// strichcode vol. (4)72 – „tales of terror“

mit den Werken „Delusion“ und „Mimi‘ Tales Of Terror“. // Es gibt ja immer wieder Webtoons, die einem im wahrsten Sinne des Wortes den Atem rauben. Die Reihe „Delusion“, die in diesen Tagen auch hierzulande in die Regale kommt, schafft es schon nach wenigen Seiten uns mit einer spannenden Ausganslage zu ködern. Wir finden uns […]

mit den Werken „Delusion“ und „Mimi‘ Tales Of Terror“.

// Es gibt ja immer wieder Webtoons, die einem im wahrsten Sinne des Wortes den Atem rauben. Die Reihe „Delusion“, die in diesen Tagen auch hierzulande in die Regale kommt, schafft es schon nach wenigen Seiten uns mit einer spannenden Ausganslage zu ködern. Wir finden uns im Jahre 1935 in Seoul wieder, wo sich allerhand Gerüchte über eine gewisse Madam Song verbreiten, ihres Zeichen ziemlich reich und noch dazu sehr berühmt, lebt sie seit Jahren zurückgezogen in einem Hotel. Als eines Tages ein Maler namens Iho Yun dazu aufgefordert wird, ein Portrait von ihr in Szene zu setzen, macht er sich auf in dieses so seltsame Anwesen, das vor Geheimnissen nur so zu strotzen scheint. Noch vewunderter wirkt er, als im Haus nicht etwa eine alte Dame auf ihn wartet, sondern junge Frau. Wie das möglich ist? Iho Yun wird neugierig und kommt schnell so einige Ungereimtheiten auf die Spur. Allerdings merkt er dabei gar nicht, wie er selbst immer tiefer in den Sog dieser so spannenden Geschichte hineingezogen wird, die uns Hongjacqa aus Seoul hier vor den Latz knallt.

Es entwickelt sich ein spannender Mystery-Manhwa, der einen mit jeder Seite weiter fasziniert. Kein Wunder, dass sich sogar Disney daran macht, die Geschichte für seinen Streamingdienst in Szene zu setzen.

Im zweiten Band schließlich rückt immer mehr die Frage in den Vordergrund, ob es der mittellose Maler schafft, sich selbst aus dieser Situation zu retten. Die Schlinge um seinen Hals zieht sich immer wieder zu und wir bekommen einen spannenden Mix aus Horror und persönlichem Drama präsentiert, dessen großes Finale man jetzt schon gar nicht mehr erwarten kann. Wir jedenfalls sind begeistert und legen euch diesen historischen Webtoon ganz innig ans Herz. Vorausgesetzt natürlich ihr traut euch. Die Reihe ist nämlich nichts für schwache Nerven.

Genausowenig wie der neueste Wurf aus der Feder des altehrwürdigen Junji Ito. Schon seit geraumer Zeit erscheint bei „Carlsen“ eine hochwertige Sammlung seiner Werke im edlen Hardcover-Look und so sind wir inzwischen bei „Mimi´s Tales Of Terror“ angelangt. Einem Werk, das zusammen mit Hirokatsu Kihara und Ichiro Nakayama entstanden ist. Im Mittelpunkt der düsteren Geschichte steht eine gewisse Mimi, die eigentlich gar nicht an Geister glaubt. Eines Tages allerdings erlebt sie selbst etwas, das sie sich nicht erklären kann und wird plötzlich mittenrein geworfen in eine Welt, die nur so strotzt vor gruseligen Momenten. Erst sind es nur irgendwelche Schatten, dann aber nähern sich mysteriöse Gestalten und schließlich wirkt diese subtile Horrormär nur umso nachhaltiger, weil sie wie immer bei Junji Ito direkt im Alltag der Menschen fußt. Man wird nicht mit einem großen Knall mit einem Monster konfrontiert, sondern die Gefahr schleicht sich langsam an, bis sie einen in einen regelrechten Strudel reißt, aus dem es kein Entkommen mehr gibt. Es ist dieser Prozess in Richtung Wahnsinn, den der Autor immer wieder auf famose Weise durchdekliniert und in grauenhaft-schöne Motive taucht. In seinen urbanen Legenden aus dem Shin Mimibukuro, widmet er sich Großstadt-Erzählungen, die von Hirokatsu Kihara und Ichiro Nakayama zusammen getragen wurden und auf wahren Geistergeschichten beruhen sollen. Mimi steht dabei im Zentrum der Handlung. Sie ist das Bindeglied zwischen den einzelnen Episoden, die auf diese Weise eine gemeinsame Richtung bekommen. Dabei landen wir nicht nur auf einem Friedhof, sondern auch am Strand, wo es ebenfalls spuken soll. Und es macht Spaß sich diesen gruseligen Episoden zu widmen, die einen so schnell nicht mehr loslassen, wie überhaupt alles, was der Autor aus dem Ärmel schüttelt. Wer Junji Ito bisher schon mochte, für den ist dieses Buch eine weitere Offenbarung. Und wir freuen uns jetzt schon auf weiteres aus seinem schier unerschöpflichen Fundus.