau hinsehen. Er hat einiges im Gepäck, das man noch dringend brauchen könnte. Und eben so viel, dass man sofort wieder abschütteln möchte. Es ist immer. In letzter Konsequenz. Ehrlich.