// strichcode 02. 09/26 – „chii-chan“

mit dem Werk „Chii-Chan“ von Shuzo Oshimi. // Heute wagen wir uns mal rein in das Leben der Schulschwänzerin Chii, die sich ziemlich schwertut, sich den bestehenden Regeln unterzuordnen. Ihr optisches Erscheinungsbild wirkt bereits ziemlich verwahrlost und dann taucht sie eines Tages auch noch mit einigen Insekten und einer alten, rostigen Schere in der Schule […]

mit dem Werk „Chii-Chan“ von Shuzo Oshimi.

// Heute wagen wir uns mal rein in das Leben der Schulschwänzerin Chii, die sich ziemlich schwertut, sich den bestehenden Regeln unterzuordnen. Ihr optisches Erscheinungsbild wirkt bereits ziemlich verwahrlost und dann taucht sie eines Tages auch noch mit einigen Insekten und einer alten, rostigen Schere in der Schule auf. Nachdem sich die Aufregung etwas gelegt hat, fasst sich ihr Klassenkamerad Kodai ein Herz und versucht sie gemeinsam mit Chiis alter Kindheitsfreundin Yua zurück in die Klasse zu integrieren. Das allerdings gestaltet sich alles andere als einfach. Es hilft zwar schon ein bisschen, dass Kodai selbst ziemlich anerkannt in der Klasse ist, aber es entspinnt sich fortan eine spannende Dreiecksbeziehung zwischen den so gegensätzlichen Figuren, die nur so strotzt vor manipulativen Momenten und Geheimnissen. So kommen im Laufe der Handlung auch immer wieder Aspekte einer längst verdrängten Vergangenheit ans Licht, die einen als Leser neugierig durch die Seiten streifen lässt.

Jedenfalls kommen die Drei sich dabei nicht nur gegenseitig näher, sondern auch zunehmend sich selbst. Es wird auch hinterfragt, ob die Beweggründe von Yua und Kodai tatsächlich so selbstlos sind, wie sie anfänglich wirken. Dabei landen wir schnell in einer spannenden Coming-Of-Ag-Erzählung, die von der Optik her immer wieder im Horrorgenre fußt. Kein klassischer Horror mit Geisterfiguren, aber die Art von Horror, der wir uns alle im Laufe unseres Lebens mal ausgesetzt fühlen, wenn wir uns irgendwo fehl am Platz fühlen. Nach den famosen „Blood On The Tracks“ und „Die Blumen des Bösen“ schafft es Shuzo Oshimi hier abermals uns eine spannende und bisweilen obsessive Geschichte über die Wendungen im Leben eines jungen Menschen vor den Latz zu knallen und auch diesmal sind wir wieder begeistert. Während „Die Blumen des Bösen“ noch direkt auf seinen eigenen Erfahrungen fußte, geht es hier zwar etwas abstrakter zu, aber es ist gerade das Beiläufige, Unscheinbare, das hier mit fortschreitender Handlung eine zunehmende Wucht entwickelt. Du solltest also mal einen Blick riskieren in „Chii-Chan“, du wirst es ganz sicher nicht bereuen. Und damit Schluss für heute. Bis zu unserem nächsten Strichcode.