// zuckerbeat vol. (6)72 x werktag vol. (1)99 – „he was sunshine, i was midnight rain“

mit den Werken „The Slicks“ von Maggie Nelson“ und „Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist die Kunstgeschicht“ von Jakob Schwerdtfeger. // Wer hat Lust auf einen Perspektivwechsel? Der sollte vielleicht mal in die neuen Werke von Maggie Nelson und Jakob Schwerdtfeger reinschnuppern. Die wirken auf den ersten Blick nicht unbedingt wie zwei bei der Geburt […]

mit den Werken „The Slicks“ von Maggie Nelson“ und „Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist die Kunstgeschicht“ von Jakob Schwerdtfeger.

// Wer hat Lust auf einen Perspektivwechsel? Der sollte vielleicht mal in die neuen Werke von Maggie Nelson und Jakob Schwerdtfeger reinschnuppern. Die wirken auf den ersten Blick nicht unbedingt wie zwei bei der Geburt getrennte Zwillinge, aber sie machen auf spannende Weise deutlich wie vielfältig Kunst heutzutage ist. Popkultur oder Hochkultur, wen juckts? Die Schnittmengen sind enorm und so wirkt auch ein Buch über Taylor Swift und Silvia Plath ziemlich naheliegend, wenn man sich die beiden Frauen mal etwas genauer ansiegt. Sylvia Plath, so viel vorneweg, gilt als eine der nachhaltigsten Lyrikerinnen ihrer Zeit und wird bis heute völlig zu Recht für ihre wegsweisenden Veröffentlichungen gefeiert. Taylor Swift wiederum muss man nicht mehr vorstellen, aber aus diesen zwei so gegensätzlichen Charakteren entspinnt Nelson in The SlicksÜber Silvia Plath und Taylor Swift eine spannende Abhandlung darüber, was es heißt als Frau plötzlich berühmt zu werden.

Dabei stellen sich sofort zahlreiche Fragen: Wieso werden Frauen oft genauer unter die Lupe genommen als Männer? Wie steht es um Fragen der Moral? Hat sich historisch gesehen übehaupt etwas verändert, was die Erwartungshaltungen betrifft?

Dabei schafft es Nelson immer wieder Knoten zu knüpfen zwischen diesen zwei so faszinierenden Frauen. Text oder Songtext. Im Auge der Kunst ist das zweitrangig. Was daraus wird liegt oft im Auge des Betrachters. Und wer wäre Nelson, wenn sie nicht versuchen würde, auf diese so vielschichtigen Fragestellungen auch zufriedenstellende, gar universelle Antworten zu finden. Stattdessen lässt sie ihre Leserschaft selbst entscheiden, wohin die Reise geht. Das ist sicher nicht immer zufriedenstellend, aber zumindest ehrlich. Jakob Schwerdtfeger wiederum interessiert sich weniger für bestimmte Personen, sondern für die Kunst im Allgemeinen. Mit Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist die Kunstgeschicht‘ schafft es der Kunsthistoriker einem ein schweres Thema auf federleichte Weise zu servieren. Kein Wunder, ist der Autor doch selbst als Comedian aktiv uns so streifen wir mit ihm zusammen durch die Kunstepochen und lassen uns von seinem Fachwissen um den kleinen Finger wickeln. Er schafft es so von Kunst zu erzählen, dass man ihm einfach gerne zuhört. Er schafft Bilder, die verfangen und macht auch schwierige Themen leicht verdaulich. Ob einem das gefällt oder er damit seinen Objekten der Begierde auch vollends gerecht wird, sei hier einmal dahin gestellt, aber das erwartet man von diesem Werk auch nicht. Jahreszahlen? Wen interessierts… es geht darum einen Zugang zu schaffen und dafür eignet sich dieses Buch ganz hervorragend. Als Türöffner in eine faszinierende Welt. Womit wir dann auch wieder bei The Slicks gelangt wären. Auch das will Zugang gewähren. Geht dabei tiefer, ist dabei aber nicht minder faszinierend. Wenn du also auf Kunstbücher der etwas anderen Art stehst, dann lass dir diese beiden Werke nicht entgehen. Du wirst ganz sicher begeistert sein.